Wiederaufleben des Militarismus? - Japans neue Marineeinheit im Ostchinesischen Meer empört Peking

Wiederaufleben des Militarismus? - Japans neue Marineeinheit im Ostchinesischen Meer empört Peking
Japan hat am Samstag eine neu geschaffene Eliteeinheit seiner Selbstverteidigungskräfte (SDF) in Dienst gestellt. Peking hat diesbezüglich seine Verstimmung bekundet und warnt vor einer erneuten "Militarisierung" aufseiten Tokios.

Japans neue Einheit soll erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg auch auf Inseln eingesetzt werden, die sich über 1.000 Kilometer von der japanischen Insel Kyushu in Richtung Taiwan erstrecken. Tokio glaubt, dass diese Inseln anfällig für potenzielle Angriffe vonseiten der Volksrepublik China seien, berichtet die Asia Times.

An einer Zeremonie aus Anlass der Präsentation dieser Einheit auf einer strategisch günstig gelegenen Militärbasis - Camp Ainoura in der Nähe von Sasebo auf der Insel Kyushu - sollen rund 1.500 Mitglieder der neuen Amphibious Rapid Deployment Brigade (ARDB) der SDF in Tarnanzügen teilgenommen haben.

"Wiedereroberung abgelegener Inseln"

Vize-Verteidigungsminister Tomohiro Yamamoto erklärte, dass diese Marines ausgebildet werden, um "Eindringlinge an den Grenzen der Nation zu bekämpfen".

Amphibisches Flugzeug der japanischen Marine US-2, hergestellt von ShinMaywa Industries, 4. November 2013.

Angesichts der zunehmend schwierigen Verteidigungs- und Sicherheitslage um Japan herum ist die Verteidigung unserer Inseln zu einem kritischen Mandat geworden", fügte er hinzu.

Der Staatsmann wich jedoch der Frage aus, ob die neue Elitebrigade auch auf jenen Archipelen stationiert werden soll, die Gegenstand widersprüchlicher territorialer Ansprüche Tokios und Pekings sind. Die Rede ist insbesondere von den Senkaku-Inseln, die China als Diaoyu-Inseln bezeichnet. 

Die Japan Times berichtete, dass die Einheit "eine Schlüsselrolle bei der Wiedereroberung abgelegener Inseln" spielen soll, die "in feindliche Hände fallen".

Die Brigade ist die jüngste Ergänzung einer wachsenden japanischen Seestreitmacht, zu der Quasi-Flugzeugträger wie die Hyuga und deren Schwester Ise aus der Hyuga-Klasse "Helikopterzerstörer" ebenso wie Truppentransporter der Osprey Kipprotor-Klasse und verschiedene andere amphibische Angriffsschiffe und -fahrzeuge gehören.

Im vergangenen Monat hatten die Vereinigten Staaten ihre F-35B-Jets für erste Operationen auf See an Bord des amphibischen Angriffsschiffs USS Wasp eingesetzt, das ebenfalls in Sasebo stationiert ist. Der Hafen von Kyushu ist auch die Heimat des Ise-Hubschrauberträgers und liegt in der Nähe der Marinebasis.

Jederzeit einsetzbare Expeditionseinheit als Ziel

Beobachter sagen, dass die Indienststellung der 2.100 Mann starken ARDB Japan einen Schritt näher an die Schaffung einer Truppe ähnlich der U.S. Marine Expeditionary Unit (MEU) bringe, die in der Lage wäre, auch fernab ihrer Heimatbasis Operationen auf See zu planen und durchzuführen.

Grant Newsham, ein Forschungsstipendiat des Japan Forum for Strategic Studies, sagte gegenüber Reuters, dass die Bildung eines solchen Marinekorps bereits die Fähigkeit Tokios bewiesen habe, eine Ad-hoc-Expeditionseinheit zusammenzustellen. Doch "um eine solide, stehende MEU-Fähigkeit zu erlangen, bedarf es gemeinsamer Anstrengungen", die für Tokio "innerhalb eines Jahres oder von eineinhalb Jahren" dieses Ziel erreichbar machen könnten.

Vierer-Handschlag: Japans Verteidigungsminister Itsunori Onodera, Außenminister Tarō Kōno, US-Außenminister Rex Tillerson und US-Verteidigungsminister James Mattis (v.l.n.r.) bei einem Treffen in Washington am 17. August.

In der Volksrepublik China löste die Schaffung der Eliteeinheit Argwohn aus. Am Montag warnte die Pekinger Tageszeitung People's Daily, dass Asien "vor der Wiederbelebung des Militarismus in Japan auf der Hut sein" müsse und zitierte die Nachkriegsverfassung des Landes, die die Größe und Kapazität seiner Streitkräfte auf die Verteidigung beschränkte.

Der Militarismus erhebt in Japan wieder seinen hässlichen Kopf", heißt es in einem von der Zeitung veröffentlichten Meinungsartikel.

Peking: "Japan will Erbe des Zweiten Weltkriegs loswerden"

Im Jahr 2016 drückte der japanische Premierminister Shinzo Abe Sicherheitsgesetze durch das Parlament, die eine Rechtsgrundlage für den Einsatz der SDF in Kriegszeiten schaffen sollten, wo immer Verbündete des Landes angegriffen werden. Dies erfolgte trotz lautstarken Widerstands der Opposition und der Massenproteste, zu denen es anschließend im Land kam.

Bis vor etwa zehn Jahren galt die Entwicklung amphibischer Taktiken zur Landung von Truppen auf feindlichen Küsten im Sinne der pazifistischen Verfassung des Landes als Tabu, denn diese schränkte die Möglichkeiten der SDF auf das "notwendige Mindestmaß" ein.

Aus der Sicht der rechten Kräfte ist der Einsatz der japanischen Truppen über die Grenzen hinaus die Voraussetzung dafür, dass Japan ein normaler Staat wird, sein Erbe aus dem Zweiten Weltkrieg loswird und seinen alten Ruhm zurückerhält", so der Kommentar in der Tageszeitung People's Daily

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