Weil Indien jetzt gegen Schummler vorgeht: Über eine halbe Million Schüler kamen nicht zu Prüfungen

Weil Indien jetzt gegen Schummler vorgeht: Über eine halbe Million Schüler kamen nicht zu Prüfungen
Freunde und Verwandte klettern am 19. März 2015 an die Fenster einer Schule in Vaishali im östlichen Bundesstaat Bihar, in der Prüfungen abgelegt werden. Sie wollen den Schülern Spickzettel überreichen.
Im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh sind knapp zehn Prozent der Schüler nicht zu den jährlichen Prüfungen erschienen. Grund dafür sind laut einem Regierungsbeamten die neuen Maßnahmen gegen Schummler und mafiöse Strukturen, die sich des Themas annehmen.

Überwachungskameras und eine Sondereinheit der Polizei haben in diesem Jahr versucht, die "Bildungsmafia" im Land bei ihrem Geschäft zu stören und Betrüger bei ihren Täuschungsversuchen zu ertappen. Diese Mafia ist in Indien entstanden, da die Schere zwischen den anspruchsvollen Prüfungsanforderungen und dem sinkenden Unterrichtsniveau immer weiter auseinandergeht. Die Konkurrenz um Studienplätze tut ihr Übriges dazu, dass die Zulassung für einige Studiengänge nur mit Bestnote infragekommt. Dafür werden dann Prüfer geschmiert, Lösungen weitergereicht oder andere, noch kreativere Tricks angewendet.

Für mich ist das Bildungsministerium von Uttar Pradesh eine Marke. Die Niederschlagung der Bildungsmafia wird zwei Folgen haben: Erstens werden mehr Schüler in unsere Schulen aufgenommen, und zweitens werden die Schüler stolz darauf sein, sich an unseren Schulen einzuschreiben", erklärte der Minister für Sekundarschulbildung, Dinesh Sharma, der Times of India zufolge.

Sharma zufolge werden verdächtige Prüfungszentren besonders intensiv beobachtet oder geschlossen und Inspektoren, die zu lax sind, entlassen. Die besten Schüler sollen zudem ihre Prüfungsbögen veröffentlichen, damit die Öffentlichkeit nachvollziehen kann, wie es zu der jeweiligen Bewertung gekommen ist, da laut dem Bildungsminister ehrliche Schüler am meisten unter dem Betrug litten.

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Der derzeitige Innenminister Rajnath Singh hatte bereits in den Jahren 1991-92, als er noch Bildungsminister von Uttar Pradesh war, ein sehr strenges Gesetz gegen Betrug bei Prüfungen eingeführt, das sogar Gefängnisstrafen vorsah. Die nachfolgenden Regierungen unternahmen jedoch keine Anstrengungen, es umzusetzen und so dem Betrugssystem Einhalt zu gebieten. Im Gegenteil: Dieses Gesetz wurde als Grund angeführt, weshalb seine Partei die Parlamentswahlen 1993 verloren habe, und von da an immer weiter aufgeweicht. Jetzt jedoch will Singh den mafiösen Strukturen ein Ende bereiten:

Von der Online-Zuteilung von Prüfungszentren bis hin zur Ausrüstung mit Überwachungskameras ging meine Regierung gar so weit, sich einer Sondereinheit der Polizei von Uttar Pradesh zu bedienen, um gegen die Bedrohung vorzugehen und unschuldige Schülern davor zu bewahren, ausgebeutet zu werden.

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