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US-Internierungslager auf Guantanamo wird zum Alters- und Pflegeheim

US-Internierungslager auf Guantanamo wird zum Alters- und Pflegeheim
Die Gefangenen im Internierungslager auf dem US-Stützpunkt Guantanamo Bay Naval Base auf Kuba werden noch lange Zeit dort bleiben müssen. Die medizinische Betreuung wird dabei mit dem Alter immer kostspieliger.
Seit 2002 wird der von den USA betriebene Marinestützpunkt Guantanamo Bay Naval Base auf Kuba als Internierungslager im sogenannten "Krieg gegen den Terror" benutzt. Alter und Krankheiten sorgen dafür, dass das berüchtigte Foltergefängnis zum Pflegeheim wird.

Der älteste Gefangene ist 71 Jahre alt, die meisten anderen sind mittlerweile in ihren Fünfzigern. Es sind noch 40 Personen dort gefangen, ohne Aussicht auf eine Freilassung oder Verlegung. Auch wenn das Interesse der Weltöffentlichkeit an ihrem Schicksal völlig verschwunden ist und die Rufe nach Schließung des Internierungslagers verebbt sind, so teilen die Menschen dort in ihren Zellen das gleiche Schicksal wie alle anderen auch: Sie werden älter. Damit einhergehend steigt auch der Bedarf an medizinischer Betreuung, die nach den Genfer Konventionen den Gefangenen in gleichem Maße zusteht wie den eigenen Truppen.

Ein Insasse von Camp VI auf der US-Naval Base in Guantanamo Bay, Kuba, 22. März 2016.

Da der Kongress eine Aufnahme der Guantanamo-Insassen auf US-amerikanischem Staatsgebiet verboten hat, stellt sich dem Leiter des Stützpunktes, Admiral John Ring, die Frage, wo die Behandlung stattfinden soll. Nebst den normalen Alterserscheinungen machen sich auch die Folgen der Folter bemerkbar, die die psychischen und physischen Erkrankungen verschlimmern. Der Stützpunkt ist zwar mit medizinischer Versorgung ausgestattet, aber eben nicht für komplizierte Operationen, Dialysebehandlungen oder Krebstherapie. Admiral Ring machte deutlich, dass sich das US-Verteidigungsministerium nicht um diese Frage gekümmert hatte:

Ich stecke da in der Zwickmühle. Artikel III der Genfer Konvention besagt, dass ich den Gefangenen dieselbe medizinische Betreuung gewähren muss wie die, die ich einem [US-] Soldaten gewähren würde. Aber wenn ein Soldat krank wird, dann schicke ich ihn nach Hause in die Vereinigten Staaten. 

Das Internierungslager soll aber noch für mindestens 25 weitere Jahre in Betrieb bleiben, was die Problematik der medizinischen Betreuung nur noch weiter verschärfen dürfte, wenn es diesbezüglich keine Planung gibt. Dazu meinte Ring, der im Juni 2018 ein Jahr die Leitung übernommen hatte, weiter: 

Viele meiner Jungs sind prädiabetisch. Soll ich die Dialyse hier unten vornehmen? Ich weiß es nicht. Irgendjemand muss mir das sagen. Werden wir komplexe Krebsbehandlungen hier unten vornehmen? Ich weiß es nicht, irgendjemand muss mir das sagen.

Um sich auf diese unweigerlich bevorstehende Situation vorzubereiten, möchte der Admiral in den nächsten Monaten ein Team in die USA schicken, um sich in Bundesgefängnissen ein Bild davon zu machen, wie diese mit alten Gefangenen umgehen und welche Möglichkeiten sie zur Betreuung haben.

Dass sich der Leiter des Guantanamo-Stützpunktes Gedanken über die Betreuung "seiner Gäste" macht, wie er die Gefangenen euphemistisch nennt, spricht für sein Verantwortungsbewusstsein. Allerdings hatte das Pentagon offensichtlich andere Pläne, als Präsident Donald Trump Anfang 2018 erklärt hatte, dass das Internierungslager nicht geschlossen wird. In einem Memo vom Februar 2018 heißt es, dass das US Southern Command (SOUTHCOM) den Gefangenen nur dann die gleiche Betreuung wie eigenen Soldaten zuteilwerden lässt, "wenn es möglich" und "so weit es durchführbar" ist.

Mehr zum Thema - Menschenversuche in den USA: CIA experimentierte mit "Wahrheitsserum" an Gefangenen (Video) 

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