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Lateinamerika-Experte: Anerkennung von Guaidó nur erster Schritt auf dem Weg zum Sturz Maduros

Lateinamerika-Experte: Anerkennung von Guaidó nur erster Schritt auf dem Weg zum Sturz Maduros
Der selbsternannte Interimspräsident Juan Guaidó (Mitte) nach einer Messe in der Kirche Nuestra Señora de Guadalupe in Caracas am 10. Februar 2019
Die USA wollen laut dem Menschenrechtsprofessor Dan Kovalik an die Energieressourcen Venezuelas. Dafür sind sie sogar bereit, eine militärische Intervention ins Auge zu fassen. Fällt Präsident Maduro, ist ein neuer Rechtsruck in Lateinamerika zu erwarten.

von Ali Özkök

RT Deutsch hat mit dem Lateinamerika-Experten Dan Kovalik gesprochen. Er ist Professor für Menschenrechte an der US-amerikanischen University of Pittsburgh School of Law und Kolumnist bei RT International.

Die USA haben in Venezuela einen Putschversuch gegen Präsident Maduro gestartet. Ist der Versuch gescheitert, oder war die Anerkennung Guaidós nur ein erster Schritt auf dem Weg zum Sturz von Maduro?

Ich denke, dass es sich um den ersten Schritt der USA beim Versuch handelt, Maduro zu stürzen. Ich habe das Gefühl, dass die USA alles in ihrer Macht Stehende tun werden, um einen Regimewechsel in Venezuela zu ermöglichen. Obwohl ich glaube, dass die Option wahnsinnig ist, könnte es sein, dass die USA sogar dazu geneigt sind, ihr Militär einzusetzen.

Mehrere EU-Länder, darunter Frankreich, Deutschland, das Vereinigte Königreich und Spanien, haben Guaidó als Interimspräsident anerkannt. Welche Bedeutung hat dieser Schritt für die Stabilität der Regierung Maduro?

Venezuelas Präsident Nicolás Maduro (r.), flankiert von seiner Frau Cilia Flores (M.), hält eine venezolanische Flagge, während er von einem Balkon des Präsidentenpalastes Miraflores spricht.

Dieser Schritt destabilisiert die Regierung und das Land Venezuela. Er verursacht Probleme von der Tragweite, dass angesichts der Politik, die die westlichen Länder durchführen, ein Bürgerkrieg ausbricht.

Es gibt Hinweise auf Truppenbewegungen aus Kolumbien und Brasilien an die Grenzen Venezuelas. Auch US-Präsident Trump schließt eine militärische Intervention nicht aus. Wie groß ist die Gefahr eines Krieges?

Ich denke, dass die Gefahr eines Krieges erheblich gestiegen ist. Dabei meine ich die Gefahr eines Krieges über Stellvertreter wie Brasilien oder Kolumbien, aber auch einer direkten militärischen Intervention der US-Armee in Venezuela. Das alles dient hauptsächlich der Möglichkeit eines großen Bürgerkrieges in Venezuela. Die Situation ist sehr fragil und deshalb umso gefährlicher.

Inwieweit dürften die enormen Energiereserven eine Motivation für den Sturz von Maduro sein, der an deren Verstaatlichung festhält?

Ich denke, alles, was man da tun muss, ist, den Worten von John Bolton zu lauschen, des Nationalen Sicherheitsberaters von Präsident Trump. Die Energiereserven sind mit Abstand der Hauptgrund für einen forcierten Regimewechsel in Venezuela. Bolton bringt seine Meinung sehr deutlich zum Ausdruck. Er will, dass US-amerikanische Energieunternehmen die venezolanischen Energiequellen kontrollieren. Hinzu kommt, dass Venezuela nicht nur die größten Ölreserven der Welt hat. Es gehört auch zu den Ländern mit den größten Gold- und Koltanreserven. Die Bandbreite der Rohstoffe in Venezuela ist umfassend. Keine Frage, das ist der Hauptgrund.

Ich komme gerne auf den Intellektuellen Noam Chomsky zurück, der vor dem Irakkrieg 2003 bemerkte, dass die USA nicht in dem arabischen Land einmarschieren würden, wenn es dort nicht exportierbare Ressourcen gebe. Das Gleiche gilt für Venezuela – wenn das Land nicht so enorme Ressourcen hätte, hätten sich die USA nicht einmal nach diesem Land umgedreht.

Welche Folgen hätte der Sturz der venezolanischen Regierung für das politische Gleichgewicht in Lateinamerika?

Sollte Maduro gestürzt werden, dann würde sich der politische Rechtsruck, den wir gegenwärtig unter den Regierungen in Lateinamerika beobachten können, deutlich verstärken und festigen. Staaten wie Nicaragua oder Kuba wären in der Folge als Nächste von einem US-Regimewechsel bedroht.

US-Senator Marco Rubio ist einer der lautesten Politiker der USA, der einen Umsturz in Venezuela fordert. Welche Rolle spielt die lateinamerikanische Diaspora bei den Entscheidungen Washingtons?

Insbesondere die kubanische Minderheit in den USA hält daran fest, eine führende Rolle dabei zu spielen, die USA in die Politik Lateinamerikas hineinzuziehen. Das geht einher mit der Förderung einer aggressiven militärischen Interventionspolitik. Eine kleine Gruppe von Kubanern, die vor allem in Miami lebt, besitzt eine enorme Macht, wenn es um die US-Außenpolitik in Lateinamerika geht.

Russland, China, der Iran und die Türkei gehören zu den einflussreichsten internationalen Akteuren, die sich öffentlich hinter Maduro gestellt haben. Reicht dieser Block aus, um Maduro vor den USA und ihren Verbündeten zu schützen?

Bildquelle: Twitter / Nicolas Maduro

Die genannten Länder sind alle in ihrer Region bedeutende Mächte, aber sie sind zeitgleich auch alle sehr weit entfernt von der westlichen Hemisphäre. Deshalb bleibt es schwierig zu behaupten, dass sie Venezuela nachhaltig vor dem Zugriff der USA schützen können.

Venezuela schickt Gold in die Türkei. Die Türkei, ein NATO-Staat, exportiert Nahrungsmittel und humanitäre Hilfe nach Venezuela. Wie wichtig ist die Zusammenarbeit mit Erdoğan, der auch einen Putschversuch im Jahr 2016 überstanden hat, für Maduro?

Die Beziehung zwischen Venezuela und der Türkei ist sehr bedeutend geworden. Nicolás Maduro hat sehr hart daran gearbeitet, das positive Verhältnis zu pflegen. Ich denke, dass Venezuela damit einen sehr schlauen Schritt gemacht hat, um seine internationale Position zu stärken. Die Türkei ist im Begriff, zu einem der Schlüsselpartner von Caracas aufzusteigen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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