US-Sicherheitsberater Brzezinski: Den Islam gegen Russland instrumentalisieren

Fossil der Geopolitik Brzeziński meldet sich zu Wort: „Putin wie Hitler und Deutsche bereit gegen Russland in den Krieg zu ziehen“
Fossil der Geopolitik Brzeziński meldet sich zu Wort: „Putin wie Hitler und Deutsche bereit gegen Russland in den Krieg zu ziehen“
Zbigniew Brzezinski, ehemaliger Sicherheitsberater zahlreicher US-Regierungen seit 1966, mahnte im Interview mit dem US-Sender MSNBC, dass der Islam nicht zum Feind der Amerikaner werden dürfe. Stattdessen plädiert der ausgewiesene Kreml-Feind für eine umfassende Destabilisierungspolitik – wenn nötig mit allen Mitteln – im gesamten eurasischen Raum, um Russland zu schwächen.

Das Attentat auf das linke Satiremagazin Charlie Hebdo in Paris kommentierend, erklärte der US-Geostratege Zbigniew Brzezinski, die Vereinigten Staaten müssen ihre Beziehungen zur islamischen Welt und den Muslimen unbedingt intakt halten. Anders als das zwanghaft nach Homogenität strebende Europa seien die USA schließlich eine multireligiöse Gesellschaft. Die beleidigenden als auch provozierenden anti-islamischen Karikaturen Charlie Hebdos hält der Politikwissenschaftler aus Kalkül für falsch.

Dabei unterstrich Brzezinski:

„Das Wichtigste, was wir machen müssen, ist es zu verhindern, dass wir der Feind Nummer 1 des Islams werden, also in den Augen der vielen Muslime in der Welt (…). Wir müssen die Meinungsfreiheit verteidigen und müssen es gleichzeitig unterlassen, provokativ und widerwärtig zu sein. Denn einige Arten von Humor, die sich beispielsweise in einigen Publikationen in Europa gegen den Propheten richteten, waren außerordentlich provokativ (…). Es ist nicht nötig, zutiefst beleidigende Sachen als Humor darzustellen.“
Der neben Henry Kissinger und Samuel Phillips Huntington zu den grauen Eminenzen US-amerikanischer Außenpolitik zählende Brzezinski findet zudem, dass die USA besser als die Alte Welt Vielfältigkeit in der Gesellschaft akzeptieren sowie Gegensätze zwischen Mehrheitsgesellschaft und marginalisierten Gruppen auflösen. Damit wähnen sich die USA, gerade weil ein funktionierender Austausch mit der lokalen muslimischen Minderheit der Regelfall ist, gegenüber Europa im Umgang mit der muslimischen Welt im Vorteil. Er sagte:
„Die europäischen Staaten sind mehr oder weniger ethnisch und religiös homogen. Wir in den USA leben in einer Welt der Diversität. Die Reaktionen der Europäer sind im Regelfall einseitig. Deshalb glaube ich, dass die europäischen Politiker viel größere Schwierigkeiten damit haben, mit derartigen Problemen umzugehen.“
Nach Kriegen in Afghanistan und Irak, modernen Drohnen-Schlachtfeldern in Pakistan, Jemen und Somalia, dem 2011 erzwungenen Sturz des libyschen Diktators al-Gaddafi und der aktuellen Bombardierung Syriens aus der Luft versprechen sich US-Sicherheitsberater wie Brzezinski durch eine postulierte amerikanische Willkommenskultur à la „Land der unbegrenzten Möglichkeiten auch für Muslime“, verloren geglaubten Einfluss von Marokko bis nach Afghanistan sukzessive zurückzugewinnen.

Wie bereits zu Zeiten des Kalten Krieges sollen Westeuropa und der Nahe Osten den Vereinigten Staaten als Sprungbrett oder gar verlängerter Arm einer anti-russischen, damals anti-sowjetischen, sowie einer den Vernehmungen nach in Vorbereitung befindlichen anti-chinesischen Destabilisierungspolitik dienen. So zog zwar die US-Navy signifikante Flottenverbände aus dem Nahen Osten ab, positionierte sie jedoch im Pazifik neu.

Sowohl Russland als auch China weisen eine signifikante muslimische Bevölkerungsminderheit aus, die, wenn ihr nicht auf Augenhöhe begegnet und sie erfolgreich in die Mehrheitsgesellschaft integriert wird, eine innenpolitische Debatte auslösen oder gar, wie in den 1990er Jahren im Nordkaukasus geprobt, für den Staat destabilisierende bis separatistische Zwecke instrumentalisiert werden kann.

Genau wie US-Milliardär George Soros  ruft Brzezinski – beide US-amerikanische Staatsbürger mit osteuropäischen Wurzeln, die eine ausgewiesene Russophobie gemein haben –EU-Diplomaten in Brüssel dazu auf, das Ukraine-Abenteuer trotz Entstehung gefährlicher Abhängigkeiten mit dem osteuropäischen Pleitestaat massiv auszubauen. Nur so habe die Europäische Union laut Brzezinski, der allerdings kein Hehl aus seiner unverbrüchlichen Loyalität gegenüber Washington macht, die Chance, eine Weltmacht zu werden. Dabei scheint ihm das Eskalationspotenzial eines sturen Weltmachtstrebens, das der internationalen Gemeinschaft bereits zwei Weltkriege beschert hatte, schlichtweg egal zu sein. Was zählt, ist die politische Destabilisierung Russlands, um westlichen Akteuren künftig neue wirtschaftliche Vorteile zu sichern.

Als jahrzehntelanger Berater zahlreicher US-Präsidenten beschrieb der 1928 in Polen, Warschau, geborene Zbigniew Brzezinski in seinem Buch  „Die einzige Weltmacht: Amerikas Strategie der Vorherrschaft“, dass die Grundlage für die Aufrechterhaltung einer unipolaren Welt, wie sie nach dem Ende von Sowjetunion und Warschauer Pakt entstanden war, und den Vereinigten Staaten als einzig verbliebene Weltmacht die alleinige Vorherrschaft über den Planeten eröffnet hatte, die Isolierung Russlands sei. Weiter fordert er, dass die Länder Eurasiens (Europa und Asien) keine stabile oder friedliche Kooperation miteinander eingehen dürfen. Nur so könnten die USA ihren hegemonialen Einfluss weltweit sichern.

Der politische Einfluss Brzezinskis in den USA ist jedoch begrenzt. Seit Präsident Jimmy Carter 1980 aus dem Amt gewählt wurde und dies nicht zuletzt seiner verheerenden außenpolitischen Bilanz zu verdanken war, ist auch Brzezinski als sein damaliger Sicherheitsberater in Washington weitgehend diskreditiert.

Ursache für die folgenreiche westliche Einmischung im Afghanistan-Krieg der 1980er Jahre waren geostrategische Rechenspiele. Jahre danach gab Brzezinski zu, dass Carter bereits am 3. Juli 1979, knapp ein halbes Jahr vor dem russisch-sowjetischen Einmarsch, eine Verfügung zur geheimen Unterstützung afghanischer Rebellen, wie die Taliban, unterzeichnete. Als die Sowjet-Armee, wie spekuliert, am 25. Dezember auf die Provokation reagierte und einmarschierte, notierte Brzezinski:

„Wir haben jetzt die Gelegenheit, der Sowjetunion ihren Vietnamkrieg zu verpassen.“

Erforderlich war es dazu nur, einen Guerillakrieg gegen die Sowjet-Armee in Gang zu halten, ohne dass sie besiegt werden musste. Dabei wurden nicht selten auch dschihadistische Gruppen, aus denen heutige Terrororganisation hervorgingen, wie die al-Kaida, die unter anderem hinter den Anschlägen vom 11. September stand, unterstützt. Unterm Strich ging die Rechnung Washingtons strategisch auf: Der Krieg in Afghanistan trug zur Schwächung Moskaus bei. Dass das Manöver massive soziale und politische Konsequenzen für Afghanistan und letztlich weit darüber hinaus hatte, spielte nach dem geostrategischen Sieg über Moskau augenscheinlich keine Rolle mehr. 1998 antwortete Brzezinski auf die Frage, ob er es nicht bedaure, mit den Hilfen für die Aufständischen in Afghanistan letzten Endes Dschihadisten den Weg bereitet zu haben, mit folgenden Worten:

„Was soll ich bedauern? Diese geheime Operation war eine exzellente Idee. Sie hat die Russen in die afghanische Falle gelockt, und Sie wollen, dass ich das bedauere?“

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