Wieso investierte NSA-Chef in Hochrisikoanlagen in China und Russland?

Quelle: Trevor Paglen, CC0
Quelle: Trevor Paglen, CC0
Der im März 2014 aus seinem Amt geschiedene Direktor der NSA, Keith Alexander, ist nun wegen einiger dubioser Anlagegeschäfte ins Gerede gekommen, die in seine Aktivzeit beim NSA zurückreichen.

Alexander, der nie durch besonders originelle oder tiefgründige Analysen über Wirtschaftsentwicklung im Allgemeinen oder Börsentheorie, Charttechnik und Nischenmärkte im Besonderen aufgefallen war, hatte in einer Zeit in Rohstofftitel mit Bezug zu Russland und China investiert, in der die NSA besonders ausgiebige Versuche unternommen haben soll, diese beiden Länder auszuspionieren.

Hatte sich Keith Alexander zuvor bestenfalls für Standardaktienfonds und ein paar Technologietitel interessiert, entdeckte er ab Mitte der 2000er kontinuierlich Hochrisikotitel als Anlageoption und investierte, ohne dass regierungsamtliche Ethikwächter eingeschritten wären, in Märkte, von denen selbst langjährige Anlageprofis im Regelfall lieber die Finger lassen.

Alexander war unter anderem im Aluminium- und Pottaschemarkt unterwegs. Gerade über Letzteren heißt es, dass dieser ein weitgehend geschlossener Markt sei, in dem sich viel abseits der offiziellen Kanäle vollziehe. Obskure Kartellvereinbarungen über Preise wären dort ebenso die Regel wie solche über Ausstoßmengen.

Umso mehr stellt sich die Frage, ob die NSA Beteiligungsmodelle und die daraus entstehenden Aktionärs- und Kontrollrechte genutzt haben könnten, um auf Tuchfühlung mit dem Management zu gelangen und auf diese Weise an sachdienliche Informationen über die Unternehmen zu kommen, an denen man sich beteiligte.

Einige eigenartige Zufälle zu nicht alltäglichen Ereignissen in der Geschäftsentwicklung der Unternehmen, an denen Alexander beteiligt war, gab es durchaus: Am 7. Januar 2008 trennte sich der Ex-NSA-Chef von seinen Anteilen an der Aluminium Corp. of China (Chinalco), einem staatlichen Unternehmen in Beijing, nachdem Ermittler der US-Regierung herausgefunden hatten, dass Chinalco Insiderinformationen über amerikanische Wettbewerber erlangt haben soll, nachdem für das chinesische Militär arbeitende Hacker in deren Datennetze eingedrungen sein sollen. Die Gruppe soll über Jahre hinweg im Vorfeld von der NSA beschattet worden sein.

Seine Pottasche-Titel, von denen er sich in etwa zur gleichen Zeit trennte, hat Alexander zu früh verkauft. Fünf Monate, nachdem der NSA-Chef sie losgeworden war, stiegen diese um 30 US-Dollar höher als zum Zeitpunkt, da Alexander sich von ihnen trennte.

Reich wurde Alexander mit seinem Ausflug ins besonders risikoreiche Segment der Börse nicht. Allerdings war im darauf folgenden Frühjahr erstmals seitens US-Offizieller die Rede von der vermeintlichen Bedrohung US-amerikanischer Wirtschaftsinteressen durch organisiertes Hackerunwesen aus Russland und China.