Potsdamer Begegnungen in Moskau – Welche Zukunft für die deutsch-russischen Beziehungen?

Potsdamer Begegnungen in Moskau – Welche Zukunft für die deutsch-russischen Beziehungen?
Letzte Woche fanden die „Potsdamer Begegnungen“ statt - eine vom ehemaligen deutschen Bundespräsidenten Roman Herzog ins Leben gerufene Veranstaltung, in der Politiker, Künstler und Wissenschaftler aus Deutschland und Russland über aktuelle Fragen aus Wirtschaft und Politik diskutieren. Im Mittelpunkt der Gespräche stand die Zukunft der deutsch-russischen Beziehungen und der Verweis darauf, dass sich Deutschland nicht länger von den USA die Beziehungen zu Russland diktieren lassen sollte.

Gerade jetzt, wo der Nato-Russland-Rat suspendiert und Russland vom dem G8-Treffen ausgeschlossen wurde, sind Veranstaltungen wie die Potsdamer Begegnungen einer der wenigen Orte, an denen man sich über mögliche Lösungen austauschen und verlorenes Vertrauen aufbauen kann. Matthias Platzeck, ehemaliger Ministerpräsident von Brandenburg, sagte in einem Kommentar zu der Konferenz, dass die politische Anspannung auch im Rahmen dieser Konferenz zu spüren war. Er sprach von „teilweise rauen Tönen“ und bemerkte, dass „etwas zerbrochen sei“ Gleichzeitig betonte er jedoch auch, dass „neue Türen gefunden und geöffnet wurden, die neue Wege aufzeigen, wie es [mit den deutsch-russischen Beziehungen] weitergehen könnte.

Alexander Rahr, Mitglied des Lenkungsausschlusses der Potsdamer Begegnungen, betonnte, dass sich Deutschland nicht länger von den USA die Beziehungen zu Russland diktieren lassen sollte.

Immer mehr EU-Politiker äußerten sich in den letzten Monaten in ähnlicher Weise, insbesondere nachdem deutlich wurde, dass die Sanktionen auch die EU-Wirtschaft stark in Mitleidenschaft gezogen hatte– nicht aber die der USA. Auch wird immer deutlicher, dass eine Lösung bestehender Konflikte, ob nun in Syrien oder der Ukraine, ohne Einbeziehung Russlands nicht zu leisten ist.

Doch, um eine gemeinsame Strategie zu erarbeiten, muss klar sein, auf welchen wirtschaftlichen und politischen Zielen so eine Zusammenarbeit basiert. Zentrale Frage bleibt, ob die Forderung der EU, dass jegliche gemeinsame Partnerschaft auf einer Übernahme liberaler Werte und Rechtspraktiken beruhen muss, weiterhin Grundlage jeglicher Zusammenarbeit sein kann. Wie sich zeigt, ist Russland nicht mehr so bereit wie noch in den 1990er Jahren, diesen als „Diktat“ empfundenen Wertekonsens ohne weiteres zu übernehmen. Dieser Aspekt sollte mehr in der Öffentlichkeit von den Medien und der Politik diskutiert werden. Die Erkenntnis, dass beide Länder von vollkommen unterschiedlichen Perspektiven ausgehen, kann Grundlage einer besseren Zusammenarbeit sein. Gerade Foren wie der Potsdamer Begegnungen leisten hierbei eine zentrale Arbeit, indem sie diesen Punkt ansprechen und Lösungsansätze ohne ideologische Scheuklappen aufzuzeigen.

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