Der Spiegel, Benjamin Bidder und das Sommerloch: Zum Glück gibt es Putin und Russland

Der Spiegel, Benjamin Bidder und das Sommerloch: Zum Glück gibt es Putin und Russland
Der Spiegel, Benjamin Bidder und das Sommerloch: Zum Glück gibt es Putin und Russland
Auch 38 Grad im Schatten scheinen keinen wärmenden Effekt auf die Kalten Krieger der Spiegel-Redaktion zu haben. Die Lebensmittelverbrennungen in Russland nutzt nun deren Russland Korrespondent Benjamin Bidder zu einem russophoben Rundumschlag und er greift dabei auf wirklich alles zurück, was das Lehrbuch für Russlandhetze so hergibt. Er beginnt mit einer Gleichsetzung Putins mit Nazis und dem Islamischen Staat, um dann in bester arischer Hybris mit dem Verweis auf das unzivilisierte und dem „Staatsversagen“-nahe Russland sein Werk abzuschließen.

Was bringt einen Journalisten, einen Auslands-Korrespondenten dazu, ein solches Machwerk zu verfassen, frei von Fakten, dafür gespickt mit ahistorischen Anspielungen, Verleumdungen, Unterstellungen und aus dem Kontext gerissenen Zitaten?

"Präsidentenerlass: Die wahren Gründe für Putins Lebensmittelverbrennungen". Schon der Titel lässt erahnen, in welche Richtung es gehen wird und erinnert in seiner BILD-Imitation an ungute Spiegel-Zeiten unter Büchner und Blome.

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Doch was dann folgt, überrascht wohl selbst hartgesottene Leser des verkümmerten Sturmgeschützes der Demokratie. "Dinge zu verbrennen bringt einen schnell in zweifelhafte Gesellschaft" dient Bidder als Einstieg, um so ohne Umwege in bester propagandistischer Manier, Assoziationen an die Bücherverbrennung der Nazis zu provozieren. Er belässt es aber nicht bei dieser Assoziation sondern verweist noch auf Lebensmittelverbrennungen durch somalische Milizen und "die Terrororganisation 'Islamischer Staat' hat neulich das gleiche mit Hilfspaketen aus den USA getan."

Bidder spielt bewusst mit der Emotionalisierung, die mit den Bildern der Lebensmittelvernichtung einhergeht und berichtet entsprechend nur die "Tatsachen", die in sein manipulatives und denunziatorisches Narrativ passen, alles was zum Verständnis der russischen Vorgehensweise führen könnte, wird konsequent verschwiegen.

Zur Erinnerung an Herrn Bidder: in Deutschland wie in den USA werden Lebensmittel und Agrarprodukte, die einem Einfuhrverbot unterliegen und vom deutschen oder US-amerikanischen Zoll beschlagnahmt werden, ebenfalls vernichtet. Bloß die Bilder dazu schaffen es selten in die westlichen Hauptnachrichten und werden noch seltener gegen Bundeskanzlerin Merkel oder Präsident Obama eingesetzt. Aber Hetze gegen Putin macht scheinbar einfach mehr Spaß und bringt mehr Schulterklopfer beim Soirée der Atlantikbrücke.

Wie die Onlineplattform Propagandaschau treffend beschreibt, ist es wohl kein Zufall, "dass man die gleichen Methoden bei ausländerfeindlichen und nazistischen Hetzern findet. Auch sie stürzen sich auf Polizeiberichte, wühlen im Dreck, skandalisieren soziale Verhältnisse – anstatt deren Ursachen zu hinterfragen – und versuchen mit allen Mitteln einen Keil in die Gesellschaft zu treiben. Was der Nazitroll in Bezug auf Migranten im Web, das [ist] der Bidder im Spiegel […] in Bezug auf Russland."

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In diesem Sinne steht dann auch der Einsatz von Zitaten durch Benjamin Bidder. Ohne direkte Kontextualisierung zitiert er im Rahmen seines Artikels Anton Orech, laut Bidder "Starkolumnist" der liberalen Radiostation Echo Moskaus:

"Es gibt keinen Albtraum, der in Russland nicht real werden könnte."
Keine weitere Erläuterung, wann, wie, wo und in welchem Zusammenhang dieses Zitat gefallen ist, Hauptsache beim Leser bleibt hängen: "Russland und Albtraum".

Der wirkliche Geist der Benjamin Bidder zu solcher Art von Hetz-Beitrag beflügelt, zeigt sich dann in seinem bemerkenswerten Schlusssatz:

"Moskau kann das Importverbot an seinen Grenzen nicht mit zivilisierten Mitteln durchsetzen. Das radikale Vorgehen kaschiert die Schwächen des Systems. Der unter Putin angeblich so stark gewordene Staat zeigt Anzeichen von Staatsversagen."
Wow. Die Generation von Bidders Großvater ist noch mit dem Bild des zu eliminierenden "unzivilisierten" Untermenschen gen Osten gezogen, und Bidder erdreistet sich tatsächlich in dümmlichster Stürmer-Manier und mit deutschem Überlegenheitsgestus Russland als „unzivilisiertes Land“ zu diffamieren, weil es seine Grenze nicht völlig gegen illegale Lebensmittelimporte schützen kann, wohlgemerkt ein Land mit der nach China weltweit längsten Grenze (20.096 Kilometer Grenzlänge versus Deutschland mit 3.621 Kilometern).

SPIEGELein, SPIEGELein an der Elbe  – Wieso schreibst du immer nur dasselbe?

"VerBILDung des Spiegels nimmt ab" titelte RT Deutsch naiverweise noch im April dieses Jahres. Und tatsächlich konnte man den Eindruck gewinnen, dass nach Übernahme des  Chefredakterpostens durch Klaus Brinkbäumer im Print- und  Florian Harms im Online-Bereich der Spiegel zu seinem alten Qualitätsanspruch zurückfinden könnte. Doch diese optimistische Einschätzung wird dank Beiträgen à la Benjamin Bidder zunichte gemacht. Zum Schaden des Nachrichtenmagazins und zum Schaden der deutsch-russischen Beziehungen.

 

RT Redakteur Florian Warweg

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