Flaggschiff der 3. Gaza-Flottille in internationalen Gewässern von israelischer Marine aufgebracht – RT Kolumnistin an Bord

Quelle: https://twitter.com/GazaFFlotilla
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Die israelische Marine hat bekannt gegeben, dass sie das Hauptschiff der Gaza-Flottille, die unter schwedischer Flagge fahrenden Marianne, in internationalen Gewässern aufgebracht und durchsucht hätte, da diese versucht habe, "die Seeblockade zu durchbrechen". An Bord der Marianne befindet sich auch RT-Kolumnistin Nadezhda Keworkowa. Der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu lobte derweil die Marinestreitkräfte für „ihre Bestimmtheit und Effizienz in der Aufrechterhaltung der Seeblockade“ und nannte die Friedensflotte eine Demonstration von Heuchelei und Lügen.

Die Koalition der Gaza-Friedensflottille verlor nach eigenen Angaben in der Nacht von Sonntag auf Montag Kontakt mit ihrem Flaggschiff. Zum Zeitpunkt des Vorfalls befand sich das Schiff 100 Seemeilen von seinem Ziel entfernt in internationalen Gewässern.

RT Kolumnistin Nadezhda Keworkowa, welche sich an Bord der Marianne befindet, berichtete RT via Satellitentelefon vor der Aufbringung, dass Militärhubschrauber und –flugzeuge permanent das Boot umkreisen. Danach brach der Kontakt ab.

Der Pressesprecher der israelischen Armee (IDF), Peter Lerner, bestätigte, dass die israelische Marine das Schiff aufgebracht hätte und die Marianne nun zum Militärhafen Ashdod eskortiert wird, "nachdem mehrmalige Aufforderungen zum Kurswechsel ignoriert worden waren".

Zuvor hatten drei weitere Begleitboote der Marianne den Kurs gewechselt und sich auf den Weg zurück zu ihren jeweiligen Heimathafen gemacht. Laut Aussagen der Gazaflotten-Koalition, war dies bereits zuvor so geplant gewesen:

"Die drei Segelboote, welche die Marianne begleiten und unterstützen sollten (Rachel, Vittorio und Juliano II), haben planmäßig ihren Kurs gewechselt und kehren zu ihren Ursprungshäfen zurück."

Angaben der israelischen Regierung zufolge, wurde der Befehl zum "Umleiten" des Schiffes erst gegeben, nachdem "alle Bemühungen auf diplomatischen Kanälen, sich erschöpft hatten".

Weiter teilte ein Regierungssprecher mit, nach der Weigerung der Mannschaft Kurswechsel einzuleiten, hätten Marinestreitkräfte das Boot „besucht und festgestellt, dass der Einsatz von Gewalt nicht notwendig sei.“ Das Schiff soll innerhalb der nächsten 24 Stunden den Hafen von Ashdod erreichen.

Die Organisatoren der Friedensflotte gaben gegenüber RT jedoch zu verstehen, dass die Aufbringung des Schiffes ihrer Einschätzung nach nicht so friedfertig verlief, wie von der israelischen Marine und Regierung dargestellt:

"Wir konnten das Boot in den letzten Stunden nach der Aufbringung nicht kontaktieren. Wir haben jedoch keinen Grund zu glauben, dass diese so ereignislos und gewaltfrei verlief, wie die Marine es darstellt. Denn das letzte Mal im Jahr 2012, hatte die israelische Marine dies genauso dargestellt, in Wirklichkeit waren jedoch Mannschaftsmitglieder mit Elektroschockpistolen und Schlagstöcken angegriffen und verletzt worden."

Ein Pressevertreter der Gaza-Friedensflottille sagte gegenüber RT, dass sie bereits im Vorfeld damit gerechnet hätten,  "dass Tel-Aviv, alles versuchen wird, um die dritte Friedensflottille zu stoppen, aber dass irgendwo doch auch die Hoffnung präsent war, dass eine vernünftigere Stimme in der israelischen Regierung die Oberhand gewinnen könnte."

In der Zwischenzeit lobte der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu die Marinestreitkräfte für ihre "Bestimmtheit und Effizienz in der Aufrechterhaltung der Seeblockade" und gab seine Einschätzung der Friedensflotte wieder:

"Diese Flottille ist nichts anderes als eine Demonstration von Heuchelei und Lügen, die nur der Terrororganisation Hamas nützt und den Horror in unserer Region ignoriert. Wir sind nicht bereit, den Eingang von Kriegsmaterial für Terrororganisationen nach Gaza zu akzeptieren. Israel ist die einzige Demokratie, die sich in Übereinstimmung mit internationalem Völkerrecht verteidigt."

Die erste Gaza-Flottille war am 31. Mai 2010 von israelischen Spezialeinheiten in internationalen Gewässern aufgebracht worden. Im Zuge dieser Kommandoaktion waren auf dem damaligen Flaggschiff der Flotille, der MV Mavi Marmara,  9 türkische Aktivisten, die sich nach israelischer Darstellung mit Eisenstangen und Messern gegen die Aufbringung zur Wehr gesetzt hatten, getötet worden. Auf israelischer Seite sollen 10 Elitesoldaten der Shayetet 13 verletzt worden sein, einer davon schwer.