Die neue Weltordnung und die Änderung der globalen Geostrategie

Quelle: www.imgbase.info
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Die venezolanische Politologin und Analytikerin internationaler Politik, Aidiana Martínez, beschreibt die Veränderungen im weltweiten Machtgefüge

In der letzten Zeit haben sich weltweit wichtige Ereignisse in der Geopolitik vollzogen, die Analytiker und Intellektuelle in aller Welt veranlasst haben, über das Vorhandensein einer neuen Weltordnung und eine unmittelbar bevorstehende Veränderung in der globalen Geostrategie nachzudenken. Verschiedene angeführte Gründe untermauern diese Theorie.

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Die bestechendsten Begründungen sind dabei die Schwächung der hegemonialen Stellung der USA, die alternativen Integrationsmechanismen, mit denen Lateinamerika und die Karibik ihre gemeinsame Haltung und Politik gegenüber der Welt gestärkt haben, die Öffnung hin zu einer multipolaren Welt sowie die strategische Union Russland–China als grundlegendes Element für einen veränderten Verlauf der globalen Entwicklung.

Zu analysierende Elemente und Variablen gibt es viele, und um eine systematische Untersuchung vorzunehmen, werde ich mir die wichtigsten heraussuchen, also diejenigen, die es gestatten, auf didaktische Weise die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Realität der Welt zu entziffern. Damit ist ein Studienobjekt par excellence auf dem Gebiet der Politikwissenschaften und der internationalen Beziehungen gegeben.

Der Niedergang des sogenannten nordamerikanischen Imperiums, das fälschlicherweise "der Westen" genannt wird, ohne dass die anderen Regionen in der Zone in Betracht gezogen werden, die ebenfalls dieser Sphäre angehören, und der Aufbruch der Völker an der Seite progressiver Anführer haben zu einem Bruch traditioneller Herrschaftsdogmen geführt (unter anderem die "offenkundige Bestimmung“ s. (1), die Monroe-Doktrin und der Washingtoner Konsens).

Und sie haben die Welt dazu gebracht, sich strategisch gegen die Ausgrenzung, gegen die Armut, gegen die Ausplünderung der Naturreichtümer, für die Verteidigung der Souveränität und Selbstbestimmung, für die Achtung der Asymmetrien und für eine Zusammenarbeit unter humanistischen Voraussetzungen mittels der Öffnung hin zu einer multipolaren Welt zu vereinen, die es gestattet, alle Angriffe und die Missachtung zu überwinden, denen uns die unterworfen haben, die zu Unrecht "Erste Welt" genannt werden.

China und Russland als strategische Länder haben zu der Entwicklung von Technologien, Infrastruktur, Bildung, Ernährung und Kultur in unseren Regionen viele Elemente beigesteuert, die einen bemerkenswerten wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Fortschritt erlaubt haben. Dabei ist die Zusammenarbeit nicht den Bedingungen des Verlustes der Souveränität unterworfen, sondern die Beziehungen entfalten sich zum gegenseitigen Vorteil. Dieser kommt der Mehrheit zugute, respektiert die Asymmetrien und wirkt für einen Fortschritt für die Nationen, die von einigen Analytikern despektierlich "Peripherie" genannt werden.

Ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt nun die Abwicklung des Handelsaustausches zwischen der Russischen Föderation (russische Zentralbank) und der Volksrepublik China (chinesische Volksbank) in Rubel und Yuan, womit auf dem vom US-Dollar beherrschten internationalen Markt aufgrund der ungünstigen Aspekte, die dieses Bündnis für das bisherige Devisenbollwerk mit sich bringen könnte, Spannungen hervorgerufen werden.

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Die wirtschaftliche und politische Logik führt zu der Vorhersage, dass sich bei einer Konsolidierung dieser bedeutsamen Aktion die Unabhängigkeit des US-Dollars verringern wird. Zudem wird der Yuan zu einer Stärkung für die Brics-Staaten und lässt ein Szenarium sichtbar werden, wo diese Währung zur Reservewährung Südostasiens werden könnte. Präsident Putin sagte hierzu: "Die Zahlungen in Rubel und Yuan sind sehr vielversprechend. Das bedeutet, dass sich objektiv der Einfluss des Dollar auf dem Gebiet des Energiewesens weltweit verringern wird. Das wäre nicht schlecht, weder für die Weltwirtschaft noch für die Finanzwelt, noch für den Weltenergiemarkt."

Andere strategische Kernpunkte der chinesisch-russischen Allianz sind unter anderem die Zusammenarbeit in der Euroasiatischen Wirtschaftsgemeinschaft, die Zusammenarbeit innerhalb des Wirtschaftsgürtels "Seidenstraße", die gemeinsame Nutzung des russischen Navigationssystems Glonass und des chinesischen Gegenstücks Beidou, die Altai-Gasleitung sowie das Eisenbahnprojekt Moskau–Kasan (nach Angaben von Telesur).

Unter diesem Aspekt muss man die ständigen Angriffe der USA gegen Russland und die mit ihm verbündeten Länder sehen, da diese Zusammenarbeit eine Bedrohung für die maßlosen Bestrebungen der USA darstellen. Eine der spürbarsten sind die von Barack Obama verkündeten Sanktionen, die das Verbot "neuer Investitionen von US-Bürgern auf der Krimhalbinsel sowie den Import von Gütern, Dienstleistungen und Technologien von der Krim in die USA" beinhalten. Dagegen hat China seinerseits der russischen Nation den nötigen wirtschaftlichen Beistand angeboten, um den Rubel zu stabilisieren und gemeinsame Anstrengungen zu unternehmen, um aus dem Yuan eine Weltreservewährung zu machen.

Die Beziehungen China–Lateinamerika haben eine grundlegende Rolle bei den weltweiten Veränderungen der Geopolitik gespielt. Präsident Xi Jinping absolvierte im Juli 2014 offizielle Besuche in Venezuela, Brasilien, Kuba und Argentinien und kündigte für den 18. Mai des laufenden Jahres einen Besuch des chinesischen Ministerpräsidenten Li Kegiang an, dessen Reise die Stärkung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen dem "asiatischen Riesen" und Lateinamerika zum Ziel hat. Bedeutsam sind auch die Konsolidierung des Wirtschaftsforums China–Celac und die exzellenten Beziehungen, die dieses asiatische Land mit unserer Region unterhält, wobei die fruchtbringenden Beziehungen der Bolivarischen Republik Venezuela mit der asiatischen Nation besonders ins Auge springen.

In Bezug auf Russland ist die Förderung der bilateralen Beziehungen mit unserer Region eine Tatsache, wobei seit Amtsantritt von Präsident Hugo Chávez ein brüderlicher Umgang miteinander vorherrscht, der auch unter der gegenwärtigen Präsidentschaft von Nicolás Maduro fortgesetzt wird. Weitere Beispiele sind der Besuch der argentinischen Präsidentin Cristina Fernández im Kreml, in dessen Verlauf ein "integrales strategischen Abkommen" zwischen den beiden Nationen erzielt wurde.

Außerdem weilte der russische Außenminister Sergej Lawrow in mehreren lateinamerikanischen Ländern, darunter Kuba, Nicaragua, Kolumbien und Guatemala, wo er an der Außenministerkonferenz des Mittelamerikanischen Integrationssystems (Sica) mit dem Ziel teilnahm, "die nachhaltige Wirtschaftsentwicklung der Mitgliedsländer zu fördern". Auch muss die Einrichtung des russischen "Nationalkomitees für die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den Ländern Lateinamerikas" als eines der Instrumente für die Festigung der Wirtschaftsbeziehungen in der Region hervorgehoben werden.

(1) Anmerkung der Redaktion: Die "Manifest Destiny" besagt, dass die USA einen göttlichen Auftrag zur Expansion hätten, "die offenkundige Bestimmung der Nation, sich auszubreiten und den gesamten Kontinent in Besitz zu nehmen" (John L. O’Sullivan)

Dieser Artikel ist zuerst auf amerika21.de erschienen. Er wird im Rahmen einer Content-Partnerschaft auf rtdeutsch.com publiziert.