Starjournalist Seymour Hersh: "Das Weiße Haus hat über den Tod von Osama Bin Laden gelogen"

Seymour_Hersh - Quelle: Institute for Policy Studies - CC BY 2.0
Seymour_Hersh - Quelle: Institute for Policy Studies - CC BY 2.0
Seymour Hersh, einer der bekanntesten investigativen Journalisten der USA, hat in einer neuen umfassenden Recherche nachgewiesen, dass das Weiße Haus über den Tod des Al-Kaida Anführers Osama Bin Laden massiv die Öffentlichkeit belogen hat. Hersh hatte zuvor sowohl das US-Massaker von My Lai im Vietnamkrieg als auch den Folter-Skandal der US-Armee im irakischen Abu-Ghuraib-Gefängnis aufgedeckt.

Die Eliminierung des Al-Kaida-Chefs durch US-amerikanische Navy Seals galt als einer der größten außenpolitischen Erfolge von US-Präsident Barack Obama. Doch diese Erfolgsgeschichte ist nach den neuesten investigativen Veröffentlichungen im London Review of Books des Publitzer-Preisträgers Hersh so nicht mehr zu halten. Der US Präsident hat die Öffentlichkeit angelogen.

Laut den Recherchen von Hersh, bei denen er sich auf hochrangige Quellen im US-Geheimdienst, aus dem Beraterumfeld von US-Spezialeinheiten sowie eine Quelle des pakistanischen Geheimdienstes beruft, ist die de facto Version der Todesumstände von Bin Laden eine ganz andere, als die offiziell präsentierte.

Die offizielle Version der USA, die so auch in dem bekannten Hollywoodfilm „Zero Dark Thirty“ umgesetzt wurde, lautete bisher, der Al-Kaida Führer sei mittels der Aufspürung und Überwachung seines lokalen Kuriers des Vertrauens lokalisiert und im Verlauf eines Feuergefechtes durch US-Spezialeinheiten getötet worden. Dies, so das US-Narrativ weiter,  sei alles ohne Wissen und Zutun des pakistanischen Geheimdienstes geschehen.

Tatsächlich war Osama jedoch, wie Hersh darlegt, bereits seit 2006 Gefangener des pakistanischen Geheimdienstes ISI. Dieser nutzte ihn als Druckmittel bei Verhandlungen mit den Taliban und Al-Kaida.

Quelle: Screenshot YouTube-Video

Ein ehemaliger pakistanischer Geheimdienstoffizier soll diese Information, in Hoffnung auf die ausgesetzte Belohnung in Höhe von 25 Millionen US-Dollar, an die USA verkauft haben.

Auch die Erklärung des Weißen Hauses, Bin Laden sei in einem Feuergefecht gestorben, ist laut Hersh aus dem einfachen Grund erlogen, dass es gar kein Gefecht gegeben habe, da sich die Wachmänner des pakistanischen Geheimdienstes vor dem Zugriff der US-Navy Seals von ihren Posten und dem Grundstück zurückgezogen hatten. Hersh weißt in diesem Zusammenhang auch daraufhin, dass die US-Spezialkräfte deswegen auch die Möglichkeit gehabt hätten, Bin Laden lebendig zu fassen.

Doch damit nicht genug. Auch die Darstellung von US-Präsident Obama, die Leiche sei nach islamischen Regeln auf einem US-Flugzeugträger auf See bestattet und versenkt worden, stimmt laut Hersh so nicht. Er zitiert in seinem Artikel eine Quelle aus dem Umfeld der Navy Seals:

"Die sterblichen Überreste, darunter auch der Kopf, wurden in einem Leichensack verstaut und während des Hubschrauberflugs zurück nach Dschalalabad über dem Hindukusch abgeworfen - jedenfalls haben die Seals das behauptet."
Das Weiße Haus hat bisher zu den Vorwürfen keine Stellung genommen.

 

 Wenn Hershs Recherchen zutreffen, was betrachtet die US-Führungsspitze dann wirklich auf dem Bildschirm? Quelle: White House
Wenn Hershs Recherchen zutreffen, was betrachtet die US-Führungsspitze dann wirklich auf dem Bildschirm? Quelle: White House

 

Bis heute konnte zudem noch nicht geklärt werden, inwieweit Bin Laden wirklich für die Anschläge von 9/11 verantwortlich war. Vergessen bei allen von Bin Laden ausgestrahlten Propagandabotschaften wurde seine unmittelbare Reaktion nach den Anschlägen: Er dementierte damals die Verantwortlichkeit von Al-Kaida.