Ex-US-Botschafter in Moskau: Wir haben uns immer für friedliche Lösung eingesetzt, nur Putin will Krieg

Quelle: U.S. Department of State/ Gemeinfrei
Quelle: U.S. Department of State/ Gemeinfrei
Der ehemalige US-Botschafter in Russland, Michael McFaul, hat gegenüber ukrainischen Medien verkündet, dass seiner Meinung nach der Konflikt in der Ostukraine in naher Zukunft kein Ende finden wird. Angesichts dieser Einschätzung überlege Washington nach den Präsidentschaftswahlen 2016 noch mehr Waffen in das Bürgerkriegsland zu entsenden. McFaul betonte zudem, dass sich zwar die USA immer für eine "friedliche Lösung der Ukraine-Krise am Verhandlungstisch eingesetzt hatten, "aber nicht so Putin, der will, dass die Situation so bleibt, wie sie ist“.

Es sei niemals einfach, vorherzusagen, was als nächstes passiere, insbesondere beim Umgang mit Russland, sagte McFaul in einem Interview mit dem ukrainischen Nachrichtenportal „Podrobnosti“ (zu Deutsch: Details).

Quelle: RT

Dem ehemaligen Botschafter zufolge spiele die aktuelle Lage in der Ukraine dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in die Hände. Obwohl der US-Diplomat offenbar zu übersehen scheint, welchen immensen wirtschaftlichen Schaden die Ukraine-Krise für ganz Osteuropa ausgelöst hat, behauptet er, dass Moskau den Konflikt allein als Druckmittel gegen die Maidan-Regierung in Kiew benutze sowie insgeheim auf den wirtschaftlichen Zusammenbruch des Landes spekuliere.

Ganz im Sinne der „Selbstverteidigungs-Rhetorik“ relativiert der Diplomat den Standpunkt und Expansionsdrang der NATO und Washingtons dahingehend, dass er die USA im Interview trotz Waffenlieferungen und Entsendung von Militärs sowie Militärberatern in die Ukraine als diejenigen darstellte, die angeblich von vorneherein eine friedliche Lösung der Ukraine-Krise am Verhandlungstisch forderten. „Aber nicht Putin […], er will, dass die Situation so bleibt, wie sie ist“, so beschuldigte der Diplomat.

McFaul zufolge habe US-Präsident Barack Obama kürzlich an einer Diskussion an der renommierten Stanford Universität, an der der Ex-Diplomat eine Professur in Politikwissenschaften inne hat, teilgenommen. Dabei soll sich das Gespräch hauptsächlich um die Situation in der Ukraine gedreht haben. Zuvor erklärte McFaul, dass die USA nach den Wahlen 2016 die Frage rund um neue und noch schwerere Waffenlieferungen an Kiew überdenken könnten.

Quelle: Ruptly

Derweil scheint das Thema den Demokraten, die nach zwei Amtszeiten Barack Obamas um jede Stimme bangen, allerdings innenpolitisch zu heikel zu sein. Vielmehr wolle man – anders als McFaul zu suggerieren sucht – den Status quo nutzen, um vorerst in ruhigere Fahrwasser zu kommen.

Michael McFaul hatte während seiner Zeit als Botschafter in Moskau immer wieder für Schlagzeilen gesorgt.  So hatte sich der US-Amerikaner nur eine Woche nach seinem Postenantritt im Jahr 2012 sogleich mit Anführern der russischen Opposition, unter anderem Boris Nemzow, getroffen.

Darüber hinaus hatte McFaul vehement das zu seiner Anfangszeit als Botschafter 2012 frisch verabschiedete russische Gesetz über nicht-staatliche Organisationen als ausländische Agenten kritisiert, obwohl in den USA ein vergleichbares Gesetz (Foreign Agents Registration Act, FARA) bereits seit 1938 existiert.  McFaul reagierte unter anderem deshalb so sensibel, weil er persönlich mit einer der unter das Gesetz fallenden Organisationen eng verbunden war und es nach wie vor ist. Der ehemalige Botschaft ist zudem  im Lenkungsausschuss der National Endowment for Democracy-Stiftung (NED) tätig.