Mordserie gegen Oppositionspolitiker in der Ukraine hält an

Mordserie gegen Oppositionspolitiker in der Ukraine hält an
Mordserie gegen Oppositionspolitiker in der Ukraine hält an
Der frühere Abgeordnete des ukrainischen Parlaments, Anti-Maidan Aktivist und Mitglied der Partei der Regionen, Oleg Kalaschnikow ist in der Nähe seiner Kiewer Wohnung ermordet worden. Sein Tod ist die Fortsetzung einer ganzen Reihe von Morden und ominösen Selbstmorden von Oppositionspolitikern und hohen Amtsträgern der Partei des ehemaligen Präsidenten Wiktor Janukowytsch seit Februar dieses Jahres. 

Der 52-jährige war am Mittwochnachmittag tot in der Nähe seiner Wohnung aufgefunden worden. Laut Angaben des ukrainischen Innenministeriums wurde der Anti-Maidan Aktivist mit einer Pistole niedergeschossen. Vasily Paskal, Chef der ukrainischen Kriminalpolizei hat die Untersuchung unter seine persönliche Aufsicht gestellt und versprach die Ergebnisse sobald sie vorliegen, umgehend mit den Medien zu teilen.

Die Untersuchung konzentriert sich nach Angaben von Anton Geraschenko, Chefberater des ukrainischen Innenministers, auf mehrere mögliche Tatmotive. Geraschenko zufolge wird als bisheriges Hauptmotiv für den Mord an Kalaschnikow dessen “politische Aktivität” in Verbindung mit "seiner Teilnahme an der Organisation und Finanzierung von konter-revolutionären Ereignissen in der Ukraine" in Betracht gezogen.

Quelle: tsn.ua

Der Chefberater des Innenministeriums betonte gegenüber Journalisten, dass Kalaschnikow „profundes Wissen über die Anti-Maidan Bewegung“ hatte und führte weiter aus:

"Ohne Zweifel verfügte der Verstorbene über ein großes Wissen wer auf welchen Wegen die Anit-Maidan Bewegung finanziert. Ein Vorhaben, welches Janukowytsch und seine Kamarilla jeden Tag Millionen Hrywnjas [ukrainische Währung] kostet. Diese Geheimnisse wird er nun mit ins Grab nehmen."
Man stelle sich vor, in Deutschland würde sich ein Staatssekretär des Innenministeriums nach dem Mord an einem ehemaligen Abgeordneten einer Oppositionspartei des Bundestages an die Presse wenden, und in diesem Zusammenhang auf den ehemaligen Bundeskanzler als „dieser und seine Kamarilla“ verweisen.

Daneben nannte der Chefberater des Innenministeriums noch „Schulden, persönliche Feindschaften sowie Einbruchsversuch“ als mögliche Tatmotive.

Ukrainische Medien berichten darüber hinaus, dass Kalaschnikow in letzter Zeit verstärkt Mord- und Gewaltdrohungen erhalten habe, insbesondere nachdem er das Recht der Ukrainer auf die Begehung der Feierlichkeiten zum 70. Jahrestages des Sieges gegen Nazi-Deutschland verteidigt hatte.

In einem Brief, den er kurz vor seiner Ermordung an einen Freund verfasst hatte, schrieb er:

"Offene Todesdrohungen und permanente Beschimpfungen übelster Art sind für mich zur Normalität geworden, seit ich öffentlich dazu aufgerufen habe, unsere Helden des Großen Vaterländischen Krieges weiter zu ehren."

Der Abgeordnete und ehemalige Sprecher des Rechten Sektors, Borislav Bereza, sagte gegenüber ukrainischen Medien, dass Kalaschnikow von „seinem ehemaligen Arbeitgeber“  eliminiert wurde, aus Angst er könnte Details über deren frühere Aktivitäten offenlegen.

Oleg Tsarew, Parlamentssprecher der selbsternannten Volksrepublik "Novorossiya" sagte anlässlich des Mordes zur russischen Nachrichtenagentur Lifenews:

 "Natürlich ist dies ein Mord aus politischen Motiven. Es ist mittlerweile extrem schwierig geworden seine eigene Meinung öffentlich zu vertreten. Dies ist eine Vergeltungstat, und soll als Warnung gelten für alle, die sich der Kiewer Regierung entgegenstellen."
In den letzten Monaten starben mindestens acht ehemalige ukrainische Amtsträger, Funktionäre und Politiker. Ein Großteil der Todesfälle wurde von offiziellen Stellen als Selbstmord deklariert. Alle Opfer waren Mitglieder der "Partei der Regionen",  der Partei des im Zuge des Maidan-Putsches gestürzten Präsidenten Janukowytsch:

Am Tag der Ermordung des russischen Oppositionspolitikers Boris Nemtsow, dem 27. Februar, stürzte Michael Chechetow, ebenfalls ehemaliges Mitglied der Partei der Regionen und ehemaliger Leiter des staatlichen Grundstücksfonds, aus einem Fenster seiner Wohnung. Die offizielle Version des ukrainischen Innenministeriums lautet auf "Selbstmord".

Zusätzlich begangen ebenfalls im Februar angeblich Selbstmord, allerdings ohne dass einer der erwähnten Personen einen Abschiedsbrief hinterlassen hätte:

Der ehemalige Vorsitzende des Regionalrates in Kharkow, Nicholai Sergienko; der ehemalige Bürgermeister von Melitopol, Sergei Walter; der Polizeichef von Melitopol, Sergey Bordyuga sowie der ehemalige Abgeordnete Stanislaw Melnik.

Am 12. März war der ehemalige Gouverneur von Zaporozhzhye und Mitglied der Partei der Regionen, Alexander Peklushenko, mit einem Genickschuss tot aufgefunden worden. Auch hier lautete das vorläufige Ermittlungsergebnis der ukrainischen Kriminalpolizei auf Selbstmord.

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