Familiäre Rachegelüste? WELT-Redakteur Jörg Eigendorf macht Jagd auf Publikumskonferenz

Familiäre Rachegelüste? WELT-Redakteur Jörg Eigendorf macht Jagd auf Publikumskonferenz
Familiäre Rachegelüste? WELT-Redakteur Jörg Eigendorf macht Jagd auf Publikumskonferenz
Die Springer-Presse hat schon immer wenig Skrupel gezeigt, mit lauteren und unlauteren Mitteln gegen missliebige Kritiker vorzugehen. In der neusten Episode hetzt DIE WELT ihr „Investigativteam“ auf die Vorsitzende der Publikumskonferenz, Maren Müller. Diese hat regelmäßig die unprofessionelle Ukraineberichterstattung der ZDF-Korrespondentin Katrin Eigendorf bloßgestellt, Ehefrau des Leiters des "WELT-Investigativteams".

Das Investigativ-Team der Welt umfasst zehn Personen unter der Leitung von Jörg Eigendorf. Zunächst hatte am 13. November 2014 Ileana Grabitz, Jahrgang 1973 und ihres Zeichen stellvertretende Ressortleiterin im Investigativteam der WELT, Maren Müller in Leipzig zu einem Interview über die Ständige Publikumskonferenz eingeladen. Die Interview-Fragen drehten sich darüber wie alles begann, Arbeitsabläufe bei den Programmbeschwerden und die Motivation der Akteure, all dies noch garniert mit einigen privaten Fragen zur Biografie von Maren Müller.

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Das Interview dauerte über zwei Stunden, doch bis heute hat Grabitz keinen Artikel über das Treffen verfasst. Maren Müller selbst zeigte sich darüber nicht sehr verwundert:

"Ich dachte zunächst, dass das Material wohl doch nicht so spannend für ein Investigativteam war. Schließlich schreibt man da über brisante Themen wie NSU, Lebensmittel aus China, Dschihadisten, Geheimdienste, Ivan Rodionov und die Stiftung Warentest. Da passt die Publikumskonferenz irgendwie nicht rein."
Doch vor kurzem ist bekannt geworden, dass ein weiterer Journalist des WELT-Investigativ-Teams seit November 2014 zu ihr recherchiert. Dirk Banse, Jahrgang 1967, hatte im November letzten Jahres, also ungefähr zum Zeitpunkt des Interviews, Bezug nehmend auf das Informationsfreiheitsgesetz beim Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (BStU) einen Antrag auf Herausgabe eines Behördenvorganges gestellt, dem der Überprüfung von Maren Müller auf hauptamtliche oder inoffizielle Tätigkeit für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS).

Banse, Absolvent der DDR-Kaderschmiede für Journalismus "Rotes Kloster", recherchiert nach Eigendarstellung vor allem Fälle, in denen Geheimdienste oder ein krimineller Hintergrund eine Rolle spielen. Sein eigener wurde bisher nur wenig beleuchtet, deswegen hat RT Deutsch jetzt in Moskau angefragt, was zu Dirk Banse in den Jahren 1975 bis 1990 in entsprechenden Archiven schlummert.

Um es kurz zu machen, besagter Behördenvorgang, der eine Stasi-Überprüfung aus dem Jahr 1997 zum Inhalt hatte, ergab keine Hinweise auf eine hauptamtliche oder inoffizielle Tätigkeit für das MfS von Maren Müller.

Doch der Vorgang selbst spricht Bände über den Zustand und die Verfasstheit des deutschen Journalismus. Eine sich hochtrabend Investigativteam nennende Springermeute, setzt mindestens zwei gutbezahlte WELT-Journalisten darauf an, kompromittierendes, geheimdienstliches Material zu finden, dass es so ermöglichen soll, die Vorsitzende eines Vereins zu demontieren, der es wagt, mit formalen Programmbeschwerden den Öffentlich-Rechtlichen auf die manipulativen Finger zu schauen. Und in diesem Rahmen, dass geht aber nun wirklich zu weit Frau Müller, auch noch die semi-professionelle Arbeit der ZDF-Korrespondentin Eigendorf mittels zahlreicher Programmbeschwerden als das aufzuzeigen, was es ist, eine extrem einseitige, tendenziöse, manipulative und zudem auch oft handwerklich unsaubere Berichterstattung.

Chefreporter und Chef-Investigativ-Journalist Jörg Eigendorf (bei Springer scheint man auch mit "Chef"-Titeln bezahlt zu werden) schrieb in einem Beitrag unter dem Titel "Im Sumpf der Halbwahrheiten ist Putin Meister":

"Viele Verbindungen und Netzwerke aus Zeiten des Ostblocks sind noch lebendig. Die Identifikation mit der neuen Bundesrepublik nach 1990 ist in Teilen der Bevölkerung gering geblieben. Es ist zudem verdrängt worden, dass die alte Bundesrepublik einer der Hauptplätze für ostdeutsche und russische Spionage war. Nirgends hat es so viele Quellen gegeben, die heute noch kompromittiert werden können – ohne dass es erkennbar wäre."
Eingedenk der Tatsache, dass Springer-Journalisten als Teil ihres Arbeitsvertrages die mehr als deutlich formulierten transatlantischen Grundsätze und Leitlinien des Unternehmens unterschreiben und befolgen müssen, ist offensichtlich in welche  einseitige Richtung die "investigative" Recherche der WELT in diesem Fall geht.

Doch wie bereits Malte Daniljuk in einem Beitrag für Telepolis schrieb, und dem ist nichts hinzuzufügen:

"Spätestens wenn Eigendorf Kritikern seiner parteiischen Berichterstattung nicht nur pauschal Verbindungen zu gegnerischen Geheimdiensten unterstellt, sondern sogar sein "Investigativteam" auf sie ansetzt, ist der Punkt erreicht, an dem sich der deutsche Journalismus und der Springer-Verlag im Besonderen jenseits des demokratischen Selbstverständnisses bewegen, das man so gerne lauthals für sich reklamiert."