Nach Chevron-Rückzug aus Rumänien - Steht Fracking in Europa vor dem endgültigen Aus?

Fracking-Explorationsfelder - Quelle: Simon Fraser University
Fracking-Explorationsfelder - Quelle: Simon Fraser University
Nach Exxon Mobil und Total hat nun auch der US-amerikanische Energieriese hinsichtlich seiner Schiefergas-Explorationsprojekte in Osteuropa das Handtuch geworfen. Umweltverbände werten dies als großen Erfolg ihrer anhaltenden Proteste gegen die umstrittene Fracking-Technologie.

Europa bleibt ein hartes Pflaster für Fracking-Unternehmer. Nun hat der US-Energieriese Chevron das Ende seiner Explorationsbemühungen in Rumänien bekannt gegeben. Gründe hierfür waren unter anderem eine unter den Erwartungen bleibende Ausbeute und anhaltende Proteste von Umweltgruppen. Der Rückzug aus Rumänien bedeutet gleichzeitig auch das Ende aller Bemühungen Chevrons, in Europa nach Fracking-Standorten zu suchen.

Vor dem Hintergrund fallender Ölpreise und schlechter Ergebnisse in Europa will sich Chevron auf den Heimatmarkt fokussieren. Bereits im letzten Monat hatte man den Stopp aller Projekte in Polen verkündet und von Vereinbarungen in Litauen und der Ukraine zurückgetreten. Ein Sprecher des Unternehmens hatte nun gegenüber dem Wall Street Journal das Ende der Tätigkeit in Rumänien anklingen lassen, ohne die Gründe zu spezifizieren. Ein offizielles Statement steht noch aus.

Quelle: Wikipedia

Während die Energieinformationsverwaltung der USA ursprünglich davon ausging, dass Rumänien über ausreichend Schiefergas verfügen könnte, um den heimischen Bedarf für mehr als ein Jahrhundert zu decken, bekannte Premierminister Victor Ponta bereits im Vorjahr:

"Es sieht so aus, als gäbe es in Rumänien gar kein Schiefergas."

Global gesehen ist die "Versagerquote" unter den Explorationen, die Chevron vorangetrieben hatte, Bloomberg zufolge von 18 Prozent im Jahre 2013 auf 30 Prozent im Vorjahr angestiegen. Ganze 16 von 53 Bohrstellen, an denen das Unternehmen tätig wurde, wiesen gar keine oder für die kommerzielle Nutzung zu geringe Mengen an Erdgas auf.

Auch in anderen europäischen Ländern geht es mit der Fracking-Technologie nur schleppend voran. In Deutschland und Frankreich gelten Moratorien, in Großbritannien wurden strenge Regulierungen in Kraft gesetzt. Insgesamt strich Chevron unter dem Eindruck der wenig zufriedenstellenden Ergebnisse das Budget für Explorationsunternehmungen für 2015 um 13 Prozent auf 35 Milliarden US-Dollar zusammen. Umweltaktivisten betrachten diese Entwicklung als einen bedeutenden Erfolg ihrer Aktivitäten gegen die umstrittene Technologie.

Fracking, der Prozess hydraulischer Spaltung und horizontalen Bohrens auf Landflächen, war ursprünglich wesentlich teurer als die Erdölexploration auf See. In den vorangegangenen Jahren konnten die Kosten jedoch massiv gesenkt werden und es wurde günstig und effizient, Fracking zu betreiben. Ölkonzerne wollten nun vom Ölboom profitieren, den die USA infolge dieser Entwicklung erlebten. Umweltverbände warnten davor, weil sie die Risiken der Technologie für nicht abschätzbar und nicht ausreichend erforscht hielten. So wurden beispielsweise Kontaminierungen des Grundwassers befürchtet oder sogar durch Fracking-Aktivitäten ausgelöste Erdbeben.

Analysten gehen davon aus, dass Schieferöl einen Preis von 60 bis 100 US-Dollar pro Barrel auf dem Weltmarkt erzielen müsste, um die Milliarden an Schulden amortisieren zu können, die seitens der Energieunternehmen im Vertrauen auf die Effizienz der Technologie gemacht worden waren. Die fallenden Ölpreise machten ihnen dabei einen Strich durch die Rechnung. Chevrons Entscheidung, sich aus Europa zurückzuziehen, wird nicht ohne Einfluss auf die Geschäftspolitik anderer Fracking-Unternehmen bleiben. Auch Exxon Mobil und Total haben ihre Schiefergasprojekte in Europa bereits gestoppt.

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