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Russland und Saudi-Arabien kämpfen um Anteile an Indiens riesigem Ölmarkt

Russland und Saudi-Arabien kämpfen um Anteile an Indiens riesigem Ölmarkt
Indien versucht seine Ölimporte zu diversifizieren, da der Großteil beim Aufflammen eines größeren Konfliktes in Nahost wegbrechen würde. Außerdem werden staatliche Beteiligungen an Energieunternehmen verkauft. Saudis und Russen haben bereits Interesse bekundet.

Russland hat Indien ganz oben auf seine Prioritätenliste gesetzt, da es seine Rohölexporte steigern und seine Präsenz auf den nachgelagerten Märkten ausbauen will.

Eine Rosneft-Ölaufbereitungsanlage auf dem Ölfeld Wankorskoje nördlich von Krasnojarsk

Als eines der letzten Bollwerke der weltweiten Rohölnachfrage steht Indien auch im Zentrum der Aufmerksamkeit Saudi-Arabiens. Riad will sich an den strategischen Reserven Indiens beteiligen und hat sich verpflichtet, eine komplett neue Raffinerie im Bundesstaat Maharashtra zu bauen, die 1,2 Millionen Barrel pro Tag verarbeiten soll. Der in den Vereinten Arabischen Emiraten ansässige ADNOC-Konzern schloss sich dem Energieriesen Saudi Aramco bei dessen Raffinerieprojekt an und sucht nach weiteren Investitionsmöglichkeiten.

Seitdem Rosneft im Jahr 2017 die Vadinar-Raffinerie (heute als Nayara bekannt) von Essar Oil kaufte, ist Russland auf dem indischen nachgelagerten Markt präsent. Diese Übernahme erwies sich als eines der entscheidenden Elemente für das Bestehen der venezolanischen Ölexporte, da Nayara der wichtigste Abnehmer von Rohöl des staatlichen venezolanischen Erdöl-Unternehmen PDVSA war. Drei Jahre später will Russland seinen Anteil am indischen Markt erweitern.

Auf den ersten Blick ist Indien der ideale Ort für große nachgelagerte Investitionen. Die inländische Produktion, die derzeit bei etwa 850.000 Barrel pro Tag liegt, macht nur 17 Prozent des heimischen Verbrauchs aus und ging nach einem Höchststand von 937.000 Barrel pro Tag im Jahr 2011 allmählich zurück.

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Auf welche Durchbrüche im Mumbai-Becken und in anderen voll entwickelten Gebieten Indien auch immer setzt, sei es durch eine verstärkte Ölförderung aus Offshore-Feldern oder durch neue Funde, die Ölförderung wird (im Gegensatz zu Gas) wohl kaum einen Rückgang erfahren. Dies beschäftigt die indischen Behörden offensichtlich sehr, da sie es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Abhängigkeit von Ölimporten bis zum Jahr 2022 um zehn Prozent zu reduzieren. Doch wie es aussieht, ist das Gegenteil bisher der Fall – die Abhängigkeit Indiens von Rohöl-Importen erreichte Ende 2019 einen beispiellosen Wert von 85 Prozent.

So würde jeder große Rohölproduzent mit politischen Hintergedanken, der stark genug ist, um ein kommerzielles Vorhaben zu unterstützen, davon träumen, sich Teile des indischen Marktes zu sichern – der indische Binnenmarkt ist massiv und die Nachfrage nach Öl wächst immer weiter. Im Vergleich zu den traditionellen Lieferanten Saudi-Arabien und Irak ist Russland ein relativer Neuling auf dem indischen Markt – man könnte sogar behaupten, dass die politische Annäherung der beiden Nationen tatsächlich jeder substanziellen Verbindung im Energiebereich vorausgegangen ist.

Strategie zur Risikominderung: Indiens Interesse am russischen Öl

Inmitten dieses relativen Mangels an Erfolgen in der Vergangenheit erfolgte vor Kurzem die Ankündigung des russischen Ölriesen Rosneft, dass es ein befristetes Lieferabkommen mit der staatlichen indischen Raffinerie der Indian Oil Corporation (IOC) abschloss. Rosneft wird im Jahr 2020 Indien 40.000 Barrel pro Tag liefern – das entspricht zwei Millionen Tonnen pro Jahr.

Der Vertrag wurde mit viel staatlicher Unterstützung erreicht, da Indiens Ölminister Dharmendra Phadran zusammen mit Rosneft-CEO Igor Setschin bei der Unterzeichnung anwesend war. Dieser Vertrag, der allgemein als Indiens Initiative zur Verringerung seiner Abhängigkeit vom Öl  aus der Straße von Hormus angesehen wird, wird höchstwahrscheinlich zu weiteren Vertiefungen der russisch-indischen Energiebeziehungen führen.

Indiens Interesse am russischen Öl ist in erster Linie eine Strategie zur Risikominderung gegen jegliche Störungen in der Straße von Hormus. Indien erhält satte 60 Prozent seines gesamten Rohölbedarfs aus dem Nahen Osten – sollte es zu großen Konflikt in der Region kommen, der zur Schließung der Meerenge führen würde, würden Indien Rohöl im Wert von etwa 2,7 Milliarden US-Dollar fehlen.

Zwei Rohölproduzenten aus dem Nahen Osten fallen auf: Saudi-Arabien und Irak. Im Jahr 2019 kaufte Indien aus Saudi-Arabien 846.000 Barrel Rohöl pro Tag, doch das lag noch unter der Liefermenge von 1,032 Millionen Barrel pro Tag, die es aus dem Irak importierte. Daher ist zu erwarten, dass die russischen und US-amerikanischen Exporte nach Indien in den Jahren 2020 und 2021 zunehmen werden, und zwar aus Gründen, die rein finanzielle Erwägungen in den Hintergrund drängen,  da Neu-Delhi sich weiterhin auf dem schmalen Grat der Beibehaltung einer Außenpolitik in gleicher Entfernung zu Russland und den Vereinigten Staaten bewegt.

Rosneft und der indische Ölmarkt

Rosnefts Interesse an Indien wird sich jedoch in neuen, bevorstehenden Investitionen niederschlagen, sodass der erste bereits erwähnte Deal mit der IOC zum Vorboten der kommenden Dinge wird. Tatsächlich prüfte nicht nur die IOC die Möglichkeit, ein Lieferabkommen mit russischen Ölfirmen abzuschließen – sowohl Hindustan Petroleum als auch Bharat Petroleum (BPCL) haben ihr Interesse bekundet.

Im Falle des letzteren ist es besonders relevant, da Rosneft die Absicht zu haben scheint, ein Angebot für den Anteil des Staates an BPCL (52,98 Prozent der Raffinerie) abzugeben – eine Nachricht, die die BPCL-Aktien in der vergangenen Woche in nur drei Tagen um 13 Prozent steigen ließ.

Rosneft hält immer noch den Rekord für die bisher größte Auslandsinvestition in Indien, wobei die Gesamtkosten für den Kauf von Essar Oil 12,9 Milliarden US-Dollar betrugen. Interessanterweise erfolgte der erste Schritt von Rosneft zum Kauf des Unternehmens im Jahr 2017 ebenfalls über einen befristeten Liefervertrag, der durch eine Interessenbekundung auf höchster Ebene unterstützt wurde.

Die Motivation von Rosneft ist nachvollziehbar – Bharat Petroleum ist bereits mit nachgelagerten und Einzelhandelskapazitäten im ganzen Land ausgestattet, könnte seine Vermögenswerte in Indien konsolidieren und noch weiter wachsen lassen. Würde der russische Ölriese BPCL kaufen, so würde sein Einzelhandelsnetz fast 25 Prozent des gesamten indischen Marktes erreichen.

Indien stellt einen riesigen Markt dar, trotz der Stagnation, mit der das Land im vergangenen Jahr konfrontiert war. Mit der Tatsache, dass Indien die jüngste Nation der Welt ist (Durchschnittsalter der Bevölkerung liegt bei 29 Jahren), ist es immer noch sehr vielversprechend. Im Gegensatz dazu will die indische Regierung kurzfristig greifbare Ergebnisse erzielen – das Kabinett von Modi hat sich das Ziel gesetzt, 14,5 Milliarden US-Dollar aus der Privatisierung von Unternehmensbeteiligungen, die sich im Staatsbesitz befinden, aufzubringen.

Da der Beginn des neuen Finanzjahres im April 2020 vor der Tür steht und immer noch weniger als ein Viertel der angeblich verfügbaren Privatisierungseinnahmen erreicht wurden, muss Regierungschef Modi sich etwas einfallen lassen.

Rosneft wird mit den nationalen Ölgesellschaften des Nahen Ostens konkurrieren müssen, wenn er Bharat Petroleum bekommen will, denn Saudi Aramco und ADNOC bekundeten ebenfalls ihr Interesse an der indischen Firma. Ursprünglich wollte die indische Regierung auch westliche Ölriesen mit an Bord holen, doch Total zeigte kein Interesse an indischen Energiefirmen, BP zögert noch, und US-amerikanische Firmen scheinen große Investitionen im eigenen Land zu bevorzugen.

Angesichts der tiefen Verbindungen von Rosneft zum russischen Staat kann das russische Unternehmen Indien Gegenleistung anbieten: Zum Beispiel einen größeren Anteil am arktischen Öl, seinem neuesten Projekt, für das es enorme Steuererleichterungen anstrebt. Es scheint ein fairer Preis für die drei Raffinerien von BPCL mit einer Gesamtraffineriekapazität von 35,3 Millionen Tonnen pro Jahr zu sein.

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