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Steht der Fracking-Boom in den USA auf tönernen Füßen?

Steht der Fracking-Boom in den USA auf tönernen Füßen?
Fracking-Standort in Texas, August 2018
Schieferbohrungen liefern nicht die von der Industrie versprochenen Mengen an Öl und Gas. Daher wachsen Zweifel an Produktivität, Profitabilität und Langlebigkeit des Fracking-Booms, den die USA über das daraus gewonnene Flüssiggas auch nach Europa exportieren wollen.

Das Wall Street Journal (WSJ) hat eine vernichtende Untersuchung über die Produktivität Tausender Fracking-Standorte veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass sich die Gewinnung von Öl und Gas aus Schieferbohrungen im Laufe der Zeit als enttäuschender erwiesen hat als zuvor angenommen. Der Bericht untermauert mit weiteren Beweisen die Schlussfolgerungen, zu denen das WSJ vor einem Jahr gekommen war und die ernsthafte Fragen zu grundsätzlichen Problemen bei der Gewinnung von Schiefergas aufwarfen.

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Nach einem anfänglichen Produktionsschub gehen die Schieferbohrungen rapide zurück, eine Tatsache, die seit Beginn des Fracking-Booms vor mehr als einem Jahrzehnt allgemein bekannt ist. Dennoch versprachen die Unternehmen, dass diese Fracking-Standorte über Jahre und vielleicht sogar Jahrzehnte hinweg aktiv sein würden, selbst wenn deren Produktion nur bei einem kleinen Bruchteil ihrer ursprünglichen Kapazität läge.

Allerdings stellte sich zwischenzeitlich heraus, dass die vor Jahren gebohrten Brunnen heute viel weniger produzieren als bisher angenommen. Das WSJ hat Daten über die 29 größten Schieferproduzenten zusammengetragen. Vor einem Jahr stellte das Magazin fest, dass die Bohrstandorte der untersuchten Unternehmen auf dem Weg waren, zehn Prozent weniger Öl und Erdgas im Laufe ihrer Produktionszeit zu liefern als von den Firmen versprochen. Mit den neuen Daten kommt das WSJ zu dem Schluss, dass die Produktion um 15 Prozent unterhalb des prognostizierten Niveaus liegen könnte.

Über einen Zeitraum von 30 Jahren summiert sich diese Produktionslücke auf rund 1,4 Milliarden Barrel Öl und Gas, was bei aktuellen Preisen 60 Milliarden US-Dollar entspricht, so das WSJ. In anderen Worten: Die 29 größten Fracking-Unternehmen werden 60 Milliarden US-Dollar weniger Wert produzieren, als sie den Investoren ursprünglich in Aussicht gestellt hatten.

Als Beispiel nennt das WSJ Whiting Petroleum, das den Investoren mitteilte, dass jeder seiner 2015 in North Dakota errichteten Bohrstandorte über deren gesamte Lebensdauer kumuliert 700.000 Barrel Öl und Gas produzieren würde. Anfang 2019 errechnete das WSJ basierend auf Daten von Rystad, dass die tatsächliche Produktionsmenge eher bei 540.000 Barrel liegen könnte. Das würde bedeuten, dass sich die Produktion der Whiting-Standorte auf ein Viertel unterhalb des ursprünglich angenommen Niveaus zubewegt.

Aus dieser Erkenntnis ergeben sich einige ernste Auswirkungen. Schiefergasunternehmen sind vielleicht nicht so viel wert, wie die Investoren bisher kalkulierten. Prinzipiell könnten Fracking-Bohrungen, deren fragwürdiges Geschäftsmodell lange Zeit zäh betrieben worden ist, weniger profitabel sein als angenommen. Zudem müssen die Unternehmen mehr ausgeben und schneller bohren, damit die Produktion nicht sinkt. Am Ende werden die USA vielleicht nicht so viel Öl und Gas fördern wie erwartet.

Kritiker der Schieferindustrie äußerten in der Vergangenheit ähnliche Bedenken. So hat beispielsweise das Post Carbon Institute wiederholt Berichte veröffentlicht, die die Langlebigkeit des Schiefer-Booms bezweifeln lassen. In einer jüngsten diesbezüglichen Analyse vom November schrieb deren Autor J. David Hughes, dass der Referenzfall der US-Energiebehörde (EIA) für die Öl- und Gasproduktion der USA aus jedem Schieferbecken bis 2050 "zum größten Teil extrem optimistisch und dessen Realisierung daher höchst unwahrscheinlich" ist.

Fracking zur Ölgewinnung in North Dakota, USA, bei dem Erdgas abgefackelt wird, weil keine Leitungen für seine Markteinspeisung gebaut wurden.

Wie Hughes feststellt, erlaubt die Neigung der Industrie, ihre Anlagen "hoch zu bewerten" – oder sich auf ihre besten Standorte zu konzentrieren – eine schnellere Förderung, die aber letztlich ein "Zuviel" an Öl und Gas produziert. Außerdem wird so an den ergiebigsten Standorten gebohrt, während sich neue Projekte zur Erschließung und Produktion (E&P) auf weniger hochwertige Flächen verlagern, was bereits geschieht. Mittlerweile produzieren Folgebohrungen (Child Wells) viel weniger als die Erstbohrungen (Parent Wells). Und da der Großteil der neuen Bohrungen voraussichtlich Folgebohrungen sein werden, könnte die auf den einzelnen Bohrungen basierende Produktion insgesamt zurückgehen.

Im Laufe der Jahre haben die Manager der Ölindustrie immer wieder auf verschiedene Innovationen verwiesen, die den Weg zu höheren Leistungen und saftigen Gewinnen ebnen sollen – "Re-Fracking", "Super-Lateral", "Cube Development", Supercomputer usw. Es gab auch eine entsprechende Reihe finanzieller "Innovationen", da die Fracking-Industrie kreative Wege gefunden hatte, um Investoren davon zu überzeugen, mehr Kapital in ihre Richtung abzuzweigen.

Das generelle Problem besteht letztlich darin, dass die Schieferbohrungen von starken Rückgangsraten geplagt sind – und im Unvermögen, einen auch zukünftig positiven Cashflow zu generieren, zumindest in der Höhe des aktuellen Niveaus. Der jüngste WSJ-Bericht stellt fest, dass der Rückgang abrupter sein könnte als bisher angenommen.

Das könnte darauf hinauslaufen, dass der Schieferboom nur temporär ist und auf tönernen Füssen steht. Wie Hughes in seinem November-Bericht für das Post Carbon Institute schrieb:

Die 'Schieferrevolution' hat dem, was noch vor 15 Jahren als endgültiger Rückgang der Öl- und Gasproduktion in den USA galt, eine vorrübergehende Gnadenfrist verschafft, und die USA wären gut beraten, langfristig für einen starken Rückgang der Produktion von Schieferöl und -gas zu planen.

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