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Von Nachfrage getrieben: China gewinnt das Offshore-Wettrennen um Erdöl

Von Nachfrage getrieben: China gewinnt das Offshore-Wettrennen um Erdöl
Die Volksrepublik China fördert eigenes Erdöl, das jedoch nicht ausreicht, um seinen inländischen Bedarf zu decken. Daher setzt es seine riesigen Devisenreserven ein, um auch in riskanten und intransparenten Offshore-Geschäften an Förderrechte zu gelangen.

Chinas internationale Präsenz im Offshore-Ölsektor wächst schnell, da seine Ölkonzerne bereit sind, an Orten zu investieren, die andere Unternehmen nicht einmal in Betracht ziehen würden.

Die Chinesen sind einfach zufriedenzustellen. Ihre Entwicklungsbanken sind bereit, Milliarden an Öl fördernde Länder in Lateinamerika und Afrika bereitzustellen. Ihre staatlichen Ölgesellschaften sind bereit, in Projekte zu investieren, die andere nicht einmal mit einer Kneifzange anfassen würden.

All dies hat zu einem massiven chinesischen Einfluss im Offshore-Bereich geführt, was sich schließlich – während der Westen zurückbleibt – in einer gewaltigen geopolitischen Macht niederschlagen wird.

Chinas Appetit auf Rohöl

Vor 25 Jahren konnte China seinen Inlandsbedarf an Rohöl durch eine eigene Produktion von vier Millionen Barrel pro Tag decken. Heute ist die Nachfrage sehr viel höher, doch die chinesische Inlandsproduktion liegt noch immer bei nur vier Millionen Barrel pro Tag. Die benötigten restlichen zehn Millionen Barrel pro Tag müssen importiert werden.

Mitte der 1990er-Jahre durchlief die chinesische Ölindustrie eine umfassende Reform, und die drei führenden staatlichen Ölunternehmen – die China National Petroleum Corporation (CNPC), die China National Offshore Oil Corporation (CNOOC) und die China National Petrochemical Corporation (Sinopec) – erhielten Ministerialstatus und wurden befugt, im Ausland zu arbeiten.

Nachdem dieser Schritt verwirklicht wurde, lautete ihre Antwort auf die steigende Nachfrage Chinas: "So weit wie möglich ins Ausland zu investieren – und zwar so viel wie nötig."

Symbolbild: Soroush Ölfeld, Iran, 25. Juli 2005.

Es wird erwartet, dass die drei großen Ölproduzenten in China in diesem Jahr 77 Milliarden US-Dollar für die Entwicklung von Ölprojekten ausgeben werden, so Bloomberg. Im Inland wird China wahrscheinlich mehr ausgeben müssen, um die eigene Ölförderung zu steigern, da seine Öllagerstätten tiefer und schwerer zu erschließen sind, als das Öl in den Vereinigten Staaten.

Chinas Investitionspläne deuten jedoch darauf hin, dass dieser Aufpreis für sie in Ordnung ist – ein gerechtfertigter Preis, den Peking bereit ist für die Sicherheit bei der Ölversorgung zu zahlen.

Ausländische Offshore-Ölprojekte

Die drei größten Ölunternehmen Chinas investieren seit Jahren in Offshore-Ölprojekte, sogar in den Jahren als der Ölpreis bei 100 US-Dollar pro Barrel lag, als viele andere begannen, den Gürtel enger zu schnallen. Chinas Ölfirmen sind besser positioniert als viele ausländische Ölgesellschaften, um in kostspielige Projekte im Ausland zu investieren. Nicht zuletzt, weil sie das Geld haben, weil sie durch ihre hohe Nachfrage und niedrige Produktion motiviert sind und weil sie sich in staatlichem Besitz befinden, was die Entscheidungsfindung erleichtert.

November 2017 in Brasilien: Drei Konsortien, an denen die drei chinesischen Ölriesen CNPC, Sinopec und CNOOC beteiligt waren, gewinnen bei einer Ausschreibung die drei wichtigsten Offshore-Blöcke vor der Küste Brasiliens. Zu den Blöcken gehören Peroba, Alto de Cabo Frio West und Saphinhoa. 

Die CNOOC, die auch bei dieser Auktion als Teil eines Konsortiums einen Block ergatterte, ist dort an mehreren Tiefwasserblöcken beteiligt, zu denen auch der Mero-Block gehört. Dieser Block allein soll Schätzungen zufolge das Öläquivalent von 3,3 Milliarden Barrel enthalten. Das erste Öl aus dem Block wird im Jahr 2021 erwartet.

Das ist aber noch nicht alles. CNOOC ist zu 100 Prozent an zwei Tiefwasserprojekten im Cinturon Plegado Perdido im Golf von Mexiko beteiligt. Das Unternehmen ist auch der glückliche Besitzer einer 25-prozentigen Beteiligung am Stabroek-Block vor der Küste Guyanas, wo die förderbaren Ressourcen voraussichtlich ein Öläquivalent von etwa sechs Milliarden Barrel betragen.

In den Vereinigten Staaten verfügt CNOOC über Vermögenswerte in den Feldern Stampede und Appomattox im Golf von Mexiko, von denen das Erstere im vergangenen Jahr und das Letztere erst kürzlich in Produktion ging.

CNOOC erkundet auch andere Offshore-Gebiete, sowohl für Öl als auch für Gas. Darunter in der Republik Kongo, im Block Haute Mer A, in Gabun in den Blöcken BC 9 und Leopard-1 des BCD 10, in Senegals AGC Profond Block und Nigerias Block OML130, einschließlich der Felder Egina und Akpo, die bereits mit der Förderung begonnen haben.

Selbst die jüngste Ölauktion Brasiliens, die für das Land zu einer großen Enttäuschung führte, fand interessierte Bieter bei CNOOC und CNPC, die neben dem staatlichen Petrobras die einzigen Bieter bei der Auktion waren. Der Grund für das schwache Interesse waren die hohen Kosten der Auktion und eine komplizierte Vertragsstruktur mit Petrobras. Doch das schreckte Peking nicht ab.

Auch in Kanada gingen die chinesischen Ölriesen auf Offshore-Suche und kauften vor einigen Jahren die in Alberta ansässige Firma Nexen für mehr als 15 Milliarden US-Dollar. Nexen hält Offshore-Ölressourcen in der Nordsee, in Afrika und im Golf von Mexiko sowie an der kanadischen Ostküste, einschließlich des Flämischen Passes, wo in wenigen Wochen eine wilde Spekulationsaktion beginnen soll.

Chinas Suche nach Know-how zum Bohren

Viele dieser Deals haben gemeinsam, dass Chinas Tiefwasserprojekte oft als Teil eines Konsortiums durchgeführt werden. So können Chinas staatliche Ölriesen Erfahrung und technisches Know-how für Tiefwasserbohrungen sammeln. Diese können sie auch in der Heimat nutzen, wo das Bohren besonders schwierig ist.

Die andere Gemeinsamkeit ist, dass China anscheinend über eine Fülle von freiem Kapital verfügt und bereit ist, den Mangel an Transparenz, Sicherheit und Korruption in den Förderländern zu übersehen. Man vertritt die Meinung, dass das Öl um jeden Preis das Risiko wert sei.

Gedrängel um Chinas dicke Brieftasche

Wenn es um Länder geht, die bereit sind, Chinas Ölambitionen willkommen zu heißen, so ist die Liste sehr lang: Viele afrikanische Staaten, insbesondere Angola und Nigeria, aber auch Länder in Lateinamerika, wie Venezuela, warten mehr als begierig auf Chinas Kapital. Dies könnte in Form von Bankkrediten im Austausch für Öl, oder in Form von Direktzahlungen an staatliche Ölgesellschaften für Ölprojektbeteiligungen sowie Fusionen und Übernahmen, in die Länder fließen, so wie es beispielsweise bei dem oben genannten Nexen-Kauf durch CNOOC der Fall war.

Insgesamt hat sich die Verschuldung vieler Länder gegenüber China in den Jahren 2000 bis 2017 verzehnfacht, von weniger als 500 Milliarden US-Dollar im Jahr 2000 auf mehr als fünf Billionen US-Dollar im Jahr 2017. Dies zeigt eine Studie des Kieler Instituts für Weltwirtschaft. Ein Großteil dieser Schulden gilt als "versteckt", was bedeutet, dass er nicht an den IWF, die Weltbank oder den Pariser Club gemeldet wurde. Daher weiß niemand wirklich genau, wie viel, an wen, oder wofür China Geld vergibt.

Es gibt jedoch Schätzungen, die hauptsächlich aus Nachrichtenberichten und Pressemitteilungen der chinesischen Regierung sowie auch aus Informationen von nichtoffiziellen Quellen zusammengestellt wurden. Ein Trend, der den undurchsichtigen Charakter von Chinas Geschäften, einschließlich Offshore-Ölhandel, hervorhebt. 

Laut einer Studie der Boston University vom vergangenen Jahr, hat Angola seit dem Jahr 2000 mehr chinesisches Kapital für Energieprojekte angezogen, als jedes andere afrikanische Land.

In den Jahren 2000 bis 2018 gab China 34,8 Milliarden US-Dollar für afrikanische Energieprojekte, davon 8,9 Milliarden US-Dollar in Angola und 6,6 Milliarden US-Dollar in Nigeria, aus. Nicht alles floss in Offshore-Projekte. Da aber China im Allgemeinen seine US-Dollar-Bestände für afrikanische Energieprojekte ausgibt, zeigt sich Pekings Praxis, auf die Bevölkerungsexplosion auf dem Kontinent zu setzen, als die richtige. Der Bevölkerungsanstieg bedeutet für Afrika einen steigenden Energiebedarf. 

In Lateinamerika ist Brasilien das Hauptziel für chinesische Investitionen. In den Jahren 2010 bis 2013 flossen schätzungsweise 17 Milliarden US-Dollar von China nach Brasilien. Argentinien, Kolumbien, Ecuador und Bolivien waren ebenfalls Empfänger von chinesischem Kapital in Form von Erdölinvestitionen.

Hält Chinas wirtschaftliche Positionsstärkung in Afrika Schäden durch US-Handelsverbote klein?
(Peking, 24.06.2019: Chinas Außenminister Wang Yi und sein tansanianischer Kollege Palamagamba Kabudi – dieser besuchte dort das Koordinatortreffen des Forums für Chinesisch-Afrikanische  Zusammenarbeit)

Eine Beziehung Chinas in Lateinamerika wurde in den letzten Jahren besonders hervorgehoben, und zwar die mit Venezuela, das dringend liquide Mittel benötigt. China hat Venezuela seit dem Jahr 2007 50 Milliarden US-Dollar an ölgedeckten Krediten zur Verfügung gestellt, ohne auf die vermeintlich "undemokratische Regierung" Venezuelas zu achten, die viele westliche Rivalen davon abhält, dort zu investieren.

Es bleibt unwahrscheinlich, dass China seine Offshore-Ölpläne abgeschlossen hat. Es gibt keinen Ort, an dem China nicht auf Ölsuche gehen will, und es gibt wenige Unternehmen, die groß oder mutig genug sind, mit China um diese riskanten und teuren Offshore-Projekte in unbeliebten Förderländern zu konkurrieren.

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