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Hält Chinas wirtschaftliche Positionsstärkung in Afrika Schäden durch US-Handelsverbote klein?

Hält Chinas wirtschaftliche Positionsstärkung in Afrika Schäden durch US-Handelsverbote klein?
Hält Chinas wirtschaftliche Positionsstärkung in Afrika Schäden durch US-Handelsverbote klein? (Peking, 24.06.2019: Chinas Außenminister Wang Yi und sein tansanianischer Kollege Palamagamba Kabudi – dieser besuchte dort das Koordinatortreffen des Forums für Chinesisch-Afrikanische Zusammenarbeit)
Die US-Sanktionen im Handelskrieg zwischen den USA und China brachten den seit 27 Jahren anhaltenden Aufschwung der chinesischen Wirtschaft ins Stocken. In naher Zukunft jedoch könnte die Volksrepublik die Verluste mithilfe afrikanischer Länder teilweise kompensieren.

Experten schließen eine weitere Verschärfung des Konflikts nicht aus – gleichzeitig aber ist die Rede von wirtschaftlichen Sicherheitspolstern, die Peking zur Verfügung stehen sollen. China könnte in den kommenden Jahren die Verluste aus den US-amerikanischen Restriktionen mithilfe der afrikanischen Märkte zum Teil wieder wettmachen. In den letzten zehn Jahren ist es der Volksrepublik gelungen, ein wichtiger Partner für viele Staaten der Region zu werden, die Bildung einer afrikanischen Freihandelszone zu unterstützen und sich so einen Absatz- und Rohstoffmarkt von kontinentalem Maßstab zu sichern.

In der ersten Jahreshälfte 2019 wuchs die chinesische Wirtschaft um 6,3 Prozent auf 45 Billionen Yuan. Dies geht aus einem Bericht des Staatlichen Amtes für Statistik der Volksrepublik China hervor. Betrug das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes im ersten Quartal des Jahres noch 6,4 Prozent, so sank es im zweiten Quartal auf 6,2 Prozent. Dies ist der niedrigste Wert seit dem Jahr 1992.

Der vom US-Präsidenten Donald Trump eingeschlagene Weg gegen China im aktuellen Handelsstreit läuft nicht so geradlinig – und droht, sich gegen die USA selbst zu wenden.

Einer der Hauptgründe für die Verlangsamung der Wirtschaft des Landes in den letzten Monaten ist laut Experten die aktuelle Intensivierung des Handelskrieges zwischen Peking und Washington. So erhöhten die Vereinigten Staaten, nach einer Reihe erfolgreicher Verhandlungen Anfang 2019, im Mai die Zölle auf chinesische Waren in Höhe von 200 Milliarden US-Dollar. Sie drohten, zusätzliche Zölle auf weitere Produkte im Wert von 300 Milliarden US-Dollar zu erheben. Peking wiederum führte ab dem 1. Juni Zölle auf US-Importe in Höhe von 60 Milliarden US-Dollar ein. US-Technologieunternehmen wurden gezwungen, die Zusammenarbeit mit dem chinesischen High-Tech-Riesen Huawei einzustellen.

Obwohl sich die Parteien auf dem G20-Gipfel im Juni darauf geeinigt haben, die Verhandlungen wieder aufzunehmen, befürchten Experten nach wie vor eine Eskalation des Zollkriegs. Gleichzeitig sprechen Experten von einer Notfalloption, die für den chinesischen Handel vorbereitet wurde, falls sich die Beziehungen des Landes zu den Vereinigten Staaten erneut verschlechtern. So hat die Volksrepublik in den letzten Jahren ihren wirtschaftlichen Einfluss auf dem afrikanischen Kontinent deutlich ausgeweitet und damit neue Märkte für ihre Produkte erschlossen.

Wie Chinas stellvertretender Handelsminister Qian Kemin zuvor erklärte, ist China seit zehn Jahren unverändert der größte Handelspartner der afrikanischen Länder. Darüber hinaus haben sich nach Angaben der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD) in den Jahren 2007 bis 2017 die Direktinvestitionen Chinas in Afrika fast verzehnfacht und betragen umgerechnet knapp 40 Milliarden Euro.

Pjotr Puschkarjow, Chefanalytiker der TeleTrade Group, erklärte in einem Gespräch mit RT:

Für China ist der afrikanische Kontinent sowohl eine direkte Quelle für Rohstoffe wie Aluminiumbauxit, Eisenerze, Holz und Graphitvorkommen für Industriediamanten als auch ein großer Absatzmarkt für Konsumgüter wie Kleidung, Stoffe, Elektronik, Haushaltsgeräte und vieles mehr. Dies ist im Hinblick auf das Preis-Leistungs-Verhältnis sowohl für Groß- als auch für Einzelhändler sehr vorteilhaft.

Nach Einschätzung des Fachmanns könnte das Handelsvolumen zwischen China und den afrikanischen Ländern bis ins Jahr 2020 um ein weiteres Drittel steigen. In vielerlei Hinsicht wird die erwartete positive Dynamik auf die geplante Beseitigung von Handelshemmnissen zwischen den Ländern der Region zurückzuführen sein. So haben sich 54 von 55 Länder der Afrikanischen Union im Juli darauf geeinigt, die Afrikanische Kontinentale Freihandelszone (AfCFTA) einzurichten. Das Abkommen wird als das größte in der Geschichte der WTO seit 1994 angesehen. Es soll die Zölle für alle Waren der an dem Abkommen beteiligten Länder um 90 Prozent senken.

Der äthiopische Premierminister Abiy Ahmed und der chinesische Präsident Xi Jinping, Peking, China, 2. September 2018.

Nach UNCTAD-Daten entfielen in den Jahren 2015 bis 2017 etwa 15,2 Prozent des gesamten Handelsumsatzes der afrikanischen Länder auf den afrikanischen Binnenmarkt. Dabei wird die Schaffung einer Freihandelszone diese Zahl bis zum Jahr 2020 auf 52,3 Prozent erhöhen. Diese Einschätzung geht aus dem Bericht der UN-Wirtschaftskommission für Afrika hervor.

Es ist bemerkenswert, dass es China zum Zeitpunkt der Unterzeichnung der AfCFTA-Verträge bereits gelungen ist, bilaterale Handelsabkommen mit 40 Ländern Afrikas abzuschließen. Darüber hinaus ist Peking aufgrund seines Einflusses in der Region zu einem Vermittler bei den Verhandlungen zur Ausarbeitung des Abkommens geworden. Der Leiter des asiatischen Beratungsunternehmens Dezan Shira & Associates, Chris Devonshire-Ellis, hob dieses bereits hervor.

Nach Angaben von Gen Shuang, dem Vertreter des chinesischen Außenministeriums, wird das neue Abkommen die Grundlage für den Ausbau der Partnerschaftsbeziehungen zwischen China und Afrika bilden. Ihm zufolge ist die Volksrepublik auch bereit, AfCFTA mit dem chinesischen Projekt "One Belt, One Road" zu kombinieren, berichtet die Nachrichtenagentur Xinhua. Nach Ansicht von Experten wird die Beseitigung von Zollschranken zwischen den Ländern des Kontinents die Belieferung der Region mit chinesischen Produkten erheblich erleichtern.

Oleg Remyga, Leiter der China-Abteilung an der Moskauer Managementschule Skolkowo, prognostizierte im Gespräch mit RT:

Die AfCFTA selbst wird aufgrund der Vereinheitlichung der Verfahren und der engeren Anbindung der lokalen Märkte zum Anstieg chinesischer Warenexporte nach Afrika beitragen.

Pjotr Puschkarjow zufolge befinden sich Chinas Absatzmärkte in Afrika und den USA in verschiedenen Gewichtsklassen und unterscheiden sich deutlich im Sortiment und den Kosten der Produkte: Nach Statistiken der Allgemeinen Zollverwaltung der Volksrepublik übertraf der Handelsumsatz Chinas mit den USA im Jahr 2018 mit umgerechnet rund 574 Milliarden Euro das Handelsvolumen mit Afrika um fast das Dreifache.

Dennoch werden im Laufe der Zeit die Einnahmen aus chinesischen Lieferungen nach Afrika und der dort tätigen chinesischen Unternehmen die aufgrund der von den Vereinigten Staaten verhängten Zölle entgangenen Gewinne teilweise ersetzen können. Gleichzeitig ist einer der wichtigsten Wettbewerbsvorteile Pekings in der Region die Fähigkeit, hochwertige Waren zu attraktiveren Preisen aktiv abzusetzen.

Pjotr Puschkarjow erklärte hierzu:

Die wohlbekannten chinesischen Smartphones – und zwar nicht nur von den Firmen Xiaomi oder Huawei, die von den Vereinigten Staaten aktiv unter Druck gesetzt werden, sondern auch andere, recht hochwertige Produkte aus dem günstigeren Preissegment – erobern bereits den afrikanischen Markt. Die Bevölkerung dort mit ihrem relativ niedrigen Durchschnittseinkommen hat eine geringe Nachfrage nach teuren iPhones. Und die weite Verbreitung der Kommunikationsmittel wird dazu beitragen, auch den Umsatz auf chinesischen Internet-Handelsplattformen in der afrikanischen Region deutlich zu steigern.

Kenianer während eines Trainings in einem Shaolin-Tempel in China (Symbolbild).

China wird in den kommenden Jahren seinen Einfluss in der Region durch finanzielle Unterstützung der Länder des Kontinents weiter stärken. So versprach der Präsident der Volksrepublik China Xi Jinping im September 2018, den Ländern Afrikas rund 60 Milliarden US-Dollar in Form von Investitionen, Darlehen und teils kostenloser Hilfe zur Verfügung zu stellen. Analytiker schätzen, dass das Vorgehen Pekings nicht nur wirtschaftliche Vorteile verspricht, sondern auch die geopolitische Position des Landes weiter stärkt.

Gennadi Nikolajew, Experte an der Akademie für Finanz- und Investitionskontrolle, einer privaten Moskauer Schule für Finanzwesen, sagte in einem Interview mit RT:

Auch aus politischer Sicht können sich Chinas Investitionen auszahlen. Derzeit gibt es mindestens einen chinesischen Militärstützpunkt in Dschibuti, und im Jahr 2018 führte China gemeinsame Übungen mit anderen Ländern durch. So können die Chinesen neben afrikanischen Rohstoffen auch auf die Unterstützung afrikanischer Länder bei ihren Aktionen auf internationaler Ebene zählen.

Darüber hinaus wird die wirtschaftliche Expansion Chinas in Afrika auch die Position des Renminbi (so die offizielle Bezeichnung der chinesischen Währung) auf dem internationalen Währungsmarkt stärken. Christopher Dembick, Chefanalyst bei der Saxo Bank, gab in einem Interview mit RT diese Prognose  ab:

Meiner Meinung nach wird die Schaffung der AfCFTA zur weiteren Internationalisierung des chinesischen Yuan beitragen. Möglich wurde dies durch den Abschluss von Swap-Verträgen mit vielen afrikanischen Ländern.

Gemäß den Bedingungen dieser Verträge kaufen die Länder Währungen voneinander und verkaufen sie nach einer gewissen Zeit zu einem festen Kurs wieder an das ursprüngliche Verkäuferland zurück. Diese Operation ermöglicht es den Teilnehmern, finanzielle Verluste bei Wechselkursschwankungen abzumildern. Die getauschten Gelder können im direkten Handel zwischen den Vertragspartnern eingesetzt werden, was die jeweilige Wirtschaft der beiden Nationen zusätzlich ankurbelt.

Die "Chinesische Falle"

Ursprünglich war das Interesse Chinas am afrikanischen Kontinent zunächst auf die reichen Öl- und Erdgasvorkommen der Region und anderen vergleichsweise günstigen Rohstoffen beschränkt – das ist kein Geheimnis. Nach Angaben der UN-Wirtschaftskommission für Afrika sind etwa 90 Prozent der afrikanischen Gesamtexporte Rohstofflieferungen nach China.

Oleg Remyga führte aus:

Das Interesse der chinesisches Wirtschaft an den afrikanischen Ländern ist traditionell ein Interesse an Rohstoffen – Peking braucht Zugang zu billigen Rohstoffquellen, um sein inländisches Wirtschaftswachstum zu unterstützen. Im Gegenzug erhalten afrikanische Länder Zugang zu Chinas billigen Krediten, Investitionen und Technologien.

In den Jahren von 2000 bis 2017 gewährte China afrikanischen Ländern Kredite im Wert von 143 Milliarden US-Dollar, so ein Bericht der chinesisch-afrikanischen Forschungsgruppe an der American School of Advanced International Studies der John Hopkins Universität in Washington.

Das Geld aus Peking wird für den Bau von Eisenbahnen, Straßen, Pipelines, Krankenhäusern, Schulen und anderen Infrastruktureinrichtungen verwendet.

Allerdings werden die Risiken bei der Finanzierung lokaler Projekte oft unterschätzt, sowohl von den afrikanischen Kreditnehmern als auch vom fernöstlichen Gläubiger – und von diesem möglicherweise sogar heruntergespielt, stellt Oleg Remyga fest. Infolgedessen verschulden sich die Länder des Kontinents, wobei sie oft nicht imstande sind, das Geld zurückzuzahlen. So finden sich diese Staaten nach Expertenmeinung in politischer und wirtschaftlicher Abhängigkeit von Peking wieder.

Gennadi Nikolajew fügt dem hinzu:

China vergibt aktiv Kredite an andere Länder, und im Falle von Schuldenausfällen müssen die Staaten gleich ganze Industriezweige an die asiatische Republik abgeben. Oft erinnert man sich diesbezüglich an Sambia, das China etwa 12 Milliarden Dollar (mit einem BIP von 25 Milliarden Dollar) schuldete, und das gezwungen war, die Kontrolle über wichtige Einrichtungen – wie die Eisenbahnstrecke nach Tansania, sein größtes Kraftwerk und einen Fernsehkanal – in den Besitz chinesischer Unternehmen abzugeben.

Mehr zum Thema - Historiker: Afrika wird zum wichtigsten Schlachtfeld im Kalten Krieg zwischen den USA und China

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