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Amazon erhöht den Mindestlohn in den Vereinigten Staaten und Großbritannien

Amazon erhöht den Mindestlohn in den Vereinigten Staaten und Großbritannien
Mehr Geld für viel Arbeit – neue Zeiten bei Amazon?
Bisher war der Riese des Online-Handels eher bekannt für seine zwergenhaften Löhne samt fragwürdiger Behandlung der Beschäftigten. Nun kündigt Amazon deutliche Lohnerhöhungen in den USA und Großbritannien an – streicht dafür aber die Bonusprogramme für Mitarbeiter.

Der Online-Einzelhandelsriese kündigte am vergangenen Dienstag an, dass er seinen Mindestlohn für alle seine US-Mitarbeiter, die in Vollzeit-, Teilzeit- und als Leiharbeiter beschäftigt sind, auf 15 US-Dollar pro Stunde anheben wird. Die Änderungen sollen zum 1. November in Kraft treten, pünktlich zur Weihnachtszeit. Amazon erhöht demnach ebenfalls die Löhne derjenigen Mitarbeiter, die bereits 15 US-Dollar pro Stunde verdienen. Auch für die einfachen Mitarbeiter in Großbritannien zahlt der Konzern Medienberichten zufolge dann höhere Löhne von 10,50 GBP in London und 9,50 GBP im Rest des Landes.

Wir haben unseren Kritikern zugehört und intensiv darüber nachgedacht, was wir tun wollen, und uns entschieden, dass wir die Führung übernehmen wollen", sagte Jeff Bezos, Amazon-Gründer und CEO, in einer am Dienstag veröffentlichten Erklärung des Unternehmens. "Wir freuen uns über diesen Wandel und ermutigen unsere Wettbewerber und andere große Arbeitgeber, sich uns anzuschließen."

Amazons Ruf als Arbeitgeber galt bisher nicht als der Beste. Mitunter gab es deutliche Kritik am Online-Händler: an der Entlohnung und den Arbeitsbedingungen für seine Angestellten sowie an öffentlichen Subventionen und Steuervorteilen für den Internet-Giganten. Der einerseits einen enormen Börsenwert erreicht und Bezos damit zum Reichsten der Reichen in der Geschichte der Menschheit macht. Doch andererseits derart niedrige Löhne an seine einfachen Mitarbeiter zahlt, dass diese etwa in den USA auf staatliche Unterstützung durch Lebensmittelmarken angewiesen sind.

Amazon-Lager nahe Madrid: Spanische Polizisten bewachen die Liefereingänge während des dreitägigen Streiks für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen.

Organisation und Proteste der Beschäftigten

Neal Sweeney, der Vizepräsident von UAW Local 5810, der Gewerkschaft, die Postdoc-Forscher im System der University of California vertritt, kommentierte in einem Interview mit Sputnik die Lohnerhöhungen bei Amazon:

Für die Arbeiter von Amazon ist es ein großer Sieg (...) es bedeutet, dass Hunderttausende von Arbeitern eine Lohnerhöhung erhalten werden.

Aber grundsätzlich ist es immer noch der Arbeitgeber, der ohne Tarifverhandlungen eine einseitige Kontrolle hat.

Nur wenn sie eine Gewerkschaft gründen und sich weiter organisieren und die aktuelle Entwicklung als Sprungbrett nutzen, können sie darüber hinaus wirklich wichtige Fortschritte erzielen, die sich verbreiten werden.

Sich gewerkschaftlich zu organisieren, sei daher für die Mitarbeiter unerlässlich, um reale Änderungen an ihrem Arbeitsplatz bei Amazon durchzusetzen, etwa gegen den Zeitdruck und die permanente Überwachung der Arbeitseffektivität der Beschäftigten.

Amazon geht diesen Schritt, nachdem infolge von Kampagnen von Fight for $15, einer 2012 gegründeten Basisbewegung zur Durchsetzung eines Mindestlohnes von 15 US-Dollar und von Gewerkschaftsrechten, Tausende von Arbeitern ihre Arbeitgeber anriefen und eine Erhöhung der Löhne forderten. Anfänglich richtete sich der Kampf um 15 US-Dollar vor allem an den Einzelhandel und die Fast-Food-Industrie. Doch auch die Arbeitnehmer in anderen Sektoren haben gezeigt, dass sie bereit sind, für die Verbesserung ihrer Löhne und Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Zu Beginn dieses Jahres marschierten Tausende von Lehrern von West Virginia bis Arizona und forderten eine bessere Schulfinanzierung und Bezahlung. Auch in Großbritannien formiert sich unter dem Namen "McStrike" Widerstand gegen die Auswüchse des modernen Kapitalismus.

Anlässlich seiner "Prime Day"-Kampagne war Amazon bereits in diesem Juli mit europaweit koordinierten Protesten seiner Beschäftigten konfrontiert. Und kürzlich kündigte Bernie Sanders eine als Stop BEZOS Act bekannt gewordene Gesetzesinitiative im US-Senat an. Diese soll große Unternehmen zu höheren Löhnen zwingen, indem sie den Wert öffentlicher Leistungen (wie etwa Lebensmittelmarken) für deren Beschäftigte über entsprechende Steuern wieder in die öffentlichen Kassen zurückführen müssen.

Boomende Wirtschaft und das Weihnachtsgeschäft

Auf einen möglicherweise wichtigeren Punkt für die Entscheidung von Amazon verweisen andere Kommentatoren: die allgemeine wirtschaftliche Situation. Schließlich boome die US-Wirtschaft derzeit mit einer Rekordzahl von niedrigen Arbeitslosenzahlen und einem Lohnwachstum, wie es seit fast einem Jahrzehnt nicht mehr zu verzeichnen war.

Obwohl der US-Mindestlohn laut Bureau of Labor Statistics 7,25 US-Dollar beträgt, beträgt der aktuelle durchschnittliche Stundenlohn für jemanden, der im Einzelhandel beschäftigt ist, 13,20 US-Dollar. (Kim Gittleson, New York Business Correspondent)

Das habe nicht nur Amazon unter Druck gesetzt, sondern auch Konkurrenten wie Costco, Target und Walmart, die alle Lohnerhöhungen für ihre am schlechtesten bezahlten Arbeiter angekündigt haben.

Amazon hole demnach einfach eine Entwicklung nach, um nicht selbst gegenüber anderen Unternehmen ins Hintertreffen zu geraten, insbesondere anlässlich des kommenden Weihnachtsgeschäfts und der für seine Abwicklung unerlässlichen zusätzlichen Arbeitskräfte.

Im Moment ist die Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten ziemlich niedrig, und Amazon könnte Schwierigkeiten haben, Mitarbeiter einzustellen und zu halten", sagte Alan Manning, Wirtschaftsprofessor an der London School of Economics. 'Es ist auch ein bisschen gute Publicity.'

Streichung der Bonuszahlungen

Gibt es einerseits Lohnerhöhungen bei Amazon, so streicht der Konzern andererseits Bonuszahlungen für seine Beschäftigten. Medienberichten zufolge bleibt daher von der aktuellen Lohnerhöhung effektiv nur rund die Hälfte übrig. Amazon habe die Streichung seiner Bonuszahlungen bestätigt und gerechtfertigt:

Das Unternehmen sagte, dass es die Änderungen vorgenommen habe, weil 'die Mitarbeiter des stündlichen Fulfilment- und Kundenservice [sagten], dass sie die Vorhersehbarkeit und Unmittelbarkeit von Bargeld [um Boni zu teilen] bevorzugen'.

Das Unternehmen fügte hinzu: 'Der deutliche Anstieg der Stundenlöhne überkompensiert den Ausstieg aus Incentive Pay und RSUs [spezielle Firmenanteile – Anm.]. Wir können bestätigen, dass alle stündlichen Betriebs- und Kundendienstmitarbeiter aufgrund dieser Ankündigung eine Erhöhung ihrer Gesamtvergütung sehen werden. Darüber hinaus wird die Vergütung, da sie nicht mehr anreizabhängig ist, unmittelbarer und berechenbarer sein.'

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