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Finanzhaie im Beuterausch: Droht die Zerschlagung von Thyssenkrupp?

Finanzhaie im Beuterausch: Droht die Zerschlagung von Thyssenkrupp?
Es gibt Rücktritte in Serie bei der Führungsriege von Thyssenkrupp. Ein erbitterter Machtkampf um den Kurs des Konzerns tobt. Während die Beschäftigten um ihre Jobs fürchten, macht sich an der Börse Vorfreude breit.

Thyssenkrupp vor der Zerreißprobe: In der Führungskrise des Essener Konzerns wächst bei den Beschäftigten die Angst, und die Börse reagiert auf die sich zuspitzende Krise mit einem Kurssprung. "Es darf nicht zu einer Zerschlagung kommen", forderte Gesamtbetriebsratschef Wilhelm Segerath am Dienstag. "Wir wollen gemeinsam mit der Stiftung und allen Aktionären versuchen, das Unternehmen zu erhalten." Nach Vorstandschef Heinrich Hiesinger hatte der Aufsichtsratsvorsitzende Ulrich Lehner das Handtuch geworfen.

Ein U-Boot der Preveze-Klasse der türkischen Marine nähert sich dem türkischen Marinestützpunkt Aksaz während einer von der NATO gesponserten U-Boot-Flucht- und Rettungsübung  im September 2017 nahe Marmaris in der Türkei.

Die Chefin der mächtigen Krupp-Stiftung, Ursula Gather, will nicht Lehners Nachfolgerin an der Spitze des Kontrollgremiums werden, wie die Stiftung mitteilte. Gather versicherte erneut, die Stiftung werde den Auftrag, "die Einheit des Unternehmens möglichst zu wahren, auch weiterhin verantwortlich wahrnehmen". Die Mathematik-Professorin gehört dem Aufsichtsrat erst seit Jahresbeginn an.

Das Thyssenkrupp-Management war von Anteilseignern wie dem schwedischen Finanzinvestor Cevian und dem US-Hedgefonds Elliott mit der Forderung nach einem drastischen Konzernumbau unter Druck gesetzt worden. Chefaufseher Lehner hatte seinen Rückzug daraufhin mit mangelndem Vertrauen der großen Aktionäre begründet.

Die Krupp-Stiftung ist mit 21 Prozent größter Einzeleigentümer des Unternehmens und hat zwei Sitze im Aufsichtsrat. Die vom 1967 gestorbenen letzten Firmenerben, Alfried Krupp, gegründete Stiftung kann dabei ihre Vertreter ohne Wahl durch die Hauptversammlung in das Kontrollgremium entsenden. Ihr Anteil am Konzern war in den vergangenen Jahren zugleich aber immer weiter gesunken.

Nach dem zum Monatsende angekündigten Abtritt Lehners solle "kurzfristig" über eine Nachfolge entschieden werden, hatte Thyssenkrupp zuvor betont. Beobachter gehen davon aus, dass der neue Aufsichtsratsvorsitzende aus den Reihen des bestehenden Kontrollgremiums kommen dürfte, weil ein neues Mitglied erst in einem zeitaufwendigen Prozess gerichtlich bestellt werden müsste.

Zuletzt war die nach dem Tod des Krupp-Patriarchen Berthold Beitz angetretene Stiftungschefin Gather ins Zentrum der Kritik geraten. Beschäftigte warfen ihr mangelnde Rückendeckung für die Konzernspitze im Konflikt mit den einflussreichen Investoren vor. Sowohl Lehner als auch Hiesinger hatten ebenfalls über zu geringen Rückhalt im Kreis der Anteilseigner geklagt. Lehner hatte dabei sogar ausdrücklich auf eine drohende Zerschlagung des Konzerns hingewiesen.

An der Börse machte sich derweil Vorfreude vor einer möglichen Zerschlagung von Thyssenkrupp breit. Die Aktie schnellte am Dienstag zunächst an die Dax-Spitze, zeitweise legte sie um mehr als acht Prozent zu. Ein Händler mutmaßte, dass allein die Aufzugsparte mehr wert sei als der gesamte aktuelle Börsenwert von Thyssenkrupp. Derzeit beträgt dieser etwas mehr als 13 Milliarden Euro.

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Der Rücktritt Lehners sei Wasser auf die Mühlen derer, die unter einer neuen Führung auf mehr Offenheit gegenüber Anteilsverkäufen setzen, schrieb Commerzbank-Analyst Ingo-Martin Schachel. Er verwies darauf, dass Lehner die vielgliedrige Konzernstruktur bis zuletzt verteidigte, während Großaktionäre wie die Finanzinvestoren Cevian oder Elliott auf eine Aufspaltung dringen. Cevian verwaltet für internationale Anleger derzeit ein Vermögen von rund 13 Milliarden Euro. Die schwedische Gesellschaft hält inzwischen gut 18 Prozent der Anteile an Thyssenkrupp und ist nach der Stiftung zweitgrößter Aktionär.

Da mit Lehner ein langjähriger Unterstützer Hiesingers gehe, dürften die "aktivistischen" Investoren aus dem derzeitigen Machtkampf wohl siegreich hervorgehen, glaubt Branchenexperte und Analyst Seth Rosenfeld.

(dpa/rt deutsch)

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