Ex-Finanzminister Varoufakis zum Handelsstreit mit USA: Europa hat Handelskrieg schon verloren

Ex-Finanzminister Varoufakis zum Handelsstreit mit USA: Europa hat Handelskrieg schon verloren
Der ehemaliger griechische Finanzminister Yanis Varoufakis kam nach München, um vor 500 geladenen Gästen zu sprechen. Mit seiner paneuropäischen Bewegung "Democracy in Europe Movement 2025" (DiEM25) will der 57-Jährige bei den Europawahlen antreten.
Europa habe im Handelsstreit mit den USA verloren. Diese Meinung vertritt zumindest der ehemalige griechische Finanzminister Yanis Varoufakis. Ihm zufolge sei der europäische Handelsüberschuss der Grund dafür. Auch über Donald Trump äußerte er sich.

Europäische Union habe nach Ansicht des ehemaligen griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis im Handelskonflikt mit den USA keine Chance. Am Rande eines Vortrags am ifo-Institut in München sagte Varoufakis gegenüber der Welt, Europa habe den Handelskrieg schon verloren, es gebe nichts, das Deutschland oder Europa tun könnten, um ihn zu gewinnen.

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Varoufakis war 2015 fünf Monate lang in der Regierung des Ministerpräsidenten Alexis Tsipras für die Finanzen des hochverschuldeten EU-Landes zuständig. Nun arbeitet der 57-jährige Ökonom als Professor in Athen. Am Montagabend kam er auf Einladung des Wirtschaftsinstituts in die Münchener Ludwig-Maximilian-Universität, um über Deutschland und die Rettung der Euro-Zone zu reden.

Beim Thema Handelskonflikt mit den USA habe Europa seiner Ansicht nach immer mehr zu verlieren, denn es exportiere mehr Güter in die USA als umgekehrt. Über den US-Präsidenten sagte er:

Trump ist nicht dumm. Mr. Trump weiß nicht viele Dinge, aber er weiß ein paar Dinge sehr gut.

Deutschland nicht reich genug, um das Scheitern des Euro zu verhindern

Und dazu gehöre laut Varoufakis die Gewissheit, dass er einen Handelskrieg gegen ein Land mit großem Handelsbilanzüberschuss nicht verlieren könne. Der Leiter des ifo-Instituts und zugleich auch der Gastgeber der Diskussion, Clemens Fuest, vertrat jedoch eine andere Meinung. So sagte Fuest gegenüber der Welt, dass es keinen Leistungsbilanzüberschuss der Europäer gegenüber den USA gebe. Bei den Berechnungen würden die Dienstleistungen und die Gewinne europäischer Tochterunternehmen amerikanischer Konzerne nicht berücksichtigt. Seiner Meinung nach sei es genau umgekehrt. 

In seinem Vortrag unter dem Namen "Warum Deutschland weder mehr zahlen kann noch mehr zahlen sollte, um die Euro-Zone zu retten" verwies Varoufakis laut Bericht darauf, dass es zwei Lösungen für Europa gebe: Entweder man gebe zu, dass die Euro-Zone ein Fehler war, und versuche, den bestmöglichen Weg zu finden, um sie "abzuwickeln". Aus seiner Sicht sei Deutschland nicht reich genug, um auf Dauer das Scheitern des Euro zu verhindern. Oder man schaffe die Vereinigten Staaten von Europa, was derzeit eher nicht realistisch sei.

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