Antwort auf Sanktionen: Russland liefert keine Militärtransporter mehr an NATO-Staaten

Antwort auf Sanktionen: Russland liefert keine Militärtransporter mehr an NATO-Staaten
Das russische Unternehmen Wolga-Dnjepr wird die Lieferung des Großraumflugzeugs Antonow-124 an NATO-Länder einstellen. Auf den Airbus A400M Flieger kann sich das westliche Militär kaum verlassen. Die Lufttransport-Fähigkeiten der Bundeswehr leiden dadurch massiv.

Wie verschiedene Medien berichten, wird das russische Unternehmen Wolga-Dnjepr den Vertrag mit zehn NATO-Ländern über die Bereitstellung des Großraum-Transportflugzeugs Antonow An-124 zum Jahresende auslaufen lassen. Seit dem Jahr 2006 erhielten zehn NATO-Länder im Rahmen des sogenannten Salis-Vertrages (Strategic Airlift International Solution) den russischen Militärtransporter sowohl von Wolga-Dnjepr als auch vom ukrainische Unternehmen Antonov Airlines.

Die NATO-Streitkräfte, auch Frankreich und Deutschland, setzen auf den Transportflieger mit sehr großem Ladevolumen. Die Bundeswehr bezeichnet das weltweit drittgrößte Flugzeug als "fliegenden Güterzug". 

Weiter sind Belgien, Luxemburg, Norwegen, Polen, die Slowakei und Slowenien, Tschechien und Ungarn betroffen. Dem französischen Magazin Challenge  zufolge sei die Entscheidung, die Auslieferung der Flieger einzustellen, eine Antwort auf neue Sanktionen gegen Russland, welche Washington im April beschlossen hat.

Das Transportflugzeug Airbus A400M wird wahlweise als Engel der Lüfte oder als Pannenvogel bezeichnet.

Pannen-Transportflieger A400M kaum eine Alternative

Mit ihrem außergewöhnlich großen Ladevolumen ist die Antonow An-124 insbesondere vor dem Hintergrund der anhaltenden Pannenserie beim europäischen Transportflugzeug A400M von Airbus bei vielen Lufttransporten unabdingbar, sodass diese Entscheidung bedeutende Einschränkungen in der Lufttransportkapazität nach sich ziehen könnte.

Die französischen Streitkräfte setzen insbesondere beim Transport von Hubschraubern und Panzern auf die An-124. Im vergangenen Jahr bestätigte ein französischer Parlamentsbericht, dass die Armee des Landes beim Lufttransport eine "sehr starke Abhängigkeit" von russischen und ukrainischen Lieferanten aufweist.

Auch in Deutschland ist den Streitkräften mit dem Militärtransporter A400M wenig geholfen. Zwar konnte Hersteller Airbus seinen Gewinn im vergangenen Jahr trotz neuer Probleme mit dem Militär-Transportflieger A400M und Triebwerken für seine Mittelstreckenjets fast verdreifachen. Doch die peinliche Pannenserie bei dem ambitionierten und kostenintensiven Flieger-Projekt reißt nicht ab.

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Gleich bei ihrer ersten Dienstreise mit einer A400M strandete Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen im vergangenen Februar wegen eines Triebwerkschadens im litauischen Kaunas, noch im vergangenen November gestand ein Inspekteur der Luftwaffe, dass keine einzige der 14 A400M-Transportmaschinen der Bundeswehr einsatzbereit sei, und im vergangenen Monat berichtete der Spiegel, dass bei Flügen Öldämpfe in Cockpit und Kabine austräten und aufgrund dysfunktionaler IT-Systeme vor jedem Flug umfangreiche Datenmengen etwa zum Spritverbrauch zwischen den einzelnen Anwendungen per Hand ausgetauscht werden müssten.

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Der Vertrag mit Dnjepr-Wolga gelte noch bis Ende des Jahres, sagte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung. Bis dahin hätten die NATO und ihre Partner "einen gesicherten Zugriff auf derartige Transportkapazitäten für übergroße Fracht".

Doch laut Rüstungsbericht des Verteidigungsministeriums werden sich die Verzögerungen bei der Auslieferung der A400M an die Bundeswehr auf sechs bis neun Jahre summieren.

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