"Zum Tango gehören immer zwei": China hofft auf US-Einsicht und Vermeidung von Handelskrieg

"Zum Tango gehören immer zwei": China hofft auf US-Einsicht und Vermeidung von Handelskrieg
Peking ist hoffnungsvoll geblieben, dass ein vollständiger Handelskrieg mit Washington vermieden werden kann, hat aber bereits mit der Erhöhung von eigenen Zöllen zurückgeschlagen. Besonders schmerzlich dürften Einfuhrbeschränkungen die US-amerikanischen Sojabohnenbauern treffen.

"Verhandeln wäre immer noch unsere Präferenz, aber zum Tango gehören immer zwei. Wir werden sehen, was die USA tun werden", sagte Cui Tiankai am Mittwoch nach einer einstündigen Konsultation mit dem amtierenden US-Außenminister John Sullivan.

Das Treffen zwischen den beiden Beamten wurde geplant, bevor Washington am Dienstag bekannt gab, dass fast 1.300 chinesische Exportgüter mit 25 Prozent Zöllen belegt werden könnten. In Erwiderung auf diesen Schritt, der möglicherweise ungefähr Exporte im Wert von 50 Milliarden US-Dollar treffen könnte, versprach Peking am Mittwoch, 106 US-amerikanische Produkte, einschließlich Sojabohnen, Autos und Chemikalien, mit einer ähnlichen 25-Prozent-Zollerhöhung zu belegen. China drohte auch mit Vergeltungsmaßnahmen gegen protektionistische Praktiken der USA bei der Welthandelsorganisation (WTO).

Im Februar berichtete das US-Landwirtschaftsministerium, dass das US-amerikanische Nettoeinkommen in diesem Sektor auf den niedrigsten Stand seit dem Jahr 2006 sinken wird. Sojabohnen sind der einzige Sektor, in dem das Ministerium einen Anstieg vorhergesagt hat.

"Die Chinesen sind hier sehr schlau. Sie wussten, dass sie direkt ins Herz von Trumps Wählerbasis im Mittleren Westen treffen würden", kommentierte Keith Bliss, ein Händler der Maklerfirma Cuttone & Co. gegenüber dem US-Fernsehsender CNBC.

"Ich bin sicher, dass das Weiße Haus Dutzende von Anrufen von Sojabohnenbauern erhielt, als sie sahen, dass die Nachrichten durch das Fernsehen gingen. Und es wird beide Parteien an den Tisch bringen. Und genau das wollten die Chinesen erreichen", sagte Bliss.

China ist der größte Verbraucher von Sojabohnen in der Welt und konsumiert etwa 60 Prozent der weltweiten Jahresproduktion, um hauptsächlich Viehzucht zu versorgen, die größte der Welt, mit alleine rund 400 Millionen Schweine.

Das chinesische Wirtschaftsministerium erklärte, dass die Umsetzung und der Umfang der Vergeltungsmaßnahmen von den Zöllen abhängen würden, die in den nächsten Monaten von den USA festgelegt werden.

Cui beschrieb das Treffen am Mittwoch als "umfassend und komplex" und stellte fest, dass es den Seiten gelungen ist, sowohl bilaterale Beziehungen als auch "Handelsaspekte" zu diskutieren. Sullivan betonte seinerseits "die Notwendigkeit, unsere wirtschaftlichen Beziehungen wieder fair und ausgewogen zu gestalten", so die Sprecherin des Außenministeriums, Heather Nauert.

In einem Versuch, die US-Börsenkurse zu beruhigen, die seit der Eskalation der Handelsspannungen zwischen China und den Vereinigten Staaten eingebrochen sind, hat Donald Trump am Mittwochmorgen seine Politik verteidigt und die Existenz eines Handelskrieges mit Peking geleugnet.

"Wir befinden uns nicht in einem Handelskrieg mit China. Dieser Krieg wurde vor vielen Jahren von den törichten oder inkompetenten Menschen, die die USA vertraten, verloren", schrieb US-Präsident Trump auf dem Micro-Bloggingdienst Twitter. "Jetzt haben wir ein Handelsdefizit von 500 Milliarden US-Dollar pro Jahr mit einem Diebstahl geistigen Eigentums von weiteren 300 Milliarden US-Dollar. Wir können das nicht so weitergehen lassen!"

Trumps Aussagen scheinen offenbar seinen kürzlich ernannten Top-Wirtschaftsberater verwirrt zu haben. "Ich bin mir nicht sicher, worauf er sich bezieht", sagte Larry Kudlow, Direktor des Nationalen Wirtschaftsrats des Weißen Hauses,  im Gespräch mit Fox Business. "Der Präsident ist der Präsident. Er will twittern, er wird twittern", sagte er am Mittwoch.

"Ich persönlich glaube, meine Meinung, dass die Chinesen nachgeben und Ball spielen werden", fügte Kudlow hinzu.

Während er Trumps Entschlossenheit verteidigte, das US-Handelsdefizit zu senken, bestritt Kudlow, dass die USA einen Handelskrieg mit China führen.

Archivfoto von Menschen, die während der Großen Depression außerhalb einer Bank umherschwirren, 1933.

Zuvor hatte Kudlow vor Reportern auf dem Rasen des Weißen Hauses angedeutet, dass die US-Zölle gegen chinesische Produkte nicht einmal in Kraft treten könnten. "Weißt du, es gibt Karotten und Stöcke im Leben, aber [Trump] ist letztendlich ein Freihändler", bemerkte er. "[Trump] sagte das zu mir, er hat es öffentlich gesagt. Also will er das mit möglichst wenig Schmerzen lösen", fügte Kudlow hinzu.

Nach dem Treffen zwischen Cui und Sullivan am Mittwoch, sagte ein Beamter des US-Außenministeriums der Nachrichtenagentur Reuters, dass die USA die Verhandlungen mit China fortsetzen könnten, und weigerte sich mitzuteilen, ob hochrangige Treffen zwischen den zwei Nationen geplant seien.

Unterdessen bekräftigte China seine Warnung, dass ein umfassender Handelskrieg negative Auswirkungen auf die US-Wirtschaft, die Arbeitskräfte und die Verbraucher haben wird. "Ein solcher Protektionismus würde niemanden schützen. Er wird weder die US-amerikanischen Arbeiter noch die amerikanischen Bauern schützen. Er wird weder das amerikanische Geschäft noch die US-amerikanischen Verbraucher schützen. In Wirklichkeit schadet es jedem, einschließlich der US-Wirtschaft selbst," gab Ciu während seines CNBC-Interviews am Mittwoch zu bedenken.

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