Russland zurück in Berlin: Sibirische und südrussische Produzenten kommen zur Grünen Woche

Russland zurück in Berlin: Sibirische und südrussische Produzenten kommen zur Grünen Woche
Bauernmesse für Agrarkleinbetriebe aus Russland und den GUS-Staaten in der Moskauer Edel-Passage GUM im September 2017.
Nach zwei Jahren Abwesenheit ist Russland dieses Jahr wieder bei der Internationalen Landwirtschaftsmesse Grüne Woche in Berlin vertreten. Im Vergleich zum russischen Großaufgebot im Jahr 2013 ist dies jedoch eher ein zaghafter Wiederbeginn.

Vom 19. bis 28. Januar 2018 findet in diesem Jahr in Berlin die Internationale Grüne Woche statt. Nachdem Russland noch 2013 große Erfolge bei der Landwirtschaftsmesse verbuchen konnte, war es in den letzten Jahren nicht vertreten. Vor allem antirussische EU-Sanktionen und das russische Gegenembargo verhinderten eine Teilnahme.

Seit dem Besuch des russischen Agrarministers Alexander Tkatschew in Deutschland im Januar 2017 und dessen Treffen mit seinem deutschen Kollegen Christian Schmidt kommt es im Agrarsektor zu einer Wiederannäherung zwischen Russland und Deutschland. Im Rahmen des damaligen Besuches vereinbarten die Minister unter anderem, alle drei Monate Konsultationsgespräche von Experten für Veterinärmedizin, Pflanzengesundheit und Tierseuchen in Russland und Deutschland durchzuführen. Ungeachtet der Sanktionen gehört die Landwirtschaft zu den wenigen Branchen in Russland, in die deutsche Unternehmen direkt investieren. Russland liefert nach Deutschland weiterhin Getreide, darunter Weizen, Mais und Buchweizen sowie Bohnen, Erbsen, Schokolade, Konditoreiwaren und andere Erzeugnisse.

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Eine Frau bringt eine Krebsplatte auf einen Tisch vor dem Stand  eines russischen Ausstellers bei der Internationalen Grünen Woche 2016 in Berlin

Russlands Bauern setzen auf Naturbelassenheit und hohen Nährwert

Bei der diesjährigen Messe haben sich laut deren Pressestelle exportorientierte Nahrungsmittelunternehmen aus den sibirischen, zentralen und südlichen Regionen Russlands wie Kirow und Jamal angemeldet. Zu den Produkten zählen Zedernkernbonbons, Delikatessen aus Wild und seltenen Fischarten sowie Süßigkeiten aus Pinienkernen und natürlichen Beeren. Aber auch Aussteller wie eine Baufirma mit dem Schwerpunkt auf Holzhäusern aus Leimbindern, Wein-Produzenten sowie Hersteller von Mineraldünger und Saatgut für Industriepflanzen sind vertreten.

Wir freuen uns, auf der Internationalen Grünen Woche 2018 die russischen Landwirtschaftsprodukte vorzustellen. In den letzten Jahren hat sich die Landwirtschaft in Russland zu einer der erfolgreichsten Branchen der nationalen Wirtschaft entwickelt. Wir sind nun in der Lage, den Binnenmarkt mit unseren Produkten zu sättigen und fangen an, Außenmärkte aktiv zu erobern", sagte Russlands Agrarminister Alexander Tkatschew.

Er weist außerdem auf die großen Fortschritte Russlands im Bereich der Bio-Lebensmittel hin: "Wir sind gerade dabei, regionale Marken auszubauen, die dazu beitragen werden, dass die europäischen Verbraucher die russischen Lebensmittel positiv wahrnehmen und ihren hohen Nährwert, ihre Bio-Qualität und ihre Vielfältigkeit wertschätzen. Ich bin zuversichtlich, dass die Produktpräsentationen der russischen Hersteller auf der Grünen Woche die Handelsbeziehungen zwischen Russland und den an der Grünen Woche teilnehmenden Ländern stärken und positiv beeinflussen werden."

Organisiert wird das rund 1.000 Quadratmeter große russische Gemeinschaftsprojekt in Halle 6.2a vom Russian Export Center, einer Einrichtung des Wirtschaftsministeriums. Im Vergleich zur Vertretung Russlands bei der Grünen Woche vor fünf Jahren, im Januar 2013, ist dies jedoch ein zahmer Wiederbeginn. Damals bildete Russland auf einer Fläche von 6.000 Quadratmeter den größten Ausstellungsbereich eines Landes auf der Agrarmesse: 32 Regionen der Russischen Föderation, vertreten von über 200 Organisationen und Unternehmen, waren damals dabei. Bereits in den ersten Tagen der Messe unterzeichneten die russischen Aussteller Verträge über mehr als 220 Millionen Euro.

Vielgestaltigkeit der russischen Küche betont

Ein Highlight waren damals die Näh- und Malworkshops, bei denen Interessierte Trachtenpuppen, Filzstiefel und Bernsteinschmuck anfertigen, kaukasische Tänze erlernen sowie Plinsen und Pelmeni nach traditionellen Rezepten zubereiten konnten. Im gastronomischen Bereich der russischen Halle sollten die Gäste vor allem davon überzeugt werden, dass diese Gerichte lediglich einen kleinen Teil der viel zitierten russischen Küche darstellen. So bewirteten die Aussteller bei der feierlichen Eröffnung ihre Gäste auch nicht mit Wodka und Kaviar, sondern mit Hirschfleisch und Zitronen, die aus dem Autonomen Kreis der Jamal-Nenzen hinter dem Polarkreis stammen.

Das russische Fest des Jahres 2013, das nach den Worten des damaligen Agrarministers Nikolai Fjodorow mit Folkloreensembles, einem Kosakenchor und kaukasischen Volkstänzen aus eigenem Engagement in den Regionen entstanden war, wird noch lange Zeit schwer zu übertreffen sein. Der russische Ansatz dürfte aber in diesem Jahr der gleiche wie damals sein: 

Auf der Erkenntnis basierend, dass im 21. Jahrhundert anders gearbeitet wird, müssen wir aktiv, und zwar auf der ganzen Welt, nach potenziellen Partnern und Investoren suchen und ihnen zeigen, was wir können", so Fjodorow.