Im Vorhof der USA: Russland stärkt Handelsbeziehungen mit Kuba

Im Vorhof der USA: Russland stärkt Handelsbeziehungen mit Kuba
Die ehemaligen Verbündeten zu Zeiten des Kalten Krieges erleben eine Renaissance ihrer Wirtschaftsbeziehungen, während die USA ihre Beziehungen zu Kuba auf ein Minimum reduzieren. Russische Firmen kehren mit Milliardenprojekten in die Karibik zurück.

Russische Unternehmen, darunter Rosneft, AvtoVaz und die Russische Eisenbahngesellschaft (RZD), kurbeln ihre Investitionen in Kuba an. Der bilaterale Handel zwischen den Ländern wird bis Ende des Jahres voraussichtlich 400 Millionen US-Dollar erreichen.

Russlands staatseigener Ölkonzern Rosneft nahm die Treibstofflieferungen auf der Karibikinsel wieder auf. Der Schritt stellt eine wichtige Unterstützung für das Land dar, nachdem Öllieferungen aus dem benachbarten Venezuela zurückgegangen sind. Rosneft kündigte auch Pläne zur Modernisierung der Ölraffinerie Cienfuegos an.

Die russische Eisenbahngesellschaft RZD ist Berichten zufolge in Gesprächen mit den kubanischen Behörden, um eine Eisenbahnstrecke von mehr als Tausend Kilometern zu modernisieren. Das Unternehmen plant den Bau einer Hochgeschwindigkeitseisenbahn, die Havanna mit dem Badeort Varadero verbindet.

„Es wird erwartet, dass das Abkommen 2,26 Milliarden US-Dollar schwer ist und bis Ende des Jahres unterzeichnet wird“, sagte Oleg Nikolaev, stellvertretender Manager bei RZD International, wie die Nachrichtenagentur Reuters zitiert.

Im November lieferte das russische Privatunternehmen Sinara Transport Machines die erste Lieferung von 75 Lokomotiven im Wert von 190 Millionen US-Dollar aus, die Kuba 2016 in Auftrag gab. Russlands größter LKW-Hersteller KAMAZ hat auch die Exporte auf die Insel mit 2.500 verschifften Fahrzeugen, darunter Lastwagen und Anhänger, gesteigert. Russlands größter Autohersteller AvtoVaz will seine ersten 300 Lada-Autos im Januar nach Kuba ausliefern.

Der Aufschwung der russischen Wirtschaftsaktivitäten in Kuba kommt zu einem Zeitpunkt, in dem sich die USA erneut vom Inselstaat distanzieren. Einige Analysten argumentieren, dass Moskau die Gelegenheit nutzt, um den US-amerikanischen Einfluss in seinem eigenen Hinterhof zu schwächen.

Russland sieht es als eine Chance, um seine eigenen Beziehungen zu Kuba zu vertiefen. Je mehr der russische Fußabdruck in Kuba zunimmt, umso mehr wird das die verhärteten Anti-US-Einstellungen verstärken und US-Unternehmen davon abhalten, schließlich mehr Geschäfte in Kuba zu tätigen“, erklärte Jason Marczak, Direktor des Adrienne Arsht Lateinamerika Zentrums.

Alle Bemühungen zur Wiederherstellung der politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den USA und Kuba wurden im Juni von US-Präsident Donald Trump ausgesetzt. Er ordnete strengere Reise- und Handelsbeschränkungen an. Zuletzt im September verkleinerte Washington sein Personal in der US-Botschaft zu Kuba.