Berkeley-Wirtschaftsprofessor: Tage des US-Dollars als weltweite Leitwährung sind gezählt

Berkeley-Wirtschaftsprofessor: Tage des US-Dollars als weltweite Leitwährung sind gezählt
Mehrere Währungen werden auf den internationalen Märkten bald gleichberechtigt nebeneinander existieren. Der US-Dollar wird gezwungen sein, das Podest mit dem chinesischen Yuan und dem Euro zu teilen, so Barry Eichengreen, Experte für globale Währungssysteme.

In seinem Buch "How Global Currencies Work: Past, Present, and Future" schreibt Eichengreen, dass Reservewährungen koexistieren können und bereits jetzt koexistieren. Das Buch, an dem auch die Ökonomen der Europäischen Zentralbank Arnaud Mehl und Livia Chițu mitgeschrieben haben, ist seit einigen Tagen auf dem Markt.

Monopolsituation eher die Ausnahme

Die Ökonomen analysieren die Entwicklung der Zentralbankreserven von den 1910ern bis zum Anfang der 1970er Jahre unter neuen Ansätzen, wobei sie sich hauptsächlich auf die Zwischenkriegszeit der 1920er und 1930er Jahre konzentrieren. Außerdem stellen sie den traditionellen Ansatz "Der Gewinner bekommt alles" in Frage, dem zufolge es immer nur eine dominante Reservewährung geben kann.

In der Zeit zwischen den Kriegen scheint es, als ob das britische Pfund und der US-Dollar sich je nach Jahr mehr oder weniger gleichberechtigt den Reservewährungsstatus geteilt hätten",

so Eichengreen und seine Kollegen.

Sie fanden heraus, dass "vor dem Ersten Weltkrieg, obwohl das Pfund Sterling die wichtigste Währung war, der französische Franc und die Deutsche Mark auch international von Bedeutung waren".

Von diesem Standpunkt aus betrachtet ist die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts die Anomalie, in der das Fehlen von Alternativen es dem US-Dollar erlaubte, sich der Monopolisierung in dieser internationalen Währungsrolle anzunähern",

so die Ökonomen.

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Eichengreen, Wirtschaftsprofessor an der University of California in Berkeley, erklärte, dass die Tage, in denen der US-Dollar als dominierende Reservewährung gilt, früher oder später enden werden und die Geschwindigkeit dieser Verschiebung auch von den Handlungen des US-Präsidenten Donald Trump abhängen könnte.

"Niemand muss mehr Windows benutzen"

Der Ökonom weist auf die Aussagen mehrerer Kollegen und weiterer Experten hin, wonach der chinesische Yuan dazu prädestiniert sei, in der Zukunft die führende Rolle zu übernehmen.

Die traditionelle Ansicht ist, dass der Status der internationalen Währung ein Spiel ist, bei dem der Gewinner alles bekommt, und dass es auf der globalen Bühne nur für eine einzige echte internationale Währung Platz gäbe. Das Argument war, dass Netzwerkeffekte so stark sind, dass sie ein natürliches Monopol schaffen, weil es sich lohnt, die gleiche Währung bei grenzüberschreitenden Transaktionen zu verwenden, die alle anderen nutzen",

unterstrich Eichengreen in einem Interview mit dem Newsportal Quartz.

Die "neue Sichtweise ist [jedoch], dass sich die Finanztechnologie weiterentwickelt hat und die Netzwerkeffekte nicht mehr so stark sind".

Es ist einfacher, zwischen den Währungen zu wechseln. Ähnlich wie sich Betriebssysteme für die Unterhaltungselektronik gewandelt haben. Niemand muss mehr Windows benutzen", so der Wirtschaftswissenschaftler abschließend.