Warnung vor US-Manipulation: Erdgas exportierende Länder trafen sich zum Gipfeltreffen in Bolivien

Warnung vor US-Manipulation: Erdgas exportierende Länder trafen sich zum Gipfeltreffen in Bolivien
Internationales Gipfeltreffen der Erdgas exportierenden Staaten in Santa Cruz, Bolivien, 25. November 2017
Die Teilnehmer des 4. Erdgasgipfels streben einen gerechten Gaspreis und Stabilität auf dem Weltmarkt an. Der russische Energieminister weist US-Sanktionen gegen Gasexportländer wie Iran, Venezuela und Russland zurück. Bolivien warnt vor Destabilisierung durch USA.

von Maria Müller, Montevideo

Im Andenstaat Bolivien fand vom 21. bis zum 24. November das vierte internationale Gipfeltreffen der Erdgas exportierenden Staaten statt. Das Land ist einer der größten Erdgasproduzenten Lateinamerikas.

Das Forum besteht zurzeit aus 19 Mitgliedern und sieben Beobachtern. Vollmitglieder sind Russland, Iran, Katar, Algerien, Bolivien, Ägypten, Guinea, Libyen, Nigeria, Trinidad und Tobago sowie Venezuela und die Emirate. Die Niederlande, Irak, Oman, Peru, Norwegen, Kasachstan, und Aserbaidschan haben einen Beobachterstatus. Die USA, deren erklärtes Regierungsziel es ist, zu einem der größten Gasexporteure der Welt zu werden, glänzten durch Abwesenheit.

Diesmal beherbergte die Stadt Santa Cruz de la Sierra die zahlreichen Delegationen aus aller Welt. Gekommen waren 17 Minister und 27 Vertreter bedeutender Unternehmen, darunter Gazprom, Petróleos de Venezuela, Shell, Total und Repsol. Die Staatschefs aus Bolivien, Venezuela, Äquatorialguinea und derVizepräsident des Iran werden sich sich am Freitag zu einer gesonderten Besprechung treffen.

Teilnehmerländer besitzen 70 Prozent der weltweiten Gasreserven

Die zwei bedeutendsten Energieorganisationen der Welt, die Internationale Energieagentur (IEA) und die Organisation der Erdölexportierenden Länder (OPEC), waren ebenfalls vertreten. Das erste Treffen dieser Art hatte 2011 in Katar stattgefunden, das zweite 2013 in Russland und das dritte im November 2015 in Teheran.

Das Energieforum der Gas exportierenden Länder ist das weltweit größte Ereignis dieser Art",

erklärte der Energieminister Boliviens, Luis Alberto Sánchez.

Die auf dem Forum vertretenen Staaten kontrollieren insgesamt 70 Prozent der globalen Erdgasreserven und repräsentieren 40 Prozent der weltweiten Gasproduktion. Außerdem stellen sie 60 Prozent der Flüssiggasexporteure (LNG).

Der russische Energieminister Alexander Nowak wies die jüngst weiter verschärften Wirtschaftssanktionen gegen Gas exportierende Länder seitens der USA und einiger ihrer verbündeten Staaten scharf zurück. Zurzeit sind der Iran, Venezuela und Russland davon betroffen. Nowak kritisierte auch die Tatsache, dass die Europäische Union diskriminierende Barrieren gegen die russische Gasproduktion und seine Gasexporte errichtet.

Auf dem internationalen Forum in Bogotá analysierten die Regierungen gemeinsam den Gaspreis, das weltweite Angebot und die internationale Nachfrage. Auch die neuen Technologien zur Förderung und zum Transport des Gases standen im Fokus der Gespräche. Die Rolle des Erdgases als sauberem Energieträger und als Brücke zwischen der Erdölepoche und einer diversifizierten Energie-Zukunft waren weitere Themen. Die Teilnehmer betonten, die Nachfrage nach Erdgas steige kontinuierlich an. Die weltweiten Gasvorkommen könnten die Energieversorgung der Menschheit unterdessen für die kommenden 200 Jahre garantieren.

Morales warnt vor geopolitisch motivierten Manipulationsversuchen

Die Präsidenten Boliviens und Venezuelas, Evo Morales und Nicolas Maduro, mahnten nachdrücklich, dass die Teilnehmer des Forums ihre Strategien und Übereinkünfte in Zukunft verstärkt koordinieren und zu einer vereinheitlichten Vorgehensweise auf dem Weltmarkt gelangen sollten. Ziel sei, den Markt für Gas optimal zu entwickeln. Bolivien forderte dazu auf, den Gaspreis vom Ölpreis abzukoppeln, und ihn so vor dessen starken Schwankungen zu schützen. Präsident Evo Morales warnte davor, den Gaspreis aufgrund von geopolitischen Interessen zu manipulieren.

Morales bat die Mitgliedsstaaten des Forums, verstärkte Anstrengungen zu unternehmen, damit die ins Auge gefassten Investitionen auch optimale Ergebnisse nach sich ziehen können. Alle Beteiligten müssten ihre Förderkapazitäten verbessern und Alternativen erforschen, mit deren Hilfe sich der Gaspreis stabilisieren kann:

Wir sind Gaserzeugerländer. Wir müssen in der Lage sein, uns gemeinsam gegen die Mächte zu verteidigen, die sich unsere Ressourcen aneignen wollen. Sie manipulieren die Preise und versuchen auf diese Weise unsere Staaten und deren demokratisch gewählte Regierungen zu destabilisieren",

sagte Evo Morales bei der Eröffnungsfeier.

Der staatliche russische Energieversorger Gazprom und der bolivianische Staatskonzern YPFB arbeiten seit zehn Jahren zusammen. Bolivien besitzt 80 Gasfelder, die in diesen Jahren gemeinsam erschlossen wurden. Nächstes Jahr sollen neue Lagerstätten in Betrieb genommen werden. Die beiden Staatskonzerne wollen außerdem eine Vertriebsfirma gründen, um Gas in Argentinien und Brasilien zu verkaufen. Das sind die beiden größten Gasmärkte in Südamerika.

Konsens über Investitionen und langfristige Gasverträge

Der Präsident des Plurinationalen Staates Bolivien mit Bundeskanzlerin Angela Merkel

In der einstimmig verabschiedeten "Erklärung von Santa Cruz" mit dem Titel "Naturgas, ein sauberer und zuverlässiger Energieträger für die dauerhafte globale Entwicklung" fordern die Gipfelteilnehmer, dass bei der Preisfestlegung auch, die Energiestärke von Gas und deren Wirkung auf die Umwelt im Vergleich zu den fossilen Brennstoffen müsse in positiver Weise berücksichtigt werden. Das Erdgas trage insofern auch zum "Kampf gegen die globale Erwärmung" bei.

In dem Schlussdokument zur Konferenz wird auch auf diverse Verträge Bezug genommen, die während des Treffens zur Unterzeichnung kamen. Die Länder verpflichten sich zu speziellen politischen Maßnahmen, um sowohl die Produktion als auch den Konsum von Gas zu fördern. In den verschiedensten Lebens- und Herstellungsbereichen soll verstärkt Gas zur Anwendung kommen. Dazu braucht es Investitionen. Langfristige Gasverträge sollen zudem die Stabilität insgesamt sichern. Zudem will man staatliche Regelungen für den Handel mit Gas über die Grenzen hinweg in Angriff nehmen. Ein regelmäßiger Kommunikationsaustausch zwischen Produzenten und Konsumenten ist ein weiteres Anliegen der Gipfelteilnehmer. Insgesamt wünscht man eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen den Ländern.

Das nächste Forum der Gas exportierenden Länder wird 2019 in Äquatorialguinea stattfinden.