Russland verdrängt USA als landwirtschaftliche Supermacht

Russland verdrängt USA als landwirtschaftliche Supermacht
Da Russlands Weizenernte die Preise auf ein Rekordtief gedrückt hat, sehen sich die USA zunehmend vom Getreidemarkt verdrängt. Grund für den Boom der russischen Agrarexporte sind massive Investitionen in die Branche und die Abschwächung des Rubels.

Auf einigen Märkten verdrängen wir die USA und wir sind mit dieser Entwicklung sehr zufrieden", sagte Russlands Landwirtschaftsminister Aleksandr Tkatschow.

In diesem Jahr erwarten die russischen Landwirte die größte Ernte seit einem Jahrhundert. Russland wird in der laufenden Vegetationsperiode laut Schätzungen des Wall Street Journal mindestens 83 Millionen Tonnen Weizen produzieren.

Niedrigere Preise und die Nähe zu großen Märkten verschaffen Russland einen weiteren wichtigen Vorteil, so der Generaldirektor des Instituts für Agrarmarktstudien, Dmitri Rylko.

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Ein relativ schwacher Rubel ist gut für den russischen Weizenmarkt. Wir sehen weder ein allmähliches noch ein schnelles Wachstum unserer Exporte", sagte der Experte zu RT.

Russland will noch größere Getreidemengen exportieren

Deutlich aussagekräftiger ist jedoch eine von der russischen Regierung Anfang des Jahres für den gesamten Getreidemarkt in Aussicht gestellte Zahl. Der in Moskau ansässige Getreideberater ProZerno schätzt die bevorstehende Erntemenge auf über 130 Millionen Tonnen. Das sind 2,6 Prozent mehr als der bisherige Rekord der Sowjetunion von 1978.

Heute ist es unsere Aufgabe, landesweit für faire Preise zu sorgen. Eine Ernte von 130 Millionen Tonnen Getreide ist noch nicht das Maximum. Sie kann bis zu 200 Millionen Tonnen erreichen. Die Hauptsache ist, dass neue Absatzmärkte gefunden werden", erklärte Tkatschow.

Die US-Agrarwirtschaft ist in dieser Saison zudem mit schlechtem Wetter konfrontiert, so dass 2017 auf weniger Weizenanbauflächen ausgesät werden konnte als je zuvor. Die US-Weizenproduktion wird dadurch gegenüber der Vorsaison voraussichtlich um ein Viertel zurückgehen.

Ungünstige Bedingungen und Russlands Wiederaufstieg in der Branche drückten die Weizenpreise beim Chicago Board of Trade im Vergleich zum Juli um fast 25 Prozent auf 4,19 US-Dollar pro Scheffel (etwa 27 Kilogramm).

Die US-Handelsgruppe Wheat Associates gab zudem die Schließung ihres Büros in Ägypten bekannt, dem größten Weizenimporteur der Welt.

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Im Vergleich zu Russland können wir bei dem Weizenpreis buchstäblich nicht auf jenem Markt konkurrieren", sagte Steve Mercer, der Sprecher der Businessgruppe.

USA verlieren beim Weizen an Bedeutung - gewinnen aber bei Soja und Mais

Nach Angaben des US-Agrarministeriums wird US-amerikanischer Weizen 2017 nur noch 15 Prozent der weltweiten Exporte ausmachen. Vor vier Jahrzehnten lag der Anteil noch im Bereich der 50 Prozent. Auch in Europa und Indien kam es infolge einer höheren Getreideproduktion zu einem Preiseinbruch. Die USA werden laut Auskunft des Ministeriums nur noch halb so viel produzieren wie Russland.

Im vergangenen Jahr ist es Russland gelungen, der weltweit führende Produzent und Exporteur von Getreide zu werden, nachdem das Land 34 Millionen Tonnen von seiner 119-Millionen-Tonnen-Ernte exportiert hatte. Die Exporte russischen Weizens sollen in diesem Jahr laut dem russischen Landwirtschaftsministerium auf 40 Millionen Tonnen ansteigen. Für die Amerikaner gibt es jedoch auch ein Trostpflaster:

Niemand verlässt den Markt. Die US-Amerikaner sind im Mais- und Sojaanbau besser und sie sind darin erfolgreich, während sie ihre Position beim Weizen verlieren", unterstrich Rylko.