Siemens bleibt in Russland: "Das beweist die Wichtigkeit des russischen Marktes für den Konzern"

Siemens bleibt in Russland: "Das beweist die Wichtigkeit des russischen Marktes für den Konzern"
Der deutsche Technologiekonzern Siemens ist trotz Kritik nach der Lieferung von Gasturbinen auf die Krim nicht bereit, auf den Handel mit Russland zu verzichten. RT Deutsch sprach mit dem Chefredakteur des Wirtschaftsfachportals Ostexperte, Thorsten Gutmann.

von Ali Özkök

„Mehrere Unternehmen beteiligen sich an Ausschreibungen für Turbinen in Russland. Auch Siemens beteiligt sich an diesen Ausschreibungen“, informierte der stellvertretende russische Energieminister Andrey Tscherezow, nachdem Gerüchte aufkamen, dass sich Siemens aus dem Russland-Geschäft verabschieden könnte.

Bildquelle: navigatorgas.com

Im Juli räumte der deutsche Mischkonzern ein, dass vier Kraftwerkturbinen „widerrechtlich gegen klare vertragliche Vereinbarungen in die Region [der Krim] verlegt wurden". Die Turbinen sollen ursprünglich für ein Projekt in der südrussischen Region Taman unweit der Krim-Halbinsel bestimmt gewesen sein.

Die Europäische Union weitete Sanktionen gegen Russland nach der Turbinen-Lieferung auf die Krim aus. Auch der stellvertretende Energieminister Tscherezow sowie andere russische Beamte und Unternehmen sind von der neuen Sanktionsrunde der Europäischen Union betroffen.

Tscherezow warnte, dass deutsches Know-how nicht unersetzbar ist. Seiner Meinung nach sinkt die internationale Nachfrage für die Herstellung von Kraftwerken. Selbst wenn Siemens sich weigern sollte, in Russland zu operieren, könnte das deutsche Unternehmen ohne große Schwierigkeiten ersetzt werden. Der stellvertretende russische Energieminister versicherte gegenüber Reportern, Siemens ist weiterhin an der Lieferung von Turbinen für das Taman-Werk interessiert.

Der Chefredakteur des Wirtschaftsfachportals Ostexperte, Thorsten Gutmann, ist davon überzeugt, dass Russland ein wichtiger Markt für Siemens ist, und deshalb der Abzug aus dem Russland-Geschäft nicht auf der Tagesordnung steht. RT Deutsch teilte der Wirtschaftsexperte mit Sitz in Moskau mit:

Die russischen Siemens-Vertragspartner haben sich keinen Gefallen damit getan, vertragsbrüchig zu werden und die Gasturbinen sanktionswidrig auf die Krim zu liefern. Dass Siemens trotz Vertrauensbruch weiterhin Energieausrüstung in Russland bereitstellen könnte, beweist die Wichtigkeit des russischen Marktes für den deutschen Konzern. Kein Wunder: Neben Technologien zur Energiegewinnung produziert Siemens auch in den Bereichen Industrie, Infrastruktur, Eisenbahnindustrie, Digitalisierung und Gesundheitswesen."

Um den bilateralen Wirtschaftsbeziehungen wieder Aufwind zu geben, wird aus deutscher Unternehmenssicht die politische Wiederannäherung zwischen westlichen Staaten und Russland willkommen geheißen. Gutmann sagte zu RT Deutsch:

Es ist ein offenes Geheimnis, dass sich viele deutsche Unternehmen in Russland eine Entspannungspolitik wünschen. Allerdings sollte Moskau trotz Sanktionen darauf achten, dass Verträge mit deutschen Partnern eingehalten werden – denn Vertrauen ist die wichtigste Grundlage für einen nachhaltigen Dialog zwischen beiden Ländern."

Bildquelle: US Air Force

Das Unternehmen Technopromexport, das zum russischen Staatskonzern Rostec gehört, baut auf der Krim-Halbinsel zwei Erdgaskraftwerke mit einer Leistung von je 470 Megawatt. Die Kraftwerke werden in Sewastopol und Simferopol errichtet. Die Eröffnung ist für das Frühjahr 2018 geplant.

Nach der Wiedervereinigung mit Russland 2014 schnitt die Ukraine die Hauptenergieversorgung der Krim ab, was die nachhaltige Versorgung der Halbinsel für Russland auf die Probe stellte.

Im November 2015 brach auf der Krim ein Ausnahmezustand aus, nachdem vier Stromleitungen von ukrainischen Nationalisten gesprengt worden waren. Der Zwischenfall führte zu einem totalen Stromausfall auf der Halbinsel. Moskau reagierte und baute eine Energiebrücke über die Straße von Kertsch, eine Meerenge, die die Krim mit dem russischen Festland verbindet.