Sanktionen egal: Russische Flüssiggas-Branche floriert trotz US-Sanktionen

Sanktionen egal: Russische Flüssiggas-Branche floriert trotz US-Sanktionen
Russlands Energiewirtschaft steht vor einer neuen Runde von US-Sanktionen. In Europa, wo der russische Gasriese Gazprom derzeit einen großen Anteil an den Gaslieferungen hält, kaufen Polen und Litauen Flüssigas (LNG) aus den USA, um die russische Vorherrschaft abzuschütteln.

Trotz der Sanktionen und der kalten Schultern aus Polen und Litauen hat Russland immer noch Pläne, seine LNG-Kapazitäten und Exporte zu erhöhen, wobei eines seiner wichtigsten LNG-Exportprojekte nach Asien, genauer gesagt nach China, ausgerichtet ist. China finanzierte das LNG-Projekt, um es zum Abschluss zu bringen.

Durch die Finanzierung aus China findet Russland nicht nur alternative Finanzierungsquellen angesichts der US-Sanktionen, sondern sichert sich auch Absatzmengen auf dem am schnellsten wachsenden LNG-Importmarkt.

Russlands Präsident Wladimir Putin verkündete Anfang dieses Jahres die Ambitionen seines Landes, zum größten LNG-Produzent der Welt werden zu wollen. Obwohl Putin keinen Zeitrahmen für die Erreichung dieses ehrgeizigen Ziels vorgegeben hat, könnte Russland die globalen LNG-Handelsströme und die Marktanteile der Exporteure innerhalb des nächsten Jahrzehnts potenziell steigern, wenn es dem Land gelingt, seine LNG-Produktion und den entsprechenden Export deutlich zu steigern.

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Ein großes LNG-Projekt, das in den Startlöchern steht, wird nicht von Gazprom eingeführt, sondern von Nowatek, das seine erste Ladung aus dem Jamal-LNG-Projekt an einen seiner chinesischen Partner, die China National Petroleum Corporation (CNPC), schickt. Frankreichs Öl-Riese Total ist mit 20 Prozent am Jamal-LNG-Projekt beteiligt. Nowatek gilt mit 50,1 Prozent als Mehrheitsaktionär und den Rest teilen sich die chinesische CNPC (20 Prozent) und der chinesische Silk Road Fund (9,9 Prozent).

Nowatek verkaufte 9,9 Prozent der Anteile Anfang 2016 an den Silk Road Fund, nachdem das russische Unternehmen ein Darlehen zur Finanzierung des Projekts in Höhe von rund 851 Millionen US-Dollar für 15 Jahre aus dem Fonds erhielt.

Infolgedessen wurde Nowatek nicht nur zu einem wichtigen Mittel für internationale Partnerschaft, sondern auch zu einem wichtigen Bindeglied in Russlands Bestreben, die Beziehungen zu Asien als Teil des 'Schwenks nach Asien' auszubauen", schrieb James Henderson in einem im März dieses Jahres veröffentlichten Aufsatz für das Oxford Institute for Energy Studies.

Mark Gyetvay, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende von Nowatek, sprach während der Telefonkonferenz, die in der letzten Woche stattfand, zu den Ergebnissen des dritten Quartals von Nowatek und kommentierte die ersten Lieferungen von Jamal-LNG wie folgt: 

Eine weitere Frage, die sich viele stellen, ist das Ziel des ersten Tankers. Diese Frage ist offensichtlich ein sehr symbolischer Punkt. Die frühzeitige LNG-Verteilung an Partner basiert auf vereinbarte Mengen, aber wir sind der Ansicht, dass der erste LNG-Tanker von CNPC entladen werden sollte, um ihren Beitrag zum Projekt und die Bedeutung des asiatisch-pazifischen Marktes als Schlüsselregion zu würdigen."

Wir schätzen, dass der größere Anteil des Flüssiggases aus Jamal nach Asien verkauft wird, aber letztlich werden die Ladungen an den Markt verkauft, der dem jeweiligen Verkäufer den höchsten Nettorückgewinn bietet", fügte Gyetvay hinzu.

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Nowatek unternimmt auch Schritte, um die chinesischen Märkte zu stärken und die Finanzierung eines weiteren LNG-Projekts, Arctic LNG 2, das voraussichtlich Anfang 2020 für die erste Produktion vorgesehen ist, zu sichern. Am Mittwoch unterzeichnete das russische Unternehmen mit CNPC einen strategischen Vertrag über Arbeiten am Arctic LNG 2 sowie den LNG-Handel und die Entwicklung der Gasinfrastruktur. Die Firma stimmte außerdem einer Kooperation mit der China Development Bank bei Arctic LNG 2 und anderen Projekten zu, was "die Finanzierung und Investition in das Kapital dieser Projekte" einschließt.

Das Unternehmen Gazprom, das 2009 Russlands erste LNG-Anlage Sachalin II in Betrieb nahm, plant ebenfalls einen Ausbau seiner LNG-Kapazitäten. Im Juni dieses Jahres unterzeichnete der Gasriese eine Vereinbarung mit Shell, um mit der Entwicklung einer vorläufigen Projektdokumentation für das LNG-Projekt im Baltikum zu beginnen. Eine Shell-Tochtergesellschaft hält mehr als ein Viertel der Aktien an der einsatzbereiten Sachalin-II-Anlage.

Der Öl-Gigant Rosneft hat auch geplant, sich in die LNG-Branche zu wagen und unterzeichnete im Mai 2014 einen vorläufigen Vertrag mit ExxonMobil über die Zusammenarbeit beim Fernost-LNG-Projekt. Doch dies war kurz bevor die USA im Juli desselben Jahres die ersten Sanktionen gegen russische Energieunternehmen verhängt hatten, die Rosneft und Nowatek den Zugang zu den US-Kapitalmärkten einschränkten. Seitdem haben die Vereinigten Staaten ihre Sanktionen gegen russische Energieunternehmen mehrmals verschärft.

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Daher haben russische LNG-Entwickler begonnen, sich in China umzusehen, um dort Mittel für die Finanzierung ihrer Projekte und den asiatischen Markt, einschließlich China, für den LNG-Verkauf zu gewinnen.

Der Markt ist eine logische Wahl, denn China wird voraussichtlich zur führenden Determinante für die globale Erdgasnachfrage werden und die USA zwischen 2040 und 2050 als größten Erdgasverbraucher überholen.

Obwohl viele Analysten auf die derzeitige Überfüllung des LNG-Marktes hindeuten, so ein Bericht des Forschungszentrums Research and Markets vom August 2017, überschritt die weltweite LNG-Marktnachfrage im vergangenen Jahr 265 Millionen Tonnen und wird voraussichtlich mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 6,5 Prozent im Zeitraum zwischen 2017 und 2025 noch wachsen, wobei der Verbrauch im asiatisch-pazifischen Raum in den nächsten zehn Jahren aufgrund der verschiedenen Entwicklungen in den Schwellenländern, insbesondere im Strombereich, exponentiell hoch bleiben wird.