Indien verschafft sich unter Umgehung Pakistans Zugang zu Afghanistan - auch Iran profitiert

Indien verschafft sich unter Umgehung Pakistans Zugang zu Afghanistan - auch Iran profitiert
Der Transportweg ist etwa viermal so lange als durch Pakistan, dennoch profitieren sowohl Indien als auch Afghanistan und der Iran vom neuen Lieferweg über den Hafen Tschahbahar. Mittlerweile ist die erste große indische Weizenlieferung auf dem Weg.

Indien hat seine erste Weizencharge über den strategischen iranischen Hafen Tschahbahar nach Afghanistan verschickt. Die Lieferung ging vom westlichen indischen Seehafen Kandla aus. Von dem iranischen Hafen erfolgt der Transport mittels Lastkraftwagen weiter nach Afghanistan. Die neue Handelsroute unter Umgehung Pakistans soll umgekehrt auch afghanischen Waren einen besseren Zugang zum indischen Markt ermöglichen.

Die 7.500 Tonnen fassende Lieferung indischen Weizens, die bereits in Tschahbahar angekommen ist, ist ein "Teil der Verpflichtung Indiens, 1,1 Millionen Tonnen [nach Afghanistan] zu liefern", sagte Indiens Außenministerin Sushma Swaraj bei einer Video-Konferenz mit Amtskollegen aus dem Iran und Afghanistan. Sie bekräftigte auch Neu-Delhis anhaltendes Engagement mit dem Ziel, das kriegsgeschädigte Afghanistan wieder aufzubauen.

Pakistan verweigerte seinem Erzrivalen Indien die Nutzung der Transitroute

Die so genannte Iran-Route ist mit 3.900 Kilometern deutlich länger als die kontinentale Strecke durch Pakistan, die mit 990 Kilometern weniger als ein Viertel so lang ist. Warum aber bedienen sich Neu-Delhi und Kabul der teureren Route?

Pakistan war zuvor jahrelang der größte Weizenexporteur nach Afghanistan und als Hauptlieferant auch in der Lage, die Preisgestaltung zu bestimmen. Indische Medien weisen darauf hin, dass im Jahr 2014 eine Tonne pakistanischen Getreides um 500 Rupien (etwa 6,6 Euro) mehr als das indische kostete. Außerdem lehnte Pakistan die Anfrage Afghanistans und Indiens ab, sein Territorium für den Transit von indischem Weizen bereitzustellen.

Hinter dem Widerstand Islamabads steht aber nicht nur ein monopolistisches Kalkül, sondern auch eine tiefsitzende politische Kontroverse. Der afghanische Präsident Aschraf Ghani wirft Pakistan die Unterstützung der Taliban vor, die gegen seine Regierung kämpfen. Gleichzeitig haben sich die Beziehungen zwischen Indien und Pakistan, die seit 1947 um das Gebiet Kaschmir streiten, in den letzten zwei Jahren erneut verschlechtert.

US-Regierung erhebt keine Einwände gegen Einbindung des Iran

Die USA fördern das wirtschaftliche Engagement Indiens in Afghanistan im Rahmen ihrer so genannten South Asia Strategy. Die Lieferung des Weizens erfolgte einige Tage nach dem Besuch des US-Außenministers Rex Tillerson in Neu-Delhi. In diesem Zusammenhang beruhigte der Minister die indischen Verbündeten, diese müssten sich keine Sorgen machen, dass ihnen ihr Beitrag zur Entwicklung des iranischen Hafens zum Verhängnis werden könnte. US-Präsident Donald Trump vertritt eine harte Position gegenüber Teheran.

Eine Statue mit einer Maske, aufgesetzt von Anti-Regierungsdemonstranten im Zentrum von Ankara (13. März 2014, Quelle: Reuters)

Die jüngste Lieferung von Weizen resultiert aus einem historischen trilateralen Abkommen, das die zuständigen Geschäftsträger im Mai 2016 zwischen Indien, Iran und Afghanistan unterschrieben hatten. Diese Vereinbarung ermöglichte es Indien erst, den Hafen Tschahbahar für den Handel mit Zentralasien und Europa zu nutzen. Neu-Delhi will insgesamt 500 Millionen US-Dollar in den Aufbau neuer Terminals, Umschlagplätze und Infrastruktur in und um den iranischen Hafen investieren.

Win-Win-Win-Situation und Antwort an China

Tschahbahar wird in Indien als eine Art "Antwort" auf den von der Volksrepublik China modernisierten Gwadar-Hafen in Pakistan betrachtet.

Tschahbahar ermöglicht es dem Iran, seinen Handel nach Osten zu verschieben und somit weg vom unsicheren Persischen Golf. Afghanistan kann seinerseits seine kommerzielle Abhängigkeit von Pakistan verringern. Zudem erhalten beide Nachbarländer Zugang zu Indien - einem der größten Märkte in Asien.