Lukoil-Chef: Westliche Sanktionen gegen Russland werden noch mindestens zehn Jahre anhalten

Lukoil-Chef: Westliche Sanktionen gegen Russland werden noch mindestens zehn Jahre anhalten
Russische Energieunternehmen sollten sich auf langfristige westliche Restriktionen vorbereiten, da Sanktionen gegen Russland noch mindestens zehn Jahre dauern dürften. Davor warnt der Vorsitzende des zweitgrößten russischen Ölkonzerns Lukoil, Vagit Alekperow, im Interview mit den Financial Times.

 „Unser derzeitige strategische Plan für die nächsten zehn Jahre sieht vor, dass Sanktionen beibehalten werden. Ich glaube nicht, dass die Sanktionen in den nächsten Jahren aufgehoben werden, und selbst wenn, wird es ein langwieriger und sehr komplizierter Prozess sein“, erklärte Alekperow.

Lukoil produziert 1,8 Millionen Barrel pro Tag und ist die größte private Ölgesellschaft Russlands. Nur der staatliche Konzern Rosneft fördert größere Mengen.

Die USA und ihre westlichen Verbündeten verhängten unter dem Eindruck der Ukraine-Krise und der russischen Wiedervereinigung mit der Krim-Halbinsel Sanktionen gegen Russland. Moskau wurde beschuldigt, die ehemalige ukrainische Halbinsel samt der ethnischen russischen Mehrheit annektiert zu haben, die 2014 im Rahmen eines Referendums zu Russland zurückkehrte. Weitere Sanktionen wurden wegen des Bürgerkriegs in der Ostukraine verhängt, nachdem der Westen Moskau beschuldigte, den Rebellen in den abtrünnigen Regionen Donezk und Lugansk geholfen zu haben.

Die Sanktionen haben zwar die Ölexporte Russlands nicht beeinträchtigt, wirken sich aber auf gemeinsame Projekte mit großen internationalen Energiekonzernen, insbesondere mit US-amerikanischen Unternehmen, negativ aus.

ExxonMobil beispielsweise musste Kooperationspläne mit russischen Unternehmen im Falle des Erdöl- und Erdgasfeldes Sachalin und der Arktis begraben. Die Sanktionen schränken außerdem die Möglichkeiten russischer Energieunternehmen ein, westliche Ausrüstung für die Energieförderung zu erwerben.

Was den Ölpreis betrifft, sagt Alekperow, ist er zufrieden mit der Vereinbarung zwischen der OPEC, Russland und anderen Ölproduzenten, die Fördermenge insgesamt zu senken und damit den internationalen Ölpreis zu stabilisieren.

„Wenn der Preis unter 50 US-Dollar kursiert, müssen wir eine Verlängerung beantragen. Wenn er bei 55 US-Dollar liegt, dann gibt es keine Notwendigkeit“, sagte er.

„Das Wichtigste ist vorerst, keine weitere Entwicklung hin zu einem Ölpreis von 100 US-Dollar pro Barrel zuzulassen. Das wäre für die Industrie ein großes Problem. Wir wollen ein vorhersehbares Niveau von 55 bis 60 US-Dollar für die nächsten zehn Jahre haben. So halten wir sowohl Verbraucher als auch Produzenten glücklich“, fügte Alekperow optimistisch hinzu.

Im Dezember 2016 einigten sich die OPEC, Russland und andere große Produzenten darauf, die Ölförderung für sechs Monate ab dem ersten Januar dieses Jahr um 1,8 Millionen Barrel pro Tag zu drosseln, um den Markt zu stützen und die Preise bei mehr oder weniger 60 US-Dollar pro Barrel zu stabilisieren. Im Mai wurde der Vertrag um weitere neun Monate verlängert.

Alekperov ist der größte Aktionär von Lukoil und besitzt rund ein Viertel der Firma. Er gründete das Unternehmen aus staatlichen Ölvermögenswerten nach der Auflösung der Sowjetunion.