Großer Tag für Lufthansa: Fluggesellschaft übernimmt große Teile von Air Berlin

Großer Tag für Lufthansa: Fluggesellschaft übernimmt große Teile von Air Berlin
Fliegt bald unter einem anderen Firmenlogo: Große Teile der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin werden von der Lufthansa übernommen.
Die Lufthansa einigte sich mit Air Berlin auf die Übernahme großer Teile der insolventen Fluggesellschaft. Das teilte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Donnerstagmorgen mit. Demnach will sein Konzern 3.000 der 8.000 Beschäftigten sowie über 80 Flugzeuge von Air Berlin übernehmen.

Die Lufthansa übernimmt große Teile der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin. Beide Unternehmen unterzeichnen am Donnerstag einen entsprechenden Kaufvertrag, wie Lufthansa-Chef Carsten Spohr in Berlin ankündigte. Für 12.00 Uhr sei der Notartermin geplant. „In der Tat ist das heute ein großer Tag, den wir in ein paar Stunden mit der Unterschrift besiegeln“, sagte Spohr.

Air Berlin - die nach Lufthansa bisher zweitgrößte deutsche Fluglinie - hatte Mitte August Insolvenz angemeldet. Der Flugbetrieb seitdem war nur durch einen Kredit des Bundes über 150 Millionen Euro gesichert. Die Geschäftsführung hatte drei Wochen lang exklusiv mit dem deutschen Marktführer Lufthansa sowie mit dem britischen Billigflieger Easyjet über den Verkauf von Teilen des hoch verschuldeten Unternehmens verhandelt. Fraglich war zuletzt, ob auch eine Einigung mit Easyjet gelingt.

 Schokoherzen von Air Berlin, 25. September 2017

Zuvor hatte der Sachverwalter des Insolvenzverfahrens, Lucas Flöther, Gerüchte über eine Bevorteilung der Lufthansa bei den Verhandlungen verneint:

Gerüchte, die Politik habe auf die Auswahl der Investoren Einfluss genommen, sind völlig abwegig. Tatsächlich wären solche Versuche sinn- und folgenlos. So etwas würde es mit mir einfach nicht geben.

Keine steigenden Preise für Kunden

Lufthansa-Chef Spohr hatte der Rheinischen Post gesagt, sein Unternehmen werde von Air Berlin „voraussichtlich 81 Flugzeuge übernehmen, 3000 Mitarbeiter einstellen und dafür in Summe 1,5 Milliarden Euro investieren“. Air Berlin hatte mitgeteilt, die Fluggesellschaft sehe gute Chancen, dass etwa 80 Prozent der 8.000 Mitarbeiter bei anderen Unternehmen einen neuen Arbeitsplatz erhalten könnten. Aus Sicht Spohrs wird das Aus für Air Berlin und andere Anbieter die Ticketpreise nicht nach oben treiben:

Denn der Wettbewerb wird sich in Europa und auch weltweit verschärfen. Wir gehen von weiter sinkenden Preisen aus.

Im Konzern werde man sich mit der Tochter Eurowings selbst Konkurrenz machen. „Da wo es bisher nur Lufthansa und Air Berlin gab, wie beispielsweise zwischen München und Köln, kommen nun Eurowings-Flüge als Ersatz für Air Berlin hinzu.“

Air Berlin stellt Flugverkehr zum 28. Oktober ein

Spohr kündigte zugleich ein Angebot an, „um im Ausland gestrandeten Passagieren der Air Berlin die Heimreise zu einem fairen Preis anzubieten, sofern wir die Kapazitäten dafür haben“. Aus Lufthansa-Kreisen hieß es dazu, es sei schwer zu schätzen, um wie viele Passagiere es dabei gehe. Seit 25. September ist bekannt, dass Air Berlin alle Langstreckenflüge am 15. Oktober einstellt.

Generell wird Air Berlin voraussichtlich ab Ende Oktober nicht mehr unter eigener Flugnummer fliegen, wie es in einem Brief der Firmenleitung an die Mitarbeiter vom Montag hieß. Der insolventen Gesellschaft sei ein eigenwirtschaftlicher Verkehr unter dem Airline-Code AB „nach gegenwärtigem Erkenntnisstand spätestens ab dem 28. Oktober nicht mehr möglich“. Tickets für spätere Flüge verlieren ihre Gültigkeit. Der Flugverkehr der nicht insolventen Töchter Niki und LG Walter soll weitergeführt werden. (rt deutsch/dpa)

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