US-Kongress hielt geheime Sitzung über russisches Unternehmen Kaspersky Lab

US-Kongress hielt geheime Sitzung über russisches Unternehmen Kaspersky Lab
Am Dienstag fand nach Angaben des Nachrichtendienstes Bloomberg im US-Kongress ein geheimes Briefing über das russische Antiviren-Unternehmen Kaspersky Lab statt. Am Mittwoch sollte auch dessen Chef, Jewgeni Kaspersky, aussagen, doch wurde seine Einladung kurzfristig "auf unbestimmte Zeit" verschoben.

Jewgeni Kaspersky hatte zuvor mitgeteilt, er nehme die Einladung des US-Kongresses an, an der Anhörung am 27. September teilzunehmen und hoffe, die Gelegenheit nutzen zu können, um "öffentlich auf Anschuldigungen gegen das Unternehmen zu antworten".

Er sagte, er sei

dankbar und nehme die Einladung an, vor dem Ausschuss des US-Repräsentantenhauses für Wissenschaft, Weltraum und Technik auszusagen. Sollte ich im Eilverfahren ein Visum bekommen, hoffe ich, öffentlich Rede und Antwort zu den Vorwürfen gegen mein Unternehmen und dessen Produkte stehen zu können.

Später schrieb der Kaspersky-Chef jedoch per Twitter, dass die Anhörung ohne weitere Erklärung auf unbestimmte Zeit verschoben wurde.

Am heutigen Mittwoch wurde bekannt, dass am gestrigen Vorabend der Sitzung des US-Repräsentantenhauses für Wissenschaft, Raumfahrt und Technologie, eine geheime Besprechung über die Aktivitäten des russischen Unternehmens Kaspersky Lab stattfand, berichtet der US-amerikanische Nachrichtendienst Bloomberg unter Berufung auf eine ungenannte Quelle.

Der Chef des Unternehmens Kaspersky Lab, Jewgeni Kasperky, am 25. Juli 2013 in Tschechien.

Das Hauptthema der Diskussion war Washingtons Verbot für US-Behörden, die Software der russischen Firma zu verwenden. Nähere Informationen darüber, welche Themen genau besprochen wurden, sind noch nicht bekannt.

Russophobie des US-Kongresses wird nicht von deutschen Sicherheitsbehörden geteilt

Das zuvor vom Heimatschutzministerium ausgesprochene Verbot für US-Behörden, die russische Software zu nutzen, wurde auch in Deutschland weitestgehend als protektionistische Maßnahme an der Grenze zum Rechtsbruch verurteilt, zumal keine der geäußerten Anschuldigungen gegen das Unternehmen mit Beweisen untermauert werden konnte.

Auch der russische Dumaabgeordnete und Vorsitzende des Ausschusses für Informationspolitik, Leonid Lewin, verurteilte die Entscheidung der USA als eine

Etappe im Wirtschaftskrieg gegen russische Unternehmen.

Das Heimatschutzministerium hatte die amerikanischen Bundesbehörden wegen vermeintlicher Bedenken der IT-Sicherheit aufgefordert, die Nutzung von Kaspersky-Software binnen 90 Tagen zu beenden. 60 Tage hätten die Behörden Zeit, um Pläne zu entwickeln, wie die Benutzung der Programme gestoppt werden könne.

Das Unternehmen teilte öffentlich mit:

Kaspersky Lab hat niemals irgendeiner Regierung in der Welt bei Cyberspionage oder offensiven Cyberaktivitäten geholfen beziehungsweise wird niemals helfen.

Weiterhin wies Kaspersky darauf hin, dass die Unschuldsvermutung in diesem Fall umgedreht würde. Es sei

beunruhigend, dass ein privates Unternehmen aufgrund geopolitischer Fragen als schuldig angesehen werden kann, bis es seine Unschuld bewiesen hat.

Dennoch würde man weiter mit den US-Behörden und anderen Regierungen zusammenarbeiten, um zu zeigen, dass jegliche Verdächtigungen unbegründet seien.

Deutsches BSI würdigt wertvolle Arbeit von Kaspersky Labs

Die Unterstellung, Kaspersky könnte Verbindungen zum russischen Geheimdienst haben, begleitet das Unternehmen mittlerweile fast seine 20-jährige Geschichte hindurch. In der Biografie des Gründers Jewgeni Kaspersky war ein Abschnitt aufgetaucht, der zufolge dieser auch als Kryptografie-Experte beim sowjetischen Geheimdienst KGB tätig war.

Ein Blick auf die Biografien westlicher Technologiemanager zeigt, dass derartige Maßnahmen aufgrund eines Verdachts von Verbindungen zu Geheimdiensten bei konsequenter Umsetzung nur wenige IT-Produkte zur Nutzung übrig lassen dürften.

Mehr lesen: Five Eyes: Westliche Geheimdienste fordern mehr Budget, mehr Daten und weniger Verschlüsselung

Derweil hatte das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) die jahrelange gute und "vertrauensvolle Zusammenarbeit" mit Kaspersky Labs hervorgehoben. Die Behörde greife bei Lageberichten zur IT-Sicherheit auch auf Erkenntnisse des Unternehmens zurück und sehe keinerlei Anlass, anzunehmen, dass Kaspersky im Zusammenhang mit illegitimen Cyber-Aktivitäten stünde. Vielmehr habe das Unternehmen mehrmals wichtige Cyber-Spionage-Kampagnen als erstes veröffentlicht.