Platz für amerikanische LNG-Produkte: USA wollen deutsches Energieprojekt mit Russland verhindern

Platz für amerikanische LNG-Produkte: USA wollen deutsches Energieprojekt mit Russland verhindern
Washington beabsichtigt, den Bau der Nord Stream 2-Pipeline von Russland nach Deutschland zu stoppen. Außerdem wollen die USA verhindern, dass Moskau und Berlin auf diese Weise zu den wichtigsten Erdgaslieferanten Europas aufsteigen, warnte der russische Ministerpräsident Dimitri Medwedew am Donnerstag.

Die pragmatischste Position nehmen die Vereinigten Staaten ein, die dieses Projekt mit allen möglichen rechtlichen Entscheidungen, Instrumenten und Sanktionen begraben wollen. Sie haben einen eindeutigen Einfluss auf die Europäische Union“, bemerkte Medwedew bei einem Treffen mit dem finnischen Amtskollegen Juha Sipila.

Ein solch fraglicher Pragmatismus gegenüber Deutschland kann mit den Interessen des US-Kongresses erklärt werden, Lieferungen von US-amerikanischen Erdgas nach Europa zu erzwingen und dabei Russland zu verdrängen, sagte der russische Premierminister.

Finnland nimmt laut Medwedew hingegen eine „sehr konstruktive Haltung im Falle von Nord Stream 2 ein“. Die finnische Regierung betrachte es ausschließlich als kommerzielles Projekt.

Die Nord Stream 2-Pipeline wird die Förderkapazität der bestehenden Nord Stream-Pipeline von derzeit 55 Milliarden Kubikmetern Erdgas pro Jahr verdoppeln. Die Pipeline ist auf heftigen Widerstand seitens der baltischen Staaten und Polens gestoßen.

Um Moskau unter Druck zu setzen, führten die USA im vergangenen Monat neue Sanktionen gegen den russischen Banken- und Energiesektor ein. Washington ist daran interessiert, sein eigenes Gewicht am europäischen Erdgasmarkt durch die Lieferung von verflüssigtem Erdgas (LNG) zu erhöhen. Damit erhofft sich die US-Regierung eine Abkehr Europas von einer Energiekooperation mit Russland.

Im vergangenen Jahr erhöhten die USA ihre LNG-Lieferungen nach Europa. Sie machen jedoch nur sechs Prozent der gesamten europäischen LNG-Importe aus. Erdgaslieferungen über Pipelines werden bei dieser Rechnung nicht berücksichtigt. Laut dem Energieriesen Gazprom verzeichnete Russland im vergangenen Jahr einen Anteil von 34 Prozent am europäischen Erdgasmarkt.