„Sabotage des Internets“: Werbeindustrie attackiert neues Apple-Update mit Trackingschutz

„Sabotage des Internets“: Werbeindustrie attackiert neues Apple-Update mit Trackingschutz
Apple hat die neue Technik seines Browsers Safari verteidigt, die bestimmte Browser-Cookies automatisch blockiert.
Das neue iOS 11 für Smartphones und Tablets, sowie macOS High Sierra für Mac-Computer verhindern, dass Werbeanzeigen Safari-Nutzern folgen. Daran stören sich zahlreiche Werbefirmen. In einem offenen Brief werfen sie Apple vor, das Wirtschaftsmodell des Internets zu zerstören.

iOS 11, die neueste Version von Apples Betriebssystem für mobile Geräte, wird demnächst die Handys und Tablet-PCs der Benutzer erreichen. Es wird eine neue Standardfunktion für den Safari-Webbrowser mit der Bezeichnung "intelligente Tracking-Prävention" enthalten, die verhindert, dass bestimmte Websites Benutzer im Netz verfolgen und so die lästigen Anzeigen blockieren, die dem User im Netz andauernd und überall präsentiert werden.

Das Tracking Präventionssystem wird ab dem 25. September auch auf den Computern von Apple zu finden sein als Teil des High Sierra Updates auf macOS. Safari wird von 14,9 Prozent aller Internetnutzer genutzt, laut Angaben des Internetunternehmens StatCounter. Sechs große Werbegemeinschaften haben bereits einen offenen Brief an Apple geschrieben, in dem sie ihre "tiefe Besorgnis" über die Art und Weise zum Ausdruck brachten, wie die Änderung umgesetzt wird, und das Unternehmen aufforderten,

seinen Plan zu überdenken, um... das wertvolle Ökosystem der digitalen Werbung, das einen Großteil der heutigen digitalen Inhalte und Dienste finanziert, nicht zu stören.

Das Tracking von Nutzern im Internet ist für das Innenleben vieler Werbenetzwerke entscheidend geworden. Durch die Verwendung von Cookies, kleinen Textdateien, die auf einem Computer gespeichert werden, können die Werbefirmen ein detailliertes Bild der Surfgeschichte von Internetnutzern erstellen und diese verwenden, um Anzeigen genauer zu profilieren und auf die richtigen Personen auszurichten.

Mehr zu Thema:  Apple entfernt alle iranischen Programme aus App Store

Viele dieser Cookies, so genannte "Drittanbieter"-Cookies, weil sie nicht von der Website gesteuert werden, die sie lädt, können von den Browsern bereits blockiert werden. Aber Inserenten verwenden auch „First-Party"-Cookies, die von einer Website geladen werden, die der Benutzer besucht, aber während er sich im Netz bewegt, aktualisiert werden. Die Sperrung dieser Funktion hat Auswirkungen auf andere Aspekte der Internetnutzung. So unter anderem auf die Anmeldung mit Password bei Facebook und Twitter.

Nach Skandal um Facebook Werbung zu rassistischen Begriffen auch bei Twitter und Google entdeckt

Um dies zu vermeiden, verwendet die neue Safari-Funktion laut Apple ein "maschinelles Lernmodell", um herauszufinden, welche Erstanbieter-Cookies von den Nutzern gewünscht werden und welche von den Werbekunden platziert werden. Wenn letzteres der Fall ist, wird das Cookie nach einem Tag von der Nutzung durch Dritte blockiert und nach einem Monat vollständig vom Gerät gelöscht.

Dieser algorithmische Ansatz hat die sechs US-Werbebehörden, darunter das Interactive Advertising Bureau und die Association of National Advertisers, dazu veranlasst, an Apple zu schreiben. In ihrem von AdWeek veröffentlichten Brief argumentieren die Inserenten:

Die Infrastruktur des modernen Internets hängt von konsistenten und allgemein gültigen Standards für Cookies ab, so dass digitale Unternehmen innovativ sein können, um Inhalte, Dienste und Werbung zu erstellen, die für Benutzer personalisiert sind und ihre Besuche im Gedächtnis behalten. Apple Safari move bricht diese Standards und ersetzt sie durch amorphe Regeln, die das Nutzererlebnis beeinträchtigen und das ökonomische Modell für das Internet sabotieren.

Apple antwortete unverzüglich auf den Brief:

Die Technologie zur Anzeigenverfolgung ist mittlerweile so weit verbreitet, dass es möglich ist, den Großteil des Web-Surf-Verlaufs einer Person nachzuvollziehen. Diese Informationen werden ohne Erlaubnis gesammelt und für das Re-Targeting von Anzeigen verwendet, das heißt, für Anzeigen die den Menschen im Internet folgen. Apple meint, dass Nutzer ein Recht auf Privatsphäre haben – Safari war der erste Browser, der Cookies von Drittanbietern ab Werk blockiert. Intelligent Tracking Prevention ist eine fortschrittlichere Methode zum Schutz der Privatsphäre,

teilte das Unternehmen mit. Der neue Tracking-Schutz soll vor allem verhindern, dass moderne Tracking-Technologien der Werbeanbieter den nahezu vollständigen Browserverlauf eines Nutzers erfassen. Apple wirft den Werbetreibenden vor, diese Daten ohne Zustimmung der Nutzer zu sammeln. Der intelligente Tracking-Schutz erkenne und lösche vor allem Cookies, die eine seitenübergreifende Verfolgung von Nutzeraktivitäten ermöglichten.

Hillary Clinton in Vladivostok, Russland, 9. September 2012.

Apple hat schon in der Vergangenheit den Bedürfnissen der Werbekunden wenig Beachtung geschenkt. Im Jahr 2015 führte es das diesjährige Update für iOS mit einer Funktion ein, die es erstmals ermöglichte, mobile Werbeanzeigen auf der Plattform zu sperren. Dieser Schritt war der Beginn eines Wettrüstens, das große Medienunternehmen dazu veranlasste, ihre Abonnementmodelle verstärkt einzusetzen, und gab einen immer größeren Teil des digitalen Werbemarktes an Facebook und Google ab, zwei Unternehmen, deren Modelle gegenüber Werbeblockaden widerstandsfähiger sind als viele kleinere Anbieter.

Mehr zum Thema:  Apple stellt radikal erneuertes iPhone X vor

Google hat auch einen weiteren Schritt auf dem Markt für Adblocking vollzogen, indem es einen eingebauten Adblocker für seinen Chrome-Browser getestet hat, der laut StatCounter von 54,9% aller Internetnutzer verwendet wird. Das Feature, das voraussichtlich noch in diesem Jahr die endgültige Version des Browsers erreichen wird, blockiert das, was das Unternehmen "aufdringliche Anzeigen" nennt: automatische Wiedergabe von Video und Audio, Popovers, die Inhalte blockieren, oder Anzeigen, die den gesamten Bildschirm einnehmen. Es überrascht dabei nicht, dass Googles eigene Werbeprodukte nicht als störend empfunden werden.