Russland zahlt letzte Schuld aus Sowjetzeit ab - Bosnien erhält 125 Millionen US-Dollar

Russland zahlt letzte Schuld aus Sowjetzeit ab - Bosnien erhält 125 Millionen US-Dollar
Verlässlicher Schuldner, großzügiger Gläubiger - so zeigte sich die Russische Föderation im Umgang mit dem finanziellen Erbe der Sowjetunion.
Am Dienstag beglich Russland die letzte Verbindlichkeit der Sowjetunion von über 125 Millionen US-Dollar gegenüber der Republik Bosnien-Herzegowina. Während andere frühere Sowjetrepubliken die Haftung für Altschulden ablehnten, bezahlte Russland diese.

"Die Schulden in Höhe von 125,25 Millionen US-Dollar bei Bosnien-Herzegowina wurden im Einklang mit der Vereinbarung zwischen der Regierung der Russischen Föderation und dem Ministerrat von Bosnien-Herzegowina getilgt", erklärte das russische Finanzministerium am Dienstag.

Eine Tafel mit Wechselkursen neben der Statue von Prinz Yury Dolgoruky, dem Begründer Moskaus im Jahr 1147, Moskau, Russland, 1. Dezember 2014.

Die Schulden bei der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik gingen noch auf die Zeit der Sowjetunion zurück. Die Auslandsschulden der UdSSR wurden auf unterschiedlichste Weise akkumuliert. Die Verpflichtungen gegenüber westlichen Staaten beispielsweise entstanden nach 1983 an den Finanzmärkten. Die Verbindlichkeiten gegenüber dem ehemaligen Jugoslawien gehen vor allem aus den Handelsaktivitäten zwischen den jeweiligen Ländern hervor.

Warum Russland die Schulden aus Sowjetzeiten alleine abzahlt

Zunächst war in der Zeit der Auflösung der Sowjetunion angedacht, dass die Auslandsschulden der UdSSR anteilsmäßig von allen ehemaligen Sowjetrepubliken abbezahlt werden. Ein Dokument dafür sollte im Dezember 1991 unterzeichnet werden. Während Russland 61,34 Prozent der Schulden tragen sollte, wurde für die Ukraine eine Rückzahlungssumme von 16,37 Prozent errechnet. Auf Weißrussland wären demnach 4,13 Prozent zugekommen.

Andere ehemalige Sowjetstaaten wie Estland, Lettland, Litauen, Aserbaidschan, Moldawien, Turkmenistan und Usbekistan schlossen eine Beteiligung aus. Unter diesem Eindruck beschloss Russland 1994, alle Schulden im Austausch für russisches Eigentum in den ehemaligen Sowjetstaaten zu übernehmen.

Im Zuge der Krimkrise 2014 drohte Kiew damit, das gesamte russische Eigentum in der Ukraine zu verstaatlichen. Das russische Außenministerium reagierte und erinnerte daran, dass die Ukraine gegenüber Moskau Schulden in Höhe von 20 Milliarden US-Dollar aus der Sowjetzeit aufweise. Sollte diese Frage wieder auf die Tagesordnung gelangen, könne Moskau deren Rückzahlung verlangen.

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Noch 1994 beliefen sich die geerbten Schulden der Sowjetunion insgesamt auf fast 105 Milliarden US-Dollar. Der größte Gläubiger Russlands war der sogenannte Pariser Club mit über 47 Milliarden US-Dollar. Der Club setzt sich aus insgesamt 19 Gläubigern zusammen, die vor allem aus dem Westen kommen, darunter die USA und Großbritannien.

Russland begann unter der Präsidentschaft Wladimir Putins aktiv, seine internationalen Verbindlichkeiten zurückzuzahlen, was auch mit einem Anstieg der internationalen Ölpreise zusammenfiel und dem Land Zugang zu zusätzlichen Devisen bescherte.

Eines der letzten großen sowjetischen Schuldenpakete zahlte Moskau vergangenes Jahr an Kuwait zurück. Russland überwies damals 1,1 Milliarden US-Dollar und lieferte Hightech-Produkte im Wert von 620 Millionen US-Dollar.

Russland treibt Alt-Forderungen der Sowjetunion nicht ein

Gleichzeitig erließ Moskau den Entwicklungsländern einen großen Teil der Schulden, die diese bei der Sowjetunion angehäuft hatten. Bereits 2014 einigte sich Kuba mit der Russischen Föderation darauf, dass das sozialistische Land mehr als 30 Milliarden US-Dollar Schulden nicht begleichen muss.

Außerdem schrieb Russland Verbindlichkeiten des Iraks gegenüber Moskau ab, die sich auf 21,5 Milliarden US-Dollar belaufen, solche der Mongolei, die sich auf 11,1 Milliarden US-Dollar summieren, zudem noch Schuldtitel gegenüber Afghanistan und Nordkorea, die beide auf eine Summe von insgesamt zehn Milliarden US-Dollar lauten. Russland erließ verschiedenen afrikanischen Staaten außerdem eine Gesamtsumme von 20 Milliarden US-Dollar an Altschulden.

Zusammengefasst ließ Russland im Laufe des vergangenen Jahrzehnts anderen Staaten über 100 Milliarden US-Dollar nach, die diese dem russischen Finanzministerium geschuldet hatten.