Kampfansage an Moskau: USA beliefern Litauen mit Flüssiggas

Kampfansage an Moskau: USA beliefern Litauen mit Flüssiggas
Vor knapp drei Jahren wurde Litauens Flüssiggasterminal im Hafen von Klaipėda eröffnet. Erstmals traf am Montag eine Flüssiggaslieferung aus den USA ein.
Die USA bauen ihre Position auf dem europäischen Energiesektor weiter aus. Am Montag lieferten die Vereinigten Staaten mit Litauen erstmals Flüssiggas in eine ehemalige Sowjetrepublik. Bei dem Geschäft dürfte es sich in erster Linie um eine Kampfansage an Moskau handeln.

Als erste ehemalige Sowjetrepublik hat Litauen am Montag eine Flüssiggaslieferung aus den USA erhalten. Ein entsprechendes Terminal zum Import des auf dem Schiffsweg gelieferten Energieträgers hatte Litauen im Jahr 2014 errichtet. Seitdem bezog es bereits Flüssiggas aus Norwegen. Im September soll in Litauen ein weiteres Schiff mit Flüssiggas aus den USA im Hafen von Klaipėda ankommen

Obwohl dieses als deutlich teurere Alternative zu russischem Erdgas gilt, das über Pipelines transportiert wird, erklärte Litauens Energieminister Žygimantas Vaičiūnas, der Bezug von Flüssiggas aus den USA rechne sich auch wirtschaftlich. 

„Wir sind froh darüber, einen Punkt erreicht zu haben, bei dem der Import von Gas aus den USA nicht nur politisch wünschenswert, sondern auch wirtschaftlich machbar ist“, zitiert die Financial Times den litauischen Minister. Vaičiūnas nannte diesbezüglich jedoch keine Details.

Agnia Grigas sieht in dem Geschäft in erster Linie ein politisches Signal gegenüber Moskau. Die Mitarbeiterin des für seine anti-russischen Positionen berüchtigten Atlantic Council ist Verfasserin des Buches „The New Geopolitics of Natural Gas“. Darin spricht sie von einer Revolution auf dem Energiesektor, ausgelöst durch den Schiefergas-Boom in den USA. Dank diesem seien die Vereinigten Staaten zu einer Energie-Supermacht aufgestiegen, die durch den Export von Flüssiggas den Einfluss des russischen Energiekonzerns Gazprom zurückdrängen werde. Gegenüber der Financial Times sagte Grigas:

Die Lieferung von US-Flüssiggas ist ein historisches Symbol, da Russland Litauen als seinen Hinterhof und als traditionellen Monopol-Markt von Gazprom betrachtet. Es ist auch ein Signal der US-Flüssiggasindustrie, dass sie in jede Region gehen und Gazprom herausfordern können, während Litauen hofft, die wirtschaftlichen Beziehungen zu den USA zu vertiefen und sich dadurch Washingtons weitere Unterstützung zu sichern. 

Um ihre eigenen Marktanteile zu erhöhen und die russische Konkurrenz auszustechen, hatten die USA jüngst Sanktionen verhängt, die erhebliche Folgen für den europäischen Energiesektor haben könnten. Die Maßnahmen richten sich insbesondere gegen die auch von Litauen abgelehnte Pipeline Nordstream 2, die russisches Erdgas nach Mitteleuropa transportieren soll. Die Sanktionen der USA können sich auch gegen nicht-russische Firmen richten, die an dem Projekt beteiligt sind.

Mehr zum Thema:  USA gegen Nordstream: Der Wirtschaftskrieg um Gaslieferungen in Europa beginnt