Duell der Giganten: USA verschärft Rhetorik im Handelsstreit mit China

Duell der Giganten: USA verschärft Rhetorik im Handelsstreit mit China
US-Handelsminister Wilbur Ross hat der Volksrepublik intellektuellen Diebstahl vorgeworfen. Dadurch würden US-Firmen jährlich bis zu 600 Milliarden US-Dollar verlieren. Er versprach Maßnahmen, um die Wirtschaft seines Landes zu verteidigen.

Das Patentsystem hat Treibstoff ins Feuer des Schöpfergeistes gegossen.

Dieses Zitat steht über dem Eingang des US-Patentamtes in Alexandria, Virginia. Wilbur Ross, der Handelsminister der Vereinigten Staaten, führte es in einem Beitrag an, den die Financial Times am Montag veröffentlicht hat. Darin schildert er seine Sicht auf den drohenden Handelsstreit zwischen den USA und China.

Passt das noch zusammen? US-Präsident Donald Trump will die Handelsbeziehungen zu China auf den Prüfstand stellen.

Die Volksrepublik bedrohe den "[US-]amerikanischen Schöpfergeist", klagt Ross darin. Chinesische Firmen würden gezielt Technologien von US-Unternehmen stehlen, so Ross. Er schätzt den dadurch entstehenden jährlichen Verlust der US-Wirtschaft auf bis zu 600 Milliarden US-Dollar.

Chinesen kaufen innovative Start-Ups auf

Chinas Anspruch, eine eigene Hochtechnologieindustrie aufzubauen, bedrohe die US-Vorherrschaft auf diesem Gebiet. Eine Taktik Pekings sei es dabei, gezielt junge, innovative Start-Up-Unternehmen aufzukaufen und sich deren Technologien anzueignen.

Ross versprach, das, wie er es nennt, intellektuelle Eigentum der US-Wirtschaft zu schützen. Die Vereinigten Staaten seien das innovativste Land der Welt und US-Präsident Donald Trump würde sicherstellen, dass dies so bleibe.

China würde mögliche Sanktionen erwidern

Als erste Maßnahme in diesem Zusammenhang hat Trump beschlossen, eine offizielle Untersuchung der chinesischen Handelspraktiken durchzuführen. Schon im Wahlkampf hatte er mit Maßnahmen gegen angeblich unfaire Handelspraktiken des ostasiatischen Staates gedroht.

China erklärte, Gegenmaßnahmen einführen zu wollen, sollten die USA Sanktionen beschließen.

Während die US-Regierung in Handelsfragen eine härtere Linie gegenüber Peking fährt, stieg die Volksrepublik erneut zum größten Gläubiger Washingtons auf. Etwa 1.150 Milliarden US-Dollar schuldet die US-Regierung der Volksrepublik. Das sind fast eine Billion Euro. Der zweitgrößte Gläubiger der USA ist Japan.

Im vergangenen Jahr exportierten zudem chinesische Unternehmen Waren im Wert von 347 Milliarden US-Dollar mehr in die Vereinigten Staaten als US-Firmen nach China. Der Warenhandel zwischen beiden Ländern beläuft sich auf insgesamt 578 Milliarden US-Dollar.

China und den Europäern - und hier vor allem Deutschland - wirft Trump vor, sich mit unfairen Mitteln Überschüsse im Handel zu verschaffen. Unter Hinweis etwa auf den Absatz deutscher Autos in den USA und die weit geringeren Verkaufzahlen für amerikanische Fahrzeuge in Deutschland kündigte er Gegenmaßnahmen an.

Die USA behaupten, dass sie im Vergleich zu anderen Ländern geringere Hürden für Einfuhren hätten. Sie fordern faire Spielregeln, übersehen aber auch, dass die EU für alle Mitgliedsländer Handelsabkommen abschließt. Die USA importieren seit Jahren viel mehr, als sie exportieren - Tendenz steigend. Um dies zu finanzieren, ist die größte Volkswirtschaft auf einen riesigen Zustrom von ausländischem Geld angewiesen. Im Jahr 2016 war das Handelsdefizit der USA auf 481 Milliarden Dollar gestiegen. (rt deutsch/dpa)