Uniper-Chef nach US-Sanktionen: Deutschland muss sich gegen amerikanisches Gas wehren

Uniper-Chef nach US-Sanktionen: Deutschland muss sich gegen amerikanisches Gas wehren
Eine Broschüre Unipers während einer Teilhaberkonferenz in Essen, Deutschland, 8. Juni 2016.
Uniper-Chef Klaus Schäfer rät Berlin, sich von US-Gas unabhängig zu machen. Hinter den Sanktionen sieht er lediglich wirtschaftliche Interessen der USA. Uniper ist Mitfinanzierer der Erdgas-Pipeline Nordstream 2. Diese sichert der EU Energie aus Russland.

Während einer Telefonkonferenz sagte der Chef des Energiekonzerns Uniper, Klaus Schäfer, zu den Hintergründen der Sanktionen: 

[Es sind] strategische Wirtschaftsinteressen - die angestrebte Dominanz der USA im globalen Energiemarkt.

Uniper ist direkt von den neuen Sanktionen betroffen, welche die Amerikaner mit deutlichen Mehrheiten im US-Kongress verabschiedet hatten. Nord Stream 2 sichere den Europäern die Energieversorgung, so Schäfer.

Uniper will zehn Prozent der Kosten tragen

Im amerikanischen Flüssiggas sieht er keine Alternative. Schäfers Aufgabe sei es nun, seine Firma vor Schäden durch Sanktionen zu bewahren. Seine Firma hatte angekündigt, mit 950 Millionen Euro zehn Prozent der Pipeline-Kosten übernehmen zu wollen. Insgesamt soll Nord Stream 2 das Betreiberkonsortium 9,5 Milliarden Euro kosten und ab 2019 russisches Gas durch die Ostsee nach Westeuropa transportieren. 

Zu den anderen europäischen Energieunternehmen, die in die Pipeline investiert haben, zählen die französische Firma ENGIE, OMV aus Österreich, Shell aus den Niederlanden und Wintershall aus Deutschland. Das US-amerikanische Flüssiggas koste 50 Prozent mehr im Vergleich zu den europäischen Referenzpreisen und sei keine Alternative, so Schäfer.   

Als zukunftsweisend sieht Schäfer die Umwandlung von Gas durch ein Elektrolyse-Verfahren, das es erlaube, aus erneuerbaren Energien Strom zu produzieren. Tests hierzu habe die Firma bereits durchgeführt. Nur mittels einer solchen Technologie lasse sich eine Speicherung des Stroms aus erneuerbaren Energien gewährleisten.

Juncker will auf Kooperation der Amerikaner vertrauen

Aus den Gesetzesmaterialien zu den neuen US-Sanktionen war herauszulesen: 

[Die geplante Gasleitung habe] schädliche Auswirkungen auf die Energiesicherheit der EU, die Entwicklung des Gasmarktes in Zentral- und Osteuropa und auf die Energiereformen in der Ukraine.

Der EU-Komissionspräsident Jean-Claude Juncker hatte Gegenmaßnahmen zu den Sanktionen angekündigt, sollten diese die Interessen der EU schädigen. Nach der Unterzeichnung des Gesetzes durch Präsident Donald Trump sagte Juncker, dass er auf das Wort der Amerikaner setze, die angekündigt hatten, die Durchführung der Sanktionen mit den Verbündeten abzustimmen. 

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