Debatte um Verbrennungsmotor: Auch Großbritannien will Diesel- und Benzinfahrzeuge künftig verbieten

Debatte um Verbrennungsmotor: Auch Großbritannien will Diesel- und Benzinfahrzeuge künftig verbieten
Skulptur eines Londoner Taxistandes bei Coventry.
Immer mehr Länder in Europa wollen künftig auf Verbrennungsmotoren verzichten. Nun beschloss auch Großbritannien einen schrittweisen Ausstieg. In Deutschland hält sich die Begeisterung für ausstoßfreie Motortechnik allerdings bislang in Grenzen.

Die Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren verursachten Gesundheitsprobleme und schadeten dem Klima, sagte Umweltminister Michael Gove am Mittwoch in London. Nach Angaben von Gove sollen Diesel- und Benzinfahrzeuge bis 2040 ganz von den britischen Straßen verschwinden.

Neue Gebühren werden bei Diesel-Fahrzeugen auf stark verstopften Straßen ab 2020 erhoben. Zum Klimaschutz sollten auch Hybrid-Autos, die sowohl über einen Elektro- als auch über einen Benzin- oder Dieselmotor verfügen, nicht mehr zugelassen werden, berichtete die "Times". Auf britischen Straßen seien dann nur noch Elekroautos erlaubt.

Symbolbild.

Die Briten handeln nach französischem Vorbild. Die französische Regierung will mit ihrem Verkaufsstopp für Verbrennungsmotoren vor allem gegen die Erderwärmung kämpfen: Nach der Abkehr der USA vom Pariser Klimaabkommen will Frankreich seine Ziele verschärfen und bis 2050 CO2-neutral werden.

Die Bundesregierung lehnt einen angeordneten Ausstieg ab. Wirtschaftsforscher vom Münchner Ifo-Institut warnen davor, Autos mit Verbrennungsmotor zu verbieten, schreibt Spiegel. Die Ökonomen ermittelten rund 600.000 Arbeitsplätze allein in Deutschland, die nach heutigem Stand direkt oder indirekt von einem Aus für Verbrennungsmotoren betroffen würden.

Ein Verbot von Diesel-Fahrzeugen oder Benzinern steht derzeit nicht auf der Agenda der Bundesregierung, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer in Berlin.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe häufig davor gewarnt, den Diesel zu verteufeln, da er wegen seines geringeren CO2-Ausstoßes klimafreundlicher sei als Benzinmotoren. Die Bundesregierung suche nach Alternativen und fördere daher Antriebe wie die Elektromobilität.

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Der für Verbrennungsmotoren negative Trend macht sich bereits bei der Kauflaune bemerkbar. Nach Einschätzung von Experten wird die Nachfrage nach Verbrennungsmotoren mit Diesel und Benzin unter dem Druck schärferer Klimavorschriften im kommenden Jahrzehnt sinken. Angesichts der noch hohen Kosten in der Anschaffung und der vergleichsweise geringeren Reichweite machen Elektroautos aber nach wie vor nur einen Bruchteil an den Autoverkäufen aus.

Die Stimmen aus den zuständigen Ministerien in Deutschland sind gegensätzlich. Ein Sprecher des Verkehrsministeriums hält eine Festlegung für "relativ fantasielos": Das Klima habe nichts davon, wenn Autos mit Strom unterwegs seien, der etwa mit Braunkohle produziert werde. Das Umweltministerium dagegen begrüßte den Schritt der Briten: Vor dem Hintergrund eigener Klimaschutz-Ziele halte man "jede internationale Anstrengung in diese Richtung für richtig."

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Die Grünen sehen sich angesichts der britischen Pläne in ihrem Ziel bestätigt, in Deutschland ab 2030 nur noch abgasfreie Autos neu zuzulassen - damit stehen sie unter den Parteien bislang alleine da.

Während andere Länder wie Großbritannien aus dem fossilen Verbrennungsmotor aussteigen, versuchen CDU/CSU und SPD einen Schutzzaun um eine veraltete Technologie zu ziehen und so die Hersteller vom Innovationsdruck abzuschirmen», kritisierte Grünen-Chef Cem Özdemir.

Immer mehr Länder setzen mittlerweile auf emissionsfreie Neufahrzeuge, etwa Norwegen ab 2025. Indien will ab 2030 nur Elektroautos neu zulassen. Die japanische Hauptstadt Tokio ging schon zur Jahrtausendwende voran und verbannte grundsätzlich alle "dreckigen" Diesel-Nutzfahrzeuge. Manche Länder setzen auf ganz andere Lösungen: In Chinas Hauptstadt Peking werden Kennzeichen für Neuzulassungen verlost. Nur wer ein Elektroauto kauft, braucht an dem Losverfahren nicht teilzunehmen.

(dpa/rt deutsch)

 

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