USA: Visa zahlt Prämien an Restaurants, die auf Bargeldverkehr verzichten

USA: Visa zahlt Prämien an Restaurants, die auf Bargeldverkehr verzichten
Nach dem Willen des Kreditkartenunternehmens Visa soll Bargeld künftig keinen Platz mehr in einer Geldbörse einnehmen.
Kreditkartenriese Visa will Restaurantbetreiber in den USA mittels Prämien dazu animieren, künftig kein Bargeld mehr entgegenzunehmen. Ein weiterer Schritt hin zu einer bargeldlosen Welt, die in Europa hingegen auf große Vorbehalte in der Bevölkerung stößt.

Das Kreditkartenunternehmen Visa verkündete am Mittwoch seine "Cashless Challenge", mittels derer es bargeldlose Finanztransaktionen vorantreiben will. Mit dem Ziel, eine "Kultur zu schaffen, in der Bargeld nicht länger regiert", will das Unternehmen Restaurants, Imbisse, Cafés und Food Trucks mit Prämien belohnen, wenn diese sich der Initiative anschließen und künftig kein Bargeld mehr von ihren Kunden entgegennehmen.

Insgesamt 500.000 US-Dollar – aufgeteilt auf 50 Restaurant-Betreiber - winken all jenen Teilnehmern, die sich verpflichten, zu 100 Prozent auf Bargeld zu verzichten. "Für Visa bedeutet eine bargeldlose Kultur Komfort, Sicherheit und leichte Bedienbarkeit. Das bedeutet Freiheit für den Verbraucher und den Händler", erklärte Visa-Mitarbeiter Jack Forestall. 

Künftig nur noch für kleine Geschäfte erlaubt? Das Bargeld soll zurückgedrängt werden

Mit 70 Prozent der Weltbevölkerung, also mehr als fünf Milliarden Menschen, die im Jahr 2020 über Mobiltelefone verfügen werden, ergibt sich eine unglaubliche Gelegenheit, Händler und Verbraucher über die Effektivität bargeldlosen Verkehrs aufzuklären.

Visa verweist in diesem Zusammenhang auf eine firmeninterne Studie, der zufolge in den USA über 300 Milliarden US-Dollar eingespart werden könnten, wenn Händler all ihre Geschäfte ohne den Wechsel von Scheinen und Münzen vollziehen würden. Alleine New York City könnte so 186 Millionen Arbeitsstunden einsparen, was einer Kostenreduktion von fünf Milliarden US-Dollar entspräche.

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"Mit Restaurants hat sich Visa eine auf den ersten Blick problematische Zielgruppe ausgesucht", kommentiert der Finanzexperte Norbert Häring die Initiative des Finanzunternehmens. Diese könnten in den USA die Annahme von Bargeld nur schwer verweigern, da Dollar-Münzen und Banknoten als gesetzliches Zahlungsmittel gelten.

Das Finanzministerium stellt sich zwar auf den Standpunkt, dass man mit baren Dollars jede Schuld begleichen kann, dass das Gesetz aber nicht für den Verkauf von Gütern und Dienstleistungen gelte. Wenn man allerdings die Leistung schon empfangen hat, wie im Restaurant, bevor man bezahlen soll, dann begleicht man eine Schuld, und das muss man mit Bargeld tun können.

Entsprechend müssten Restaurants von ihren Gästen die Zahlung per Kreditkarte verlangen, bevor sie ihr Essen serviert bekommen. Diese Unsitte scheine in den USA jedoch bereits einzureißen, so Häring. "Vielleicht ist die auf den ersten Blick ungünstige Wahl der Zielgruppe also Absicht. Vielleicht will Visa diesen beginnenden Trend noch verstärken, damit wirklich jeder eine Kreditkarte haben muss, nicht nur, um ein Hotelzimmer zu bekommen, sondern auch um etwas zu Essen und Trinken zu bekommen."

Ein Demonstrant hält ein Banner gegen die vom oppositionellen Nationalkongress kritisierte Abschaffung der 500 und 1000 Rupee-Scheine, Mumbai am 28. November 2016.

Europa: Große Mehrheit gegen Bargeld-Abschaffung

Die Visa-Challenge ist nur ein weiter Schritt hin zu einer bargeldlosen Welt. Jüngst hatte Indiens Regierung alle 500- und 1.000-Rupien-Scheine abschaffen lassen und so praktisch über Nacht 85 Prozent der zirkulierenden Barbeträge für wertlos erklärt – und damit ein beträchtliches Chaos ausgelöst. Gegenüber RT erklärte der indische Premierminister Narendra Modi: "Wir wollen ein Land ohne Bargeld."

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Auch innerhalb der EU stehen die Zeichen Richtung digitale Finanztransaktionen – Stichwort: Bargeldobergrenze. Der Anfang ist mir der beschlossenen Abschaffung des 500-Euro-Scheins schon gemacht. Doch Verhältnisse wie in Indien dürfte es hierzulande sobald nicht geben. Im April stellte sich Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries gemeinsam mit ihrem Wissenschaftlichen Beirat klar gegen die Anti-Bargeld-Agenda. Dabei kann sie auf großen Zuspruch innerhalb der Bevölkerung zählen. Laut einer vor zwei Monaten veröffentlichten Studie lehnen 84 Prozent der Deutschen eine Abschaffung des Bargeldverkehrs ab. Im europäischen Durchschnitt liegt die ablehnende Haltung bei immerhin noch 76 Prozent.

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