Kühe für die Wüste: Deutsche Rinder reisen nach Katar

Kühe für die Wüste: Deutsche Rinder reisen nach Katar
Deutsche Holstein-Kühe in der Nähe von Doha, Katar, 16. Juni 2017.
In Katar wurden die ersten von insgesamt 4.000 Kühen eingeflogen. Das Emirat will damit seine eigene Milchproduktion ausbauen, um die von Saudi-Arabien verhängten Sanktionen zu umgehen. Auch Ungarn lieferte 165 Holstein-Kühe nach Katar.

Die Firma Baladna erklärte, dass sie Katar mit Milchkühen unterstützt. Das Unternehmen veröffentlichte ein Video, welches zeigt, wie die Tiere auf Lastwagen vom Flughafen in Doha zu einer Farm transportiert wurden. Katar reagiert auf die Blockade, welche die drei Nachbarländer Saudi-Arabien, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate sowie Ägypten Anfang Juni über das Emirat verhängt hatten.

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Der größte Anteil der Milchprodukte kam bis dahin aus Saudi-Arabien. Sie werden derzeit mit Waren aus der Türkei ersetzt. Baladna will seit mehreren Wochen auf einer Farm in der Wüste klimatisierte Kuhställe aufbauen. Die Tiere werden nach Angaben des Sprechers von Baladna auch aus den USA geliefert. Der Vize-Präsident von Baladna, Ramis Al Chajat, hatte bereits im Juni erklärt, man wolle sich innerhalb von neun Monaten selbst mit Molkereiprodukten versorgen.

Drei Golfstaaten haben Anfang Juni die Grenzen zu Katar geschlossen. Die Blockade setzt die Wirtschaft des Landes unter Druck. Jetzt treibt das Emirat die Produktion eigener Produkte voran. Unter anderem mit Kühen aus Deutschland. Ein Flugzeug mit 165 Kühen kam am Dienstagabend aus Budapest nach Katar, doch eigentlich stammt die Fracht aus Deutschland.

Das Emirat verfolgt vor allem ein Ziel: Es will in der Krise am Golf seinen Kontrahenten trotzen. In nur wenigen Monaten soll eine Milchproduktion mitten in der Wüste mit 4.000 schwarz-weißen Holstein-Kühen entstehen. Ende Juni, kurz nach Beginn der Arbeiten, stand Baladnas-Vizepräsident dort und beobachtete, wie sieben Bagger den harten Boden aufmeißeln. Bereits jetzt hält das Unternehmen mehr als 20.000 Schafe und Ziegen eine gepflegte Anlage.

„Wir arbeiten sieben Tage die Woche“, sagt Al Chajat. Seine Worte klingen fast trotzig, doch solche Reaktionen sind immer wieder zu hören. Die Blockade setzt Katars Wirtschaft unter Druck. Der Konzern Al-Marai versorgte die Supermärkte mit Milch, Joghurt und Käse. Das Logo der Firma ist zwar immer noch als Werbung in Kühlregalen zu sehen, doch seit Saudi-Arabien jeden Export nach Katar untersagt, haben erstmal türkische Milchprodukte die Lücken geschlossen.

Al Chajat geht davon aus, dass es nur eine vorübergehende Lösung bleiben soll. „In neun Monaten“, prophezeit der Geschäftsmann, „kann sich Katar autark versorgen.“ Schon jetzt werben Händler in Doha für die Waren: „Ja zu katarischen Produkten“, steht an Eingangstüren vieler Geschäfte. Das Emirat gilt als reichstes Land auf der Erde. Das größte Gasfeld der Welt vor der Küste, welches sich der Katar mit dem Iran teilt, beschert den Einheimischen ein Durchschnittseinkommen von fast 130.000 US-Dollar im Jahr.

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Das Land bezieht sein Einkommen vor allem aus Flüssiggas (LNG). Denn Katar ist gerade mal halb so groß wie Hessen. Es liefert rund zwei Drittel seines Flüssiggases mit Tankern nach Asien. Das Land war schon wegen des niedrigen Gaspreises in den vergangenen Jahren gezwungen, einige ambitionierte Infrastruktur-Projekte zurückzufahren. Eins ist klar, Katar ist vom Ausland abhängig.

Nicht nur wegen der zwei Millionen Arbeiter und Angestellten, welche aus der ganzen Welt kommen, und die dort neben den rund 300.000 Einheimischen ihr Geld verdienen. Die Handelsketten der Region laufen über die benachbarten Länder, was Katars Import und Export in der Krise deutlich beeinflusst. Ramis Al Chajat will Baladnas Milchprodukte zukünftig auch exportieren. Die Saudis, hätten bis zur Blockade den Markt mit billigen Produkten überschwemmt: „Aber was sie verloren haben, werden sie nicht wieder zurückgewinnen.“ (dpa / rt deutsch)

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