Geopolitik: Katar bedroht US-Plan für weltweite Energie-Dominanz - Gabriel: "Krise vorerst gebannt"

Geopolitik: Katar bedroht US-Plan für weltweite Energie-Dominanz - Gabriel: "Krise vorerst gebannt"
Katars Außenminister Sheikh Mohammed bin Abdulrahman al-Thani bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Sigmar Gabriel in Doha, 4. Juli 2017.
Katar, der weltgrößte Exporteur von Flüssiggas, kündigte an, die eigene Produktion in den kommenden Jahren um 30 Prozent zu steigern. Die angekündigte LNG-Flut ist eine direkte Reaktion auf Bemühungen der US-Fracking-Firmen, ihre Erdgas-Exporte zu erhöhen.

Die staatliche Qatar Petroleum kündigte am Mittwoch an, ihre Erdgasproduktion in den kommenden Jahren deutlich zu erhöhen. Die katarischen Pläne fallen zusammen mit dem Auslaufen des Ultimatums durch den engsten US-Verbündeten in der Golfregion, Saudi-Arabien. Eine Allianz um die wahhabitische Monarchie blockiert seit Anfang Juni den kleinen Nachbarn am Golf. Saudi-Arabien, Ägypten und andere Länder verlangen von dem kleinen Scheichtum, dass es seine Souveränität aufgibt.

Der US-amerikanische Außenminister Rex Tillerson hatte am Montag verkündet, dass Katar seine Probleme mit den Nachbarn allein lösen müsse. Die Ankündigung Dohas, die Förderung von Erdgas massiv auszuweiten, betrifft weltweit eine Reihe von Erdgas-Förderern direkt. Unter ihnen vor allem die USA, deren Präsident Donald Trump letzte Woche angekündigt hatte, sein Land wolle Katar als wichtigsten Exporteur von verflüssigtem Erdgas ablösen. Heute führt Donald Trump in Polen Gespräche, um amerikanisches Flüssiggas in Europa zu verkaufen.

US-Präsident Donald Trump tritt auf der

Die amerikanische Fracking-Industrie zog ihre Förderung von Öl und Gas im letzten Halbjahr wieder massiv an, seitdem sich der Preis für ein Barrel Rohöl bei um die 50 Dollar einpendelte. Sollten die Gaspreise massiv fallen, würde dies ein deutliches Hindernis für die Pläne der US-amerikanischen Fracker darstellen. Das katarische Staatsunternehmen kündigte nun an, dass es den Umfang eines geplanten Offshore-Projekts verdoppeln wird. 

Überversorgung des Weltmarktes ab 2020

Zusammen mit dem Iran teilt sich Katar das Pars-Erdgasfeld im Persischen Golf. Auch der Iran kündigte an, dass man gemeinsam mit dem französischen Unternehmen Total die Erdgasförderung im Pars-Feld massiv ausweiten werde. Die Trump-Regierung und der amerikanische Senat verabschiedeten letzte Woche ein neues Gesetz, das europäische Energie-Unternehmen daran hindern soll, mit iranischen und russischen Unternehmen zusammenzuarbeiten. Dies richtet sich ausdrücklich gegen die russisch-deutsche Nordstream-Pipeline wie auch Energie-Geschäfte mit dem Iran.

Wenn die aktuelle Planung umgesetzt wird, würde alleine Katar seinen Gesamtausstoß an exportfähigem LNG von 77 Millionen Tonnen pro Jahr auf 100 Millionen Tonnen jährlich steigern. Zusätzliche Mengen an Erdgas und LNG könnten aus dem Iran und Russland kommen. Experten sagen für den Zeitraum ab dem Jahr 2020 bereits eine Überversorgung des Weltmarktes voraus. Diese hätte notwendigerweise einen massiven Einbruch bei den Gaspreisen zur Folge, mit entsprechenden Konsequenzen für die Rentabilität technisch aufwendiger Projekte, etwa im Bereich der Fracking-Förderung.

Donald Trump und sein Energieminister Rick Perry im Gespräch während der Veranstaltung

Katar ist bisher der unumstrittene Weltmarktführer bei LNG. Die geplante 30-prozentige Steigerung der Produktion in den nächsten fünf bis sieben Jahren könnte dazu beitragen, dass sich diese Position auf dem Markt festigt. Dass das kleine Scheichtum gegenüber Saudi-Arabien eine relativ unabhängige Außenpolitik verfolgt, liegt auch an seiner wirtschaftlichen Unabhängigkeit. 

Gabriel hielt militärische Eskalation für denkbar

Der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel besuchte in den vergangenen Tagen die Konfliktparteien. Am heutigen Donnerstag erklärte der Bundesaußenminister, die Krise sei "vorerst etwas entschärft". Er habe den Eindruck gehabt, dass es tatsächlich am Anfang die reale Gefahr einer militärischen Eskalation gegeben habe, sagte Gabriel. Diese Gefahr sei aber vorerst gebannt. 

Man sei "einen wesentlichen Schritt weiter", aber gelöst sei die Krise nicht. Sigmar Gabriel und sein Vorgänger Frank-Walter Steinmeier hatten sich im Jahr 2015 bereits erfolgreich dafür eingesetzt, dass die USA die Sanktionen gegen den Iran beenden. In den vergangenen Wochen hatte Gabriel auch die geplanten neuen US-Sanktionen gegen europäische Unternehmen, Russland und den Iran mit scharfen Worten kritisiert. 

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