Novum in den USA: Alle großen Banken bestehen Stresstest

Novum in den USA: Alle großen Banken bestehen Stresstest
Den Stresstest der Federal Reserve haben erstmals alle großen Banken in den USA bestanden. Die Finanzwirtschaft atmet damit auf, die gesamtwirtschaftliche Entwicklung schwächelt jedoch immer noch.
Erstmals haben alle großen Geldhäuser in den USA den jährlichen Stresstest bestanden, den die US-Notenbank nach der Finanzkrise eingeführt hat. Aktionäre können nun mit der größten Gewinnausschüttung der letzten zehn Jahre rechnen.

Erstmals haben alle großen Banken in den USA den jährlichen Stresstest der US-Notenbank bestanden. Die Kapitalpläne der 34 geprüften Finanzinstitute seien genehmigt worden, teilte die Federal Reserve in Washington mit. Für die Banken geht es bei diesen Belastungsproben um Milliarden.

Angesichts des positiven Ergebnisses können deren Anteilseigner nun jedoch mit der größten Dividendenausschüttung des letzten Jahrzehnts rechnen. Die Bank of America kündigte an, ihre nächste Ausschüttung um 60 Prozent zu erhöhen.

Es ist das erste Mal seit Einführung der Tests im Jahr 2011, das alle Institute die Prüfer bereits im ersten Anlauf überzeugen konnten. Auch bei der Deutschen Bank, die mit ihrer US-Tochter in beiden Vorjahren durchgefallen war, gab es diesmal keine Probleme. Selbst der US-Ableger der spanischen Santander-Bank, der in den letzten drei Jahren den Test nicht bestanden hatte, meisterte diesmal die Hürde auf Anhieb.

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Trump will Einfluss der Notenbank beschränken

Die erste Runde der Stresstests hatten die größten US-Geldhäuser bereits in der Vorwoche gemeistert. Die Fed war zu dem Schluss gekommen, dass die Bilanzen der Banken selbst einem extremen Krisenszenario standhalten dürften. Beim zweiten, breiter angelegten Teil der im Zuge der letzten großen Finanzkrise eingeführten Belastungsproben stehen neben den Kapitalpolstern der Banken auch umfassendere Faktoren wie etwa Risikomanagement und interne Kontrollen im Fokus.

Lediglich bei einem von dreizehn in der zweiten Runde geprüften Instituten, dem US-Geldhaus Capital One, hatte die Fed diesmal Bedenken. Obwohl die Kapitalpläne nicht abgelehnt wurden, soll die Bank sie wegen einiger Schwächen nun bis Jahresende überarbeiten.

Das ThyssenKrupp-Stahlwerk in Duisburg: Unter den von der US-Regierung erwogenen Maßnahmen zur Begrenzung der Stahlimporte würde auch die deutsche Stahlindustrie leiden.

Präsident Donald Trump hatte angekündigt, die unter seinem Amtsvorgänger eingeführten Regulierungen des Finanzsektors wieder zurückzufahren. Auf den Stresstest hat die Regierung jedoch keinen direkten Einfluss, auch wenn mit Jerome H. Powell erstmals ein Republikaner für die Notenbank die Bankenüberprüfung beaufsichtigte. Wie auch das US-Finanzministerium will Powell die Testbedingungen künftig lockern. So sollen die Überprüfungen nur noch alle zwei Jahre statt in einem jährlichen Turnus erfolgen, auch soll die Anzahl der zu prüfenden Geldhäuser reduziert werden.

"Ich betrachte das ein Stück weit als politische Maßnahme", sagte der Professor für Finanzwesen von der Universität Michigan, Nejat Seyhun, gegenüber der New York Times. Nach Ansicht von Seyhun richtet sich die Maßnahme auch gegen die Notenbank selbst:

Präsident Trump will den Einfluss der Federal Reserve eindämmen. 

Realwirtschaft schwächelt

Während der US-Bankensektor die Folgen der Weltfinanzkrise inzwischen verdaut hat und angesichts angekündigter Deregulierungen zuversichtlich in die Zukunft blicken kann, schwächelt die Realwirtschaft. Der Internationale Währungsfonds (IWF) senkte vor Tagen seine Wachstumsprognose für die USA. Der IWF erwartet für das laufende Jahr ein Wachstum von 2,1 Prozent, nach bislang 2,3 Prozent. Im kommenden Jahr dürfte das Wachstum ebenfalls 2,1 Prozent betragen. Im April war der IWF noch von 2,5 Prozent ausgegangen.

Das im Haushaltsentwurf des Weißen Hauses genannte Wachstumsziel von 3,0 Prozent im Jahr 2020 zieht der Fonds in Zweifel. Selbst im Fall einer perfekt abgestimmten Politik sei das Resultat vermutlich niedriger als im Budgetplan angenommen – und es werde länger dauern, um dieses zu erreichen. Laut IWF bremsen unter anderem die alternde Bevölkerung der USA sowie die schwache Produktivitätssteigerung die Wirtschaftsentwicklung.

(rt deutsch/dpa)