"Ich will den Euro nicht" – Favorit bei Parlamentswahlen in Tschechien lehnt Eurozone ab

"Ich will den Euro nicht" – Favorit bei Parlamentswahlen in Tschechien lehnt Eurozone ab
Der milliardenschwere Geschäftsmann Andrej Babis, dessen ANO-Partei im Oktober die Parlamentswahlen in Tschechien für sich entscheiden könnte, hat sich gegen die Einführung des Euros ausgesprochen. Die Beibehaltung der Krone diene der Krisenprävention.

"Keinen Euro. Ich will den Euro nicht. Wir wollen den Euro hier nicht", unterstrich Babis, Umfrage zufolge hoher Favorit für das Amt des künftigen Regierungschefs, im Interview mit dem Finanznachrichtenportal Bloomberg am Montag. An die Adresse der Europäischen Union sagte der Politiker:

Jeder weiß, dass sie bankrott sind. Es geht um unsere Souveränität. Ich möchte die Tschechische Krone und eine unabhängige Zentralbank. Ich möchte kein weiteres Problem, in das sich Brüssel einmischen kann.

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Eine Umfrage von Eurobarometer aus dem Jahr 2016 ergab, dass 72 Prozent aller Tschechen die Krone als Währung behalten wollen. Seit Beginn der EU-Mitgliedschaft Tschechiens im Jahr 2004 legte die Krone über 20 Prozent an Wert zu.

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Die öffentliche Meinung in Tschechien über den Euro hat sich im Zuge des Beitritts zur Europäischen Union erheblich verschlechtert. Im Jahr 2009 wollten noch 61 Prozent aller Bürger im Land den Euro. Die Finanzkrise und die Turbulenzen um den Euro während der letzten Jahre lösten in Tschechien ein Umdenken aus.

Tschechien erfüllte vergangenes Jahr drei von fünf Kriterien für den Beitritt zur Eurozone. Die Einführung des europäischen Wechselkursmechanismus ist bislang jedoch unterblieben. Außerdem muss Prag seine innerstaatlichen Rechtsvorschriften mit jenen Brüssels in Einklang bringen.

Babis hatte die Wahl von Emmanuel Macron in Frankreich unterstützt. Eigenen Worten zufolge lehne er jedoch anders als sein Kollege in Paris eine weitere europäische Integration Tschechiens ab. Der tschechische Unternehmer kommentierte:

Der größte Mehrwert der Europäischen Union ist die nationale Identität eines jeden einzelnen Landes", sagte Babis zu Bloomberg. "Es gibt ein starkes Europa dank starker Staaten – ist das logisch?"

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