Facebook will eigene TV-Serien produzieren – Werbemillionen im Visier

Facebook will eigene TV-Serien produzieren – Werbemillionen im Visier
Das 2004 gegründete Netzwerk zählte nach eigenen Angaben im 1. Quartal 2017 rund 1,94 Milliarden Mitglieder, welche die Plattform zumindest einmal pro Monat besuchten.
Bis jetzt verdient Facebook sein Geld hauptsächlich mit Werbung im sozialen Netzwerk. Doch nun möchte das Unternehmen Insidern zufolge auch in den TV-Markt einsteigen. Die ersten Episoden von Facebook-Serien könnten schon in wenigen Wochen laufen.

Laut Wall Street Journal führt der Social-Media-Riese derzeit offenbar Verhandlungen Facebook mit Hollywood-Studios und Künstleragenturen. Es geht um die Produktion von qualitativ hochwertigen Fernsehshows und -serien. Laut Insidern will Facebook bereits im Spätsommer damit loslegen. Laut dem Wall Street Journal steht ein Produktionsbudget von bis zu drei Millionen US-Dollar im Raum. Der Vize-Direktor für Partnerschaften bei Facebook, Nick Grudin, bestätigte die Pläne:

Unser Ziel ist es, aus Facebook einen Ort zu machen, wo Leute zusammenkommen können, um ein Video zu sehen",

so Grudin.

Zielgruppe: Jugendliche und junge Erwachsene

Zu den Themen der Sendungen und einzelnen Episoden sollen Sport, Gaming und Reality-Fernsehen gehören. Es soll keine politischen Dramen, Nachrichten oder Serien geben. Auch Nacktheit und Gossensprache sollen vermieden werden. Das angepeilte Publikum liege bei 13 bis 34 Jahren, wobei der Kern die 17- bis 30-Jährigen seien. Obwohl die Produktionspartner von Facebook noch nicht bestätigt worden sind, sagte Grudin, dass die Teilnehmer "mit Formaten von Shows experimentieren, um die herum man eine Gemeinschaft aufbauen könne".

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Facebook hatte seinen Fokus in den letzten Jahren deutlich in Richtung Video verschoben. Unter anderem mit Erweiterungen der Video-Funktionen und Livestream-Kapazitäten. Im Februar 2016 sagte Mark Zuckerberg vor einem Publikum in Berlin:

Live-Video ist eines der Dinge, auf die ich mich freue.

Der Schritt zu eigenen Produktionen ist Teil einer zweigleisigen Facebook-Strategie, bei der das soziale Netzwerk das Videogeschäft hochfahren will, um den Milliarden-Markt für TV-Werbung besser anzapfen zu können. Zudem sucht Facebook offenbar auch nach kurzformatigen, vorzugsweise improvisierten Videoinhalten, die für zehn Minuten im Spotlight-Bereich des Videokanals laufen könnten. Das soziale Netzwerk soll den Produzenten solcher Kurzvideos laut einem Insider einen Werbeumsatz von 5.000 bis 20.000 Dollar pro Episode garantieren.

Markt weist bereits zahlreiche bedeutsame Player auf

Facebook lehnte einen Kommentar zu konkreten Inhalten seiner Videopläne ab. Ziel sei es, mit Partnern zu erarbeiten, was dabei an Formaten und Inhalten funktioniere.

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Facebook würde damit spät in einen Markt einsteigen, in dem sich bereits seit Jahren digitale Player wie Amazon.com und Netflix tummeln. Im Gegensatz zu den Wettbewerbern soll Facebook den Hollywood-Studios allerdings signalisiert haben, die Nutzerdaten mit ihnen teilen zu wollen.