Finanzkrise in der Europäischen Union: Schäuble wegen Griechenland in der Kritik

Finanzkrise in der Europäischen Union: Schäuble wegen Griechenland in der Kritik
Griechische Flaggen für einen Euro, Athen, Griechenland, 26. Juli 2015.
Am Donnerstag entscheidet sich, ob das verschuldete Griechenland weitere Hilfs-Milliarden erhalten wird. Die hierfür verlangten Reformen wurden von der griechischen Regierung durchgesetzt. Schäuble geriet wegen seiner Haltung zu Griechenland in die Kritik.

Am Nachmittag wird die Eurogruppe in Luxemburg zusammenfinden, um über Griechenland zu beraten. Alle Reformen, die Voraussetzung für weitere finanzielle Hilfen waren, hat Griechenland erfüllt. Ende Mai gab es einen Disput, der eine Einigung in der Schuldenerleichterung verhinderte. 

Gegenüber der Deutschen Presseagentur sagte der Bundestags-Fraktionschef Anton Hofreiter, dass eine Kursänderung "mehr als überfällig" sei. Eine Verzögerung der Entlastungen, die auch auch vom Internationalen Währungsfonds gefordert wurden, triebe "einen Spalt durch das gemeinsame Europa, das dringender gebraucht wird als je zuvor". Kritik äußerte Hofreiter am Verhalten Schäubles. Denn dieser wolle einerseits den IWF miteinbeziehen, aber lehnt eine Senkung der Schuldenlast für die Griechen ab. Er bezeichnete das agieren Schäubles als "schizophren". 

Griechischer Finanzminister wirft Gläubigern Doppelmoral vor

Zustimmung in der Kritik an Schäuble erhält Hofreiter vom griechischen Wirtschaftsminister Dimitri Papadimitriou. Gegenüber der Zeitung "Die Welt" sprach er von einem "unredlichen" Verhalten Schäubles. Er machte deutlich, dass sein Land den Reformforderungen nachgekommen sei, darunter auch eine Rentenkürzung von 25 Prozent. Es gehe nicht darum, Schulden zu streichen, sondern Zinsen zu senken oder die Laufzeiten der Hilfskredite zu verlängern. "Das Geld ist nicht verloren", sagte Papadimitriou.

Neben dem deutschen Finanzminister und der Eurogruppe wird bei dem Treffen auch die IWF-Chefin Christine Lagarde erwartet. Schäubles Sprecher zu dem geplanten Treffen: 

Wir gehen davon aus, dass wir ein tragfähiges Gesamtpaket vereinbaren können.

Die Nachrichtenagentur ANA-MPA fasste die griechische Stimmung der Regierung zusammen: 

Wir sind von einer Lösung noch weit entfernt.

Seit dem Jahr 2010 ist Griechenland auf die Hilfe seiner europäischen Partner und des IWF angewiesen. Das Hilfsprogramm von 2015, welches die Staatspleite kurzfristig abwendete, umfasst 86 Milliarden Euro und dauert noch bis 2018 an. Von den 86 Milliarden Euro wurden fast 32 Milliarden ausgezahlt. Im kommenden Monat braucht Griechenland sieben Milliarden, um Schulden zu begleichen. (rt deutsch/ dpa)