Russlands Trumpf: Katar-Krise erhöht Absatzchancen der Gazprom für Gaslieferungen nach Europa

Russlands Trumpf: Katar-Krise erhöht Absatzchancen der Gazprom für Gaslieferungen nach Europa
Der weltweit größte Flüssigerdgas-Exporteur (LNG), Katar, steht vor Versorgungsproblemen, da die von Saudi-Arabien geführte Allianz den Handel des Landes isoliert. Dies könnte für Russland auf dem europäischen Gasmarkt hilfreich sein.

Dass die katarische Tanker-Flotte zurzeit weder in regionale Häfen einlaufen noch Ankerplätze nutzen darf, stellt eine erhebliche Bedrohung für die Flüssigerdgas-Versorgung des Landes dar.

Händler sind besorgt, Saudi-Arabien und deren Verbündete könnten sich weigern, LNG-Sendungen aus Katar zu akzeptieren. Viele befürchten auch, Ägypten könnte sogar Tankern mit katarischer Ladung die Durchfahrt durch den Suez-Kanal verwehren, obwohl sich Kairo im Rahmen einer internationalen Vereinbarung verpflichtet hat, diesen die Nutzung der Wasserstraße zu ermöglichen.

Sollte die Flüssiggas-Versorgung unterbrochen werden, muss Europa mehr Gas aus Russland kaufen.

Erweiterte Absatzchancen für die Gazprom

Gazprom baut derzeit neue Pipelines in Europa - Nord Stream 2 und Turkish Stream. Der russische Energie-Riese stößt damit jedoch in der politischen Klasse vieler europäischer Länder auf Widerstand.

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Die größten Hindernisse stehen dabei der geplanten Nord-Stream-Erweiterung im Wege. Dieses Vorhaben soll die bestehende Kapazität der Pipeline auf 110 Milliarden Kubikmeter pro Jahr verdoppeln. Die neue Pipeline, die die Ukraine umgeht, würde Deutschlands und Frankreichs gemeinsamen jährlichen Gasverbrauch abdecken. Polen ist einer der heftigsten Nord-Stream-Gegner und hat ein LNG-Terminal im Hafen von Swinoujscie gebaut.

Während Russland etwa zehn Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr an das Land liefert, hat das neue polnische Terminal eine Kapazität von fünf Milliarden Kubikmeter und kann auf 7,5 Milliarden Kubikmeter erweitert werden.

Polen kaufte im letzten Jahr weniger als zehn Prozent seines Gases aus Katar. Polnische Behörden geben jedoch an, dass das Land sich im großen Stil zu einem Verkäufer von katarischem Flüssigerdgas in Europa entwickeln möchte.

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Russisches Gas ist günstiger als jenes aus Norwegen oder den USA

Dem GIIGNl-Bericht von 2017 zufolge exportierte Katar im vergangenen Jahr 79,6 Millionen Tonnen LNG, davon 52,7 nach Asien. Nach Europa hat das Emirat 17,9 Millionen Tonnen geliefert.

In diesem Zusammenhang erklärt der Energieexperte Igor Juschkow gegenüber Life.ru:

Wer kann Gas nach Europa liefern? Ohne Katar sind es Norwegen, die Vereinigten Staaten und Russland. Europäer werden US-amerikanisches Gas zum Zwecke der Diversifizierung kaufen. Allerdings stellt sich die Frage nach den Volumina. Amerikanisches Gas ist nicht billig. Norwegisches ist auch nicht billig. Die Skandinavier müssen neue Projekte erschließen, um die Exporte zu erhöhen, und das kostet.

In dieser Situation bleibe [nur] Russland. Der Vorstandsvorsitzende von Gazprom, Alexej Miller, machte bereits deutlich, dass Gazprom weitere 150 Milliarden Kubikmeter aus den bereits erschlossenen Gasfeldern liefern kann, merkt Juschkow an.

Russland exportiert nun 178 Milliarden Kubikmeter. Russland könnte seine Exporte fast verdoppeln. Die Situation um Katar spielt Gazprom in die Hände", fügte er hinzu.

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